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Situation in Ägypten „wird schwieriger“

In Ägypten brennen zwei Jahre nach der friedlichen Revolution auch die Kirchen. Statt von Demokratie wird das Land von Armut und Gewalt beherrscht. In der Diskussion der Fernsehsendung Maybritt Illner um „Glaube und Gewalt in Ägypten“ blieb vor allem die Frage nach dem Glauben auf der Strecke. Stattdessen lieferten sich Peter Scholl-Latour und Hamed Abdel-Samad heftige Wortgefechte.
Von PRO

Foto: ZDF / pro

In der vergangenen Woche gab es fast 1.000 Tote und unzählige Verletzte in Ägypten. Für den Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad befindet sich das Land, was die politischen Verhältnisse betrifft, auf dem Stand Deutschlands im Jahre 1848. Es benötige Zeit, bis es Demokratie lerne. Angezündete Kirchen und abgeschlachtete Polizisten seien ein Indiz für den existierenden Terrorismus: „Ein kranker Staat benötigt einen guten Arzt“, forderte Abdel-Samad.

Demokratie kein Exportgut

Luba Azzam, Politikwissenschaftlerin der Stiftung Wissenschaft und Politik, gab dem Militär die Schuld für die Unruhen. Die Diskrepanzen sollten an der Wahlurne und nicht auf den Straßen ausgetragen werden: „Demokratie ist kein Exportgut und schwierig mit Gewalt zu schaffen.“ Der Nahost-Experte Peter Scholl-Latour hielt die Situation nach dem Militärputsch für gefährlich und gleichzeitig die politischen Möglichkeiten des Westens für überschaubar.

Philipp Mißfelder, außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, sah in den Muslimbrüdern die einzige organisierte politische Kraft. Trotzdem werde es noch lange dauern, bis in Ägypten eine wie auch immer geartete Demokratie entstehe. Mazen Okasha, Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei in Ägypten, mahnte zur Vorsicht. Der gewählte Präsident sei entführt worden, während sich der Präsident, gegen den zuvor gekämpft wurde, auf freiem Fuß befindet. Die Vorgehensweise des Militärs sei alles andere als demokratisch.

Übersteigerte Religiosität nicht mit Demokratie kompatibel

Mursis Besuch in Deutschland bezeichnete Mißfelder als Misserfolg: „Keiner seiner Wünsche wurde umgesetzt.“ Bei der Frage, ob islamische Demokratie möglich sei, zeigte sich Mißfelder skeptisch, weil ihm „die aufklärerische Komponente des Islam“ fehle. Übersteigerte Religiosität sei schwierig mit Demokratie zu verbinden. Abdel-Samad dagegen warf Scholl-Latour vor, mit der „Analyse des Nahen Osten im Kalten Krieg stecken geblieben zu sein“. Deutschland müsse auch seine Beziehungen zu Ländern wie China auf den Prüfstand stellen.

Religionen wie das Christentum oder der Islam müssten erst entmachtet und Teil der Gesellschaft werden, bevor sie zur Demokratie taugten: „Alle Grund- und Menschenrechte wurden gegen die Kirchen durchgesetzt“, argumentierte der Autor, der unter anderem durch die ARD-Sendung Entweder Broder an der Seite von Henryk M. Broder bekannt wurde. Islamische Länder hätten zwei Möglichkeiten gehabt: Entweder es hätten sich moderne Freiluftgefängnisse entwickelt, wie im Iran, oder die Machthaber seien verdrängt worden und hätten sich dann in terroristischen Organisationen organisiert, wie etwa in Mali oder Ägypten. Dabei könnten sie die Demokratie von innen zerstören. Im Blick auf Ägypten prophezeite der in Gizeh geborene Abdel-Samad: „In Ägypten wird die Demokratie kommen, weil eine hungrige Generation das will“. Auch hier widersprach ihm Scholl-Latour: „Es wird schwieriger!“

Die Sendung wird am heutigen Freitag um 16 Uhr auf Phoenix wiederholt. Außerdem ist sie nach Ausstrahlung in der Mediathek des ZDF abrufbar. (pro)

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