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“Spiegel”: Über den Erfolg der “Christus-Sekte”

Als „Sturmgeschütz der Demokratie“ wollte „Spiegel“-Gründer Rudolf Augstein sein Magazin verstanden wissen. In schöner Regelmäßigkeit, meist zu Weihnachten und Ostern, wird der „Spiegel“ auch zum „Sturmgeschütz der historisch-kritischen Theologie“ – in der aktuellen Ausgabe wieder.
Von PRO

„Spiegel“-Gründer Augstein war ein erklärter Glaubenskritiker, insbesondere mit dem Christentum lag er über Kreuz. „Jesus Menschensohn“ lautete auch sein in den 70er Jahren veröffentlichtes Buch, in dem er seinen Lesern die Grundlagen der so genannten historisch-kritischen Theologie nahe brachte. Also etwa die These, dass Jesus nicht der Christus gewesen sei, als der er in den Evangelien beschrieben wird. Nein, der Wanderprediger Jesus sei erst von seinen Nachfolgern zum Erlöser der Menschheit erklärt worden, posthum natürlich.

Phantasie der Autoren

Lange vor Augstein hat sich der historische Kritizismus in der Theologie durchgesetzt. Bibel und Homers „Ilias“ stehen auf einer Stufe der Erzählliteratur, in denen einiges vielleicht wahr, aber ganz sicher der überwiegende Teil der Geschichten der Phantasie der Autoren zuzuschreiben sei. Um es klar zu machen: Ein Matthäus oder Lukas, ein Paulus oder Petrus, ein Markus oder Johannes hätten in ihren Berichten und Briefen übertrieben, gelogen und ganze Passagen frei erfunden – so lehrt es die moderne Theologie. Was liegt da näher, als gleich die gesamten Evangelien als Werke von Scharlatanen abzutun.

Regelmäßig widmet sich also der „Spiegel“ gewichtigen theologischen Fragen und Hintergründen. Zu Weihnachten werden dann die „neuesten Erkenntnisse“ der theologischen Wissenschaft ausgebreitet, die Licht in Ereignisse bringen, an die tatsächlich noch heute Menschen glauben. Ostern bietet sich per se schon als Thema an – feiern an diesem Tag die Christen weltweit doch die Auferstehung Jesu, ein Ereignis also, das sich mit kritischer Wissenschaft und gänzlich ohne Glauben nicht recht in Einklang bringen lässt. Die klassische Spannung um die journalistische Kernfrage, wie es denn tatsächlich gewesen sei und von der eine gute „Story“ lebt, ist also da, natürlich auch an Ostern in diesem Jahr.

„Guru Jesus“ und seine Nachfolger

Und so widmet sich „Spiegel“-Autor Matthias Schulz der Frage, wie aus der „Christus-Sekte“ eine Weltreligion werden konnte. Der „Guru Jesus“ so der Autor, sei als „Bettelmönch“ durch die Lande gezogen, auch über sein Privatleben ließe sich spekulieren. Als Kronzeugen der Spekulationen werden Philosophen wie Friedrich Nietzsche oder der Grieche Kelos zitiert: Die Jüngerschar sei mit Jesus als eine „buddhistische Friedensbewegung“ umhergezogen, die Jungfrauengeburt sei „erfunden worden, um die ‚abstoßenden Umstände’ seiner Herkunft zu verschleiern“. Ja, und möglicherweise sei Jesus auch mit Maria Magdalena liiert gewesen, so Schulz. Dies berichte ein Text aus dem 3. Jahrhundert.

Auferstehung, die „ausgeheckte Idee“

Doch damit nicht genug, noch ist die Frage, wie aus der „Jesus-Sekte“ eine Weltreligion werden konnte nicht beantwortet. Der entscheidende Impuls zur Ausbreitung des Evangeliums in alle Welt kam laut Schulz von Paulus, dem Apostel. Ursprung dessen Lehre sei in der Kreuzigung Jesu begründet. Allerdings anders, als die wohl meisten Christen glauben: „Auf die Urgemeinde in Jerusalem wirkte die Quälerei (Kreuzigung Jesu) wie ein Schock“, schreibt der „Spiegel“-Autor. „Jesu Vision der Liebe war zertreten worden. Also deutete die Gruppe das Geschehen radikal um. Wer die Idee von der Auferstehung des Herrn und seiner nahen Wiederkunft ausheckte, weiß bis heute niemand“.

In einer „ausgeheckten Idee“ liegen für den „Spiegel“ die Ursprünge und Grundlagen des Christentums. Mit dieser „Idee“ seien sodann Paulus, Petrus und andere durch die Länder gezogen, um gegen bestehende gesellschaftliche Überzeugungen und Praktiken anzureden. Insbesondere bei Frauen sei die „Idee“ des Christentums gut angekommen, sie hätten in Folge ihrer Konversion von Abtreibungen gelassen und mehr Kinder geboren als Römer und Griechen zusammen. „Denn war erst mal die Mutter getauft, riefen die Kinder bald ebenfalls Hosianna“, erklärt Schulz die rasante Ausbreitung der „Christus-Sekte“ zur Weltreligion.

Er tut das in bester historisch-kritischer Manier des „Sturmgeschützes”.

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