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Spagat zwischen Selbstbestimmung und Lebensschutz

Wie viel Schutz braucht ungeborenes Leben? Danach fragt der hr-Moderator Philipp Engel in seiner Sendereihe „Engel fragt“. Er lässt in dem 30-minütigen Beitrag Ärzte, Lebensschützer, Besucher des Katholikentags und Leipziger Studenten zu Wort kommen.
Von PRO
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Philipp Engel (li.) fragt einen Arzt zu den Rahmenbedingungen von Abtreibungen

Foto: Hessischer Rundfunk/Screenshot pro

Philipp Engel (li.) fragt einen Arzt zu den Rahmenbedingungen von Abtreibungen

Auf der einen Seite werden laut offiziellen Zahlen jährlich rund 100.000 Embryonen abgetrieben. Dies kritisieren Lebensschützer massiv. Auf der anderen Seite geraten Ärzte, die Abtreibungen durchführen, unter Druck. Wie viel Schutz ungeborenes Leben braucht, wollte hr-Moderator Philipp Engel in seiner Sendung „Engel fragt“ wissen.

In der Sendung, die am Dienstag um 21:45 Uhr im Hessischen Rundfunk (hr) lief, konstatiert Philipp Engel, dass der aktuelle juristische Kompromiss besser ist als sein Ruf. Der Grat zwischen Lebensschutz und Selbstbestimmung sei schmal. Zu der Problematik hat der Journalist Ärzte, Besucher des Katholikentags, Lebensschützer und eine Mitarbeiterin von pro Familia befragt.

Abtreibungsgegner wollen die Gesetze verschärfen und werben auf christlichen Veranstaltungen dafür, sich für das menschliche Leben stark zu machen. Christina Agerer-Kirchhoff von der „Aktion Lebensrecht für alle“ macht in der hr-Dokumentation deutlich, dass es sich bei einem Fötus schon sehr früh um menschliches Leben handele. Die Bundesvorsitzende Alexandra Maria Linder warnt davor, Abtreibungen im öffentlichen Raum als normal anzusehen.

Öffentlich redete keiner über die Abtreibungen

Auf der anderen Seite stünden selbstbewusste Frauen, die auf ihre Selbstbestimmung pochen. Zunächst blickt der hr-Beitrag zurück auf die hochemotionale Debatte der 70er Jahre. Die Feministin Sybilla Flügge spricht von „alten Schlachten“ mit schweren zivilrechtlichen Hürden bei der sexuellen Selbstbestimmung. „Viele haben abgetrieben, aber öffentlich redete keiner darüber.“

Der Beitrag wirft einen Blick in die ehemalige DDR. Dort sei die „Abtreibung so normal wie ein Friseurbesuch“ gewesen. Fast jede dritte Schwangerschaft dort sei abgebrochen worden. Nach der Wiedervereinigung blieb die Abtreibung in Gesamtdeutschland verboten, war aber unter bestimmten Bedingungen straffrei, was zu erneuten Kulturkämpfen führte.

Die pro Familia-Mitarbeiterin Ursula Seubert verdeutlicht, welchen Spagat sie zu bewältigen hat. Auf der einen Seite berate sie zum Schutz des ungeborenen Lebens, andererseits hätten ihre Klienten sowieso das Recht für den Schein. Die Gießener Ärztin Kristina Hänel berichtet davon, welche Hass-Mails sie bekam, als auf ihrer Internetseite über den Ablauf einer Abtreibung informierte. Sie erhielt eine Geldstrafe von 6.000 Euro, nimmt die Äußerungen ihrer Gegner aber aufgrund der „faschistischen Vergangenheit“ Deutschlands ernst.

Die Buchautorin Liane Bednarz ist prinzipiell für den Schutz ungeborenen Lebens. Allerdings kann sie nicht nachvollziehen, warum Lebensschützer so viel Hass in die Debatte einbringen. In ihrem Buch „Die Angstprediger“ schreibt sie davon, dass viele von ihnen rechte Feindbilder übernehmen und diese mit ihren konservativen Ansichten verschmelzen: „Ein Konservativer kennt seine Ansichten und weiß, dass er häufig in der Minderheit ist, aber es schlägt nicht in Hass um“, sagt Bednarz.

Die Sendung ist in der ARD-Mediathek abrufbar und wird am kommenden Samstag um 17:45 Uhr wiederholt.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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