Das christliche Medienmagazin

„Spiegel Wissen“-Sonderheft: Mein Glaube

Viele Menschen sind auf der Suche nach Orientierung und einer höheren Wahrheit. Für die neueste Ausgabe von „Spiegel Wissen“ haben die Redakteure untersucht, welche Bedeutung die Weltreligionen haben und welche Sehnsüchte sie ansprechen. Auf 130 Seiten versuchen sie, die wichtigsten Fragen zu den Weltreligionen zu beantworten und darzustellen, warum Religion für die Menschen so wichtig ist.
Von PRO

Foto: Heinrich-Böll-Stiftung

Gleich zwei Religionen haben Platz im Leben von Michael Brück. Er studierte Theologie und ließ sich später zum Yoga- und Zen-Lehrer ausbilden. Als Christ fühlt er sich Jesus von Nazareth verbunden. In einem mehrseitigen Interview sagt er aber auch, dass Meditationen ihm dabei helfen, sich im Alltag auf Jesus als Vorbild zu besinnen. Brück spricht über die spirituelle Sinnsuche der Menschen und die Kraft der Rituale. Für ihn gibt Religion dem Unfassbaren einen Sinn.

Das Dossier geht auf die „vielen Welten“ des Glaubens ein, jeder Religion widmen die Redakteure ein Kapitel. Die Graphiken und Tabellen zu den Weltreligionen zeigen, dass der Glaube in Deutschland nie so vielfältig war wie derzeit. Die Journalisten stellen dar, wie häufig Christen die Gottesdienste besuchen, woran die Deutschen sonst noch glauben und wie sehr sie den Islam als Bedrohung sehen. In Daten und Fakten aufgearbeitet ist auch der Islam, das Judentum, der Buddhismus und der esoterische Sektor. Die Daten entstammen dem Religionsmonitor und Umfragen demoskopischer Institute.

Zweifel am christlichen Glauben

Die Redakteure haben zudem sechs Prominente portraitiert, die von ihrem persönlichen Glauben berichten. Dazu gehört zum Beispiel der Buddhist und Betriebsratschef von Porsche Uwe Hück. Die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles bekennt sich zum christlichen Glauben, schreibt aber auch über ihre Glaubenszweifel und die Fragen, die ihr bei der christlichen Erziehung ihrer Tochter kommen. Die Fußball-Nationalspielerin Lira Bajramaj hat ihren festen Halt im Islam gefunden und seitdem „keinen Tag daran gezweifelt“. Der Fernseh-Moderator Ilja Richter spricht über die Gefahren, sich als Prominenter zum jüdischen Glauben zu bekennen. Für Anja Kruse, Schwarzwildklinik- und Traumschiff-Darstellerin war die Entscheidung für den Buddhismus ein wichtiger Schritt, ein tiefsitzendes Karma um alte Verhaltensweisen zu ändern.

Stefan Berg beschäftigt sich in seinem Beitrag mit dem spirituellen Eigenleben, das Engel mittlerweile führen. Annette Bruhns hat eine Pilgergruppe aus dem westfälischen Paderborn ins französische Lourdes begleitet und dabei deren große Sehnsucht nach Kraft, Zuspruch und Heilung verspürt. Als engagierte Christin wird Beatrice von Weizsäcker vorgestellt. Allerdings könne sie einen zentralen Glaubenssatz des Christentums – die Auferstehung Jesu – nicht annehmen: „Das sprengt meine Vorstellungskraft“, sagt sie. Ihr Bild von Jesus ist das eines gütigen Menschen, der aber auch Rebell und Aktivist Gottes war.

Christen im Spiegel

Kritisch mit seiner Kirche setzt sich der Katholik Thomas von Mitschke-Collande auseinander. Kirche ist für ihn eine bestimmte Interpretation seines Glaubens und deswegen dringend notwendig. Mit dem Votum für eine mündigere und freiere Kirche möchte er ihr helfen und sie zukunftsfähig machen. Eine Einheit von Katholiken und Protestanten liegt für die Religionswissenschaftlerin Sibylle Lewitscharoff noch in weiter Ferne. Zu viele theologische Hürden verhinderten eine Ökumene in naher Zeit.

Aus Sicht der Spiegel-Autoren haben charismatische Freikirchen deswegen einen so großen Zulauf, weil sie ihre Gottesdienste wie Popkonzerte feiern. Als exemplarisches Beispiel wird das ICF in München vorgestellt. Als „Backstage-Bereich“ der Freikirchen bezeichnet Jenny Becker die Hauskreise, wo es zu tiefgreifenden theologischen Diskussionen komme.

Buddhismus und Islam

Die konvertierte Muslimin Sarah Lenkeit habe im Islam einen „tiefen inneren Frieden“ erlebt. Kristina Maroldt sieht in ihrem Übertritt auch eine Sehnsucht nach einem klaren Gottesbild und eindeutigen Regeln. Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur äußert sich in einem Interview über den modernen Islam, das Kopftuch und den Dialog der Religionen in Deutschland. Sie beklagt, dass das Wissen über den Islam sehr gering ist. Auch seien die deutschen Vorbehalte stärker als in anderen europäischen Ländern. Eine eher liberale Vertreterin des Islam kommt mit Lamya Kaddor zu Wort. Sie sieht den Radikalismus der Salafisten genauso kritisch wie die Intoleranz vieler Islamkritiker.

Der Buddhismus zieht vor allem Gebildete an. Zu diesem Fazit kommt Rainer Traub. Die Essenz des Buddhismus sei es, betonen Vertreter der Religion, weniger zu leiden und mehr zu lieben. Gerrit Jöns-Anders hat einen jungen Shaolin-Mönches begleitet und dabei einen Mann mit großer Willensstärke getroffen. Einen Einblick in das komplexe jüdische Leben gewährt das Portrait des Juden Shlomo Bistritzky. Er hat vor zehn Jahren in Hamburg die dortige Talmud-Tora-Schule begründet. Bistritzky verhehlt nicht, dass sich Juden für die Ausübung ihrer Religion anstrengen müssen. Eine interessante Horizont-Erweiterung ist das Interview mit vier Berliner Gymnasiasten, die über ihr Leben als Juden in Berlin berichten. Michael Sontheimer hat Avitall Gestertter begleitet. Die erste jüdische Kantorin in Deutschland fällt nicht nur durch ihren unorthodoxen Musikgeschmack auf, sondern sie organisiert auch interreligiöse Fußballturniere.

Spirituelle Sehnsucht

Über den Zuwachs an Messen, die sich mit dem Sinn des Lebens beschäftigen, schreibt Jochen-Martin Gutsch. Er meint, dass mit der Spiritualität nicht nur eine Geisteshaltung gefördert, sondern auch ein Geschäft betrieben wird. Zum Thema „Spirituelle Sehnsucht“ haben die Macher des Heftes auch Personen interviewt, die von ihren Nahtod-Erlebnissen berichten. Viele davon änderten ihr Leben, heißt es in dem Artikel. Was es bedeutet, wenn die Religion für die meisten Menschen keine Rolle spielt, zeigt ein Blick in das Leben von Wiebke Hollersen. Sie ist durch ihre Kindheit in der DDR weitgehend „gottlos aufgewachsen“.

Angereichert ist das Heft mit vielen Bildern des Fotografen Hermann Bredehorst, der im Rahmen seines Projekts „Glauben in Berlin“ Menschen aus unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften portraitiert. Zudem gibt es viele Tipps weiterführende Literatur zu allen vorgestellten Religionen. Die Bandbreite des Heftes und die Vielfalt der Geschichten machen es zu einer lohnenden Investition. (pro)

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