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Siggelkow: „Schulen produzieren Versager”

Bildungschancen sind schichtabhängig. Das zumindest ist das Ergebnis einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Instituts Allensbach. Auch „Arche”-Gründer Bernd Siggelkow findet, sozial Schwache haben es in der Schule oft schwerer – und sieht unter anderem die Kirchen in der Pflicht.

Von PRO

Foto: pro

Fast zwei Drittel der Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland bezweifeln, dass Schüler aus unterschiedlichen sozialen Schichten dieselben Bildungschancen haben. Das ist ein Ergebnis der Allensbach-Studie ”Hindernis Herkunft: Eine Umfrage unter Schülern, Lehrern und Eltern zum Bildungsalltag in Deutschland“. Demnach sind 96 Prozent der Lehrer in Deutschland davon überzeugt, dass der soziale Hintergrund des Elternhauses die Leistung von Schulkindern beeinflusst.

Bernd Siggelkow, Gründer des christlichen Hilfswerks „Die Arche”, bestätigte diese Einschätzung auf Anfrage von pro. Wer zum Beispiel Nachhilfe brauche, müsse dafür zahlen. Sozial Schwache könnten sich das nicht leisten. Wer zudem aus einem Brennpunkt komme, besuche oft Klassen, in denen es viele eher schwache oder verhaltensauffällige Schüler gebe. Für Lehrer sei das eine Überforderung und individuelle Hilfe nicht möglich. „Die Schule ist nur so leistungsfähig wie ihr Förderverein”, sagte Siggelkow mit Blick auf fehlende Finanzen im Bildungssystem.

„Ein krankendes System”

Ähnliches geht auch aus der Allensbach-Studie hervor. Demnach sind drei Viertel der Lehrer der Ansicht, dass eine individuelle Förderung einzelner Schüler im Rahmen der Lehrpläne kaum oder gar nicht möglich ist. Siggelkow berichtete von Berliner Schulen, die personell so schlecht ausgestattet seien, dass es nur zwei bis drei reguläre Unterrichtsstunden täglich gebe. „Das ist ein krankendes System”, erklärte er. „Auch wenn es hart klingt, die Schulen produzieren auf diesem Wege Versager.”

Wie die Studie weiter zeigt, sind mehr als drei Viertel aller Lehrer der Meinung, Eltern aus sozial schwächeren Bevölkerungsschichten zeigten vergleichsweise wenig Interesse am schulischen Alltag ihrer Kinder. „Die Eltern leben in Perspektivlosigkeit”, versuchte Siggelkow dieses Ergebnis zu erklären. „Sie sind nicht in der Lage, ihren Kindern zu helfen, weil ihnen auch niemand hilft.” Jenseits von Hartz IV könnten sie ihrem Nachwuchs oft nichts bieten. Deshalb gäben sie sich auf.

Der Pastor wünscht sich ein stärkeres Engagement Ehrenamtlicher, besonders aus den Reihen der Kirche. Letztere müsse ihren Auftrag, sich um die „Schwächsten der Schwachen zu kümmern”, ernster nehmen. So könnten die Kirchen etwa ihre Räume für Schülerhilfen und andere Aktivitäten zur Verfügung stellen. Sie könnten auch gezielt Menschen aus der Gemeinde kontaktieren und um Mithilfe bitten. „Ein aktives Engagement von Mitgliedern könnte schließlich auch deren Bindung an die Kirche stärken”, ist Siggelkow überzeugt.

Der Verein „Die Arche” betreibt Kindertagesstätten in Berlin, Hamburg, München, Potsdam und Frankfurt am Main. Ziel ist es, Kinder aus sozial schwachen Familien individuell zu fördern. (pro)

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