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Software kostet Kirche 3,5 Millionen mehr

Die Evangelische Kirche im Rheinland muss knapp 3,5 Millionen Euro mehr für eine Finanzsoftware ausgeben - teilweise durch eigenes Verschulden. Es ist nicht der erste Finanzsskandal der Landeskirche.
Von Anna Lutz
Manfred Rekowski ist seit 2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland - und muss sich nun mit einem neuen Finanzsskandal in den eigenen Reihen auseinandersetzen

Foto: EKiR/Lichtenscheidt 

Manfred Rekowski ist seit 2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland – und muss sich nun mit einem neuen Finanzsskandal in den eigenen Reihen auseinandersetzen

Knapp 8 Millionen Euro hatte die Landessynode im Rheinland noch 2018 für die Einführung einer neuen flächendeckenden Steuersoftware bewilligt. Nun muss sie knapp 3,5 Millionen mehr aufbringen. Darüber berichtet der Bonner General-Anzeiger von der Synode am vergangenen Samstag in Bonn. Die für die Kalkulation zuständigen Verwaltungsbeamten im Düsseldorfer Landeskirchenamt hätten unter anderem einen Mehrwertsteuerbetrag von 700.000 Euro „übersehen“, wie es in einem Bericht des Kirchen-Vizepräsidenten Johann Weusmann heißt, der pro vorliegt.

Zudem habe es allerhand technische Probleme bei der Einführung der Software „Wilken P5“ gegeben, die im Januar 2019 zunächst im Kirchenkreis Kleve erfolgte. Offenbar sei die Software nicht ausreichend getestet worden. Der Anbieter revanchierte sich mit 240 Beratertagen im Wert von etwa 300.000 Euro. Dennoch sei eine nicht vorgesehene externe Beratung für über eine Million Euro nötig geworden und die Software habe um nicht geplante Funktionen erweitert werden müssen. Kostenfaktor: 550.000 Euro. Für notwendige Kommunikation, Raummieten und Reisekosten seien laut Weusmann weitere 270.000 Euro nötig gewesen. Das alles hat nun die Kirche zu tragen. Sie hält dennoch an einer flächendeckenden Einführung der Software bis zum 30. Juni 2020 fest. „Jede Verzögerung wird weitere Kosten verursachen“, räumt Weusmann in seinem Bericht ein.

Derweil hat sich auch die zuständige Firma Wilken zum Fall zu Wort gemeldet. Sie sieht die Verantwortung für die entstandenen Mehrkosten allein bei der Kirche: Die Einführung der Software sei über einen Festpreisvertrag abgewickelt worden. „Mehrkosten des Softwareherstellers sind nicht entstanden und auch nicht zu erwarten“, sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber dem Bonner General-Anzeiger von Mittwoch. Das Projekt befinde sich im Zeitplan, die Pannen seien „übliche Pilotschwierigkeiten“ und nach heutigem Stand in Gänze behoben. Die Kirche habe schlicht den Aufwand bei der Einführung einer neuen Finanzsoftware unterschätzt. „Dies führte bei der Pilotierung zu dem negativen Eindruck, die Software funktioniere nicht richtig.“

Nicht der erste Skandal im Rheinland

Bereits im Jahr 2011 machte ein Finanzskandal in den Reihen der Kirche im Rheinland Schlagzeilen. Damals musste sie eine Tochtergesellschaft vor der Pleite bewahren, weil diese sich offenbar bei unseriösen Geldanlagen verzockt hatte. Betroffen war das Unternehmen BBZ für Personalabrechnung und Beihilfewesen. Weil auch die Mitarbeiter des Landeskirchenamts ihr Gehalt über BBZ erhielten, hätte eine Insolvenz die Auszahlung von Löhnen und Gehältern der Kirchenmitarbeiter gefährdet. Die Kirche sah keinen anderen Weg, als 20 Millionen Euro aufzubringen, um BBZ zu retten – aus Rücklagen, wie es hieß. Der damalige Präses, Nikolaus Schneider, kündigte daraufhin stärkere Kontrollen bei Finanzgeschäften an.

Die Synode verabschiedete am Samstag unterdessen ihren nächsten Haushalt in Höhe von rund 630 Millionen Euro, plant aber laut Journalist Benjamin Lassiwe „vorsichtshalber“ mit einem Überschuss von einer Million Euro.

Von: Anna Lutz

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