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Spiegel macht Betrug im eigenen Haus öffentlich

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat Betrugsfälle innerhalb der eigenen Redaktion offengelegt. Der mehrfach preisgekrönte Autor Claas Relotius hatte in Reportagen Vorgänge, Personen und Zitate erfunden.
Von PRO
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„Sagen, was ist“, ist die Devise des Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Die ist durch den Betrugsfall erschüttert.

Foto: Wolfgang Meinhart

„Sagen, was ist“, ist die Devise des Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Die ist durch den Betrugsfall erschüttert.

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat über mehrere Jahre hinweg Texte veröffentlicht, die sich nun als Fälschungen herausstellen. Wie das Medienhaus am Mittwoch bekanntgab, hatte der Autor Claas Relotius in mehreren Reportagen bewusst umfangreich betrogen und Informationen teilweise komplett erfunden.

Aufgeflogen sei der Reporter und Redakteur des Spiegel vor allem durch interne Recherchen eines Kollegen, der mit Relotius gemeinsam an dem Beitrag „Jaegers Grenze“ über eine Bürgerwehr im US-Bundesstaat Arizona arbeitete. Dieser Text war in der Ausgabe 47 des Magazins erschienen. Online ist der Artikel mittlerweile mit dem Hinweis versehen, dass Texte des Autoren unter Fälschungs- und Manipulationsverdacht stehen. Auch der Beitrag „Gottes Diener“ über einen amerikanischen Abtreibungsarzt ist offenbar betroffen.

Das Nachrichtenmagazin verfügt über eine Dokumentationsabteilung mit rund 60 Mitarbeitern, die sämtliche Tatsachenbehauptungen vor der Veröffentlichung von Texten überprüfen. Aber dort sind die Fälschungen und Manipulationen offenbar ebensowenig aufgefallen wie bei Vorgesetzten und Redakteuren, die Relotius’ Texte bearbeiteten. „Diese Enthüllung, die einer Selbstanzeige gleichkommt, ist für den SPIEGEL, für seine Redaktion, seine Dokumentationsabteilung, seinen Verlag, sie ist für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Schock“, heißt es in einem Text in eigener Sache auf Spiegel Online. Denn das Magazin habe den Anspruch, zu „sagen, was ist“. So hatte es Spiegel-Gründer Rudolf Augstein ausgegeben. „Die selbst gesteckten Ziele wurden verfehlt, eigene Ansprüche weit unterboten, alte Werte verletzt“, gesteht das Magazin ein.

Kommission soll Umfang des Betrugs untersuchen

Der Spiegel bitte alle Leser, Kollegen, Kunden, journalistische Preiskomitees und andere Betroffene um Entschuldigung. Relotius habe nach internen Hinweisen und Nachforschungen zugegeben, Texte manipuliert, Zitate, Szenen und Personen erfunden oder in falsche Zusammenhänge gesetzt zu haben. Er habe vor allem aus der Angst heraus gehandelt, zu scheitern. Je erfolgreicher er geworden sei, desto mehr sei der Druck gestiegen, nicht scheitern zu dürfen, sagte er laut Spiegel. Der 33-jährige Journalist wurde bereits mehrfach für seine Arbeiten ausgezeichnet, unter anderem viermal mit dem Deutschen Reporterpreis – erst diesen Monat für seine Reportage „Ein Kinderspiel“, die er offenbar auch manipuliert hat. Er erhielt die Medienpreise der Katholischen Kirche und der Kindernothilfe sowie den Konrad-Duden- und den Peter-Scholl-Latour-Preis.

Auf seiner Website legt der Spiegel in mehreren Beiträgen umfangreich dar, wie und wo es nach jetzigem Kenntnisstand zu dem Betrug und seiner Aufdeckung kam und warum die Dokumentationsabteilung in diesen Fällen an ihre Grenzen stieß. Eine Kommission soll nun aufarbeiten, bei welchen Beiträgen und in welchem Umfang genau Relotius betrogen habe. Der Journalist habe mittlerweile den Spiegel verlassen. Relotius schrieb auch für andere Zeitungen und Zeitschriften, unter anderem das Magazin Cicero, die Tageszeitung Die Welt oder die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Auch diese Medien könnten daher von dem Betrug betroffen sein.

Von: Jonathan Steinert

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