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Siggelkow: Kein Durchbruch bei Kinderarmut

Einen "Durchbruch" nennt Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen die neuen Statistiken zur Kinderarmut in Deutschland. Demnach ist die Zahl junger Hartz IV-Empfänger zurückgegangen. Gegenüber pro erklärte "Arche"-Gründer Bernd Siggelkow, warum er die Zahlen für "beschönigt" hält.

Von PRO

Foto: pro

Laut der Bundesagentur für Arbeit (BA) bezogen im September 2006 noch 1,9 Millionen Kinder unter 15 Jahren Hartz IV-Leistungen. Fünf Jahre später waren es noch 1,64 Millionen. Das entspricht rein statistisch einem Rückgang von knapp 14 Prozent. Ursula von der Leyen hält das für ein "gutes Zeichen", wie sie mitteilte, spricht gar von einem "Durchbruch". Ganz anders sehen das Jugendschützer. Der "Deutsche Kinderschutzbund" etwa erklärte gegenüber der "Deutschen Presse-Agentur" (dpa): "Seit dem Jahr 2006 gibt es fast 750.000 Kinder unter 15 Jahren weniger in unserem Land. Wenn es also immer weniger Kinder gibt, so ist es keine Überraschung, dass in absoluten Zahlen betrachtet auch immer weniger Kinder von Sozialleistungen leben."

Ähnlich sieht das der Gründer des christlichen Hilfswerks "Die Arche", Bernd Siggelkow. Im Gespräch mit pro nennt er die Ergebnisse "beschönigend". Es sei kein Wunder, dass die Zahlen junger Hartz IV-Empfänger zurückgingen, schließlich würden auch immer weniger Kinder geboren.

Kinder noch immer "im Brennpunkt"

Laut dpa ergab die Auswertung der Bundesagentur, dass es große regionale Unterschiede gibt: Im Fünf-Jahres-Vergleich schneide Bayern mit einem Minus von gut 22 Prozent am besten ab. In Stadtstaaten wie Bremen oder Hamburg oder im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen liege der Rückgang dagegen zum Teil deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von minus 13,5 Prozent. Schlusslicht sei Berlin: In der Bundeshauptstadt habe sich die Zahl der hilfebedürftigen Kinder im gleichen Zeitraum nur um 1,2 Prozent verringert. Mehr als jedes dritte Kind unter 15 Jahren lebt der BA zufolge in Berlin von Hartz IV. Bundesweit treffe dies auf fast jedes siebte Kind (15,1 Prozent) zu.

Für Siggelkow ist das ein weiterer Beweis für die mangelnde Aussagekraft der Zahlen. In Ländern wie Brandenburg sei etwa der Wegzug zahlreicher Menschen dafür verantwortlich, dass es weniger Hartz IV-Empfänger gebe. In Berlin hingegen zeige sich, dass die Zahlen nahezu stabil blieben, weil die am stärksten von Armut betroffenen, Migranten und alleinerziehende Mütter, nach wie vor schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten. "Wir erleben jedenfalls jeden Tag mehr Besucher in unseren Einrichtungen", sagte Siggelkow und sprach von einem Ansturm auf die "Arche"-Einrichtungen.

Zu den größten Problemen der Kinder zähle, dass sie selten ein gesundes Frühstück erhielten. Geht es nach ihm, sollten Schulen kostenloses Essen anbieten, statt es nur vergünstigt abzugeben. Zudem benötigten "Kinder im Brennpunkt" auch eine individuelle Hilfe in schulischen Dingen, etwa bei den Hausaufgaben oder Nachhilfeunterricht. Siggelkow warb auch dafür, die Sprache der Antragsformulare für Eltern zu vereinfachen. Viele könnten Vergünstigungen nicht in Anspruch nehmen, weil sie die nötigen Papiere nicht ohne Hilfe ausfüllen könnten. "Ich wünsche mir bessere und vertrauenswürdige Ansprechpartner für die Eltern", forderte er. (pro)

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