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Software: Fünf Bücher Mose von verschiedenen Autoren

Eine Software von israelischen Wissenschaftlern will herausgefunden haben, dass die Texte des Alten Testaments von unterschiedlichen Autoren stammen. Diese Ansicht vertreten Bibelforscher bereits seit längerem.
Von PRO

Foto: Alexander Smolianitski

Das israelische Forscherteam hat eine Software entwickelt, die erkennen kann, ob ein Text von einem oder mehreren Autoren stammt. Nützlich ist dies etwa beim Aufdecken von Verstößen gegen Urheberrechte. Werbestrategen können zudem Hilfe darin bekommen, Texte an ihre Zielgruppe besser anzupassen. Derartige Software kann zudem das Alter und das Geschlecht von Verfassern ermitteln. Das Team um den Computerwissenschaftler Mosche Koppel von der Bar Ilan Universität nahe Tel Aviv hat seine Software über die fünf Bücher Mose, den Pentateuch, laufen lassen.

Bibel-Forscher gehen schon seit längerem davon aus, dass dieser Text von verschiedenen Autoren aufgeschrieben wurde. Sie teilen den Text gewöhnlich in zwei Teile auf: Der eine wird einer Person oder einer Gruppe zugeordnet, die man "priesterlich" nennt, da es mehrere Verbindungen zu den Tempelpriestern im alten Jerusalem gibt. Den Rest ordnet man als "nicht-priesterlich" ein.

Die Software von Koppel und seinen drei Kollegen unterstützt diese These. Das teilten die Forscher laut "The Associated Press" vergangene Woche in Portland im US-Bundesstaat Oregon bei einer Jahreskonferenz der Vereinigung für Computerlinguistik mit. Zum Team gehören Navot Akiva, Doktorand für Computerwissenschaften, und das Vater-Sohn-Duo Nachum Dershowitz, ein Computerwissenschaftler der Universität Tel Aviv, und sein Sohn Idan Dershowitz, Bibel-Schüler an der Hebrew University in Jerusalem. Die Software unterstützte die gängige These der doppelten Autorschaft des Pentateuch mit einer Sicherheit von 90 Prozent. Das Programm habe in wenigen Minuten genau das unterstrichen, was Bibelforscher in vielen Jahren mühsamer Arbeit herausgearbeitet hätten, betonte Koppel.

Die Forscher interessieren sich besonders für jene Textstellen, die das Programm einem anderen Autoren zuschreibt als es Theologen bislang getan haben. Den Verfasser des ersten Kapitels der Genesis etwa sah man bislang in der priesterlichen Quelle. Die Software sieht hier jedoch die nicht-priesterliche Quelle als Autor.

Zu ähnlichen Übereinstimmungen kam die Software beim Buch Jesaja. Sie stimmt zwar mit der bisherigen Forschermeinung überein, dass das Buch von zwei Autoren geschrieben wurde: Bis zum Kapitel 39 schrieb offenbar der eine, dann übernimmt ein anderer Schreiber. Die Software kam allerdings zu dem Ergebnis, dass der zweite Autor bereits sechs Kapitel früher anfängt.

Im Jahr 2003 war Koppel Teil eines Teams, das eine Software entwickelte, die herausfinden konnte, ob ein Text von einem Mann oder einer Frau stammte. Diese Aufgabe erledigte sie immerhin in vier von fünf Fällen richtig. Ein Kriterium, an das sich das Programm dabei hielt, war etwa die Besonderheit, dass Frauen eher Pronomen wie "sie" und "er" benutzen, Männer hingegen lieber Artikel wie "dies" und "das". Frauen, so die Forscher, sprechen also eher über Personen, Männer eher über Gegenstände.

Ihre Software könne freilich nicht herausfinden, ob der Bibeltext göttlichen Ursprungs sei oder von Menschen erdacht wurde. Drei der vier Forscher, darunter der Leiter, Mosche Koppel, sind religiöse Juden, die davon ausgehen, dass die fünf Bücher Mose von Gott inspiriert und von Menschen aufgeschrieben wurde. Dass ihre Software verschiedene Autoren identifiziert hat, führen sie auf die menschliche Autorschaft zurück. "Derjenige, für den es eine Glaubensfrage ist, ob das Pentateuch von mehreren Schreibern verfasst wurde, kann die Unterschiede, die wir gefunden haben, einfach auf verschiedene Stile zurückführen", sagten die Forscher bei der Präsentation ihrer Ergebnisse. Mit anderen Worten: Es gebe keinen Grund, warum Gott innerhalb eines Buches nicht mit verschiedenen Stimmen sprechen könne. "Das wird keine Wissenschaft je entscheiden können", so Koppel. (pro)

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