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Sexuelle Befreiung von Kindern oder Missbrauch?

Der Skandal um sexuellen Missbrauch in der Kirche hat monatelang die Medien beschäftigt. Doch wie stand es um den Sex mit Kindern in der 68er-Bewegung? Der "Spiegel" geht dieser Frage in seiner aktuellen Ausgabe nach.
Von PRO

Foto: Darrell J. Rohl

"Auch die Linke hat ihre Missbrauchsgeschichte", schreiben die "Spiegel"-Autoren in der aktuellen Ausgabe des Magazins. "Zu den Projekten der 68er gehörte die sexuelle Befreiung der Kinder, der Bruch aller Schamgrenzen wurde bei einem Teil der Bewegung zum Programm. So entstand ein Klima, in dem selbst Pädophilie als fortschrittlich galt."

Während die Empörung über sexuelle Übergriffe auf Kinder von Geistlichen in den USA, in Irland, in Deutschland und anderswo groß ist, weiß kaum jemand etwas über die "sexuelle Erziehung von Kindern" in den 60er Jahren. "Der Spiegel" zitiert aus Protokollen über die Arbeit in einem Schülerladen namens "Rote Freiheit" in Berlin Kreuzberg in den Jahren 1969 und 1970. Die Kinder im Alter zwischen 8 und 14 Jahren sollten dort nicht nur zu "sozialistischen Persönlichkeiten" erzogen werden, besonderen Wert legten die Pädagogen auch auf Sexualerziehung. "Beinahe täglich gab es Pfänderspiele, in denen die Schüler sich auszogen, dazu gemeinsame Lektüre von Pornoheften und pantomimische Darstellung des Geschlechtsverkehrs." Die Worte "Sexübung" und "Fickstunde" tauchen in den Protokollen auf. Die "Sexuelle Befreiung" der Kinder war offenbar Programm bei den Pädagogen dieser Zeit. Hinter der Einrichtung "Rote Freiheit" stand das Psychologische Institut der Freien Universität.

"Nicht beschränkt auf katholische Kirche"

"Es ist in Vergessenheit geraten, aber gerade die 68er und ihre Nachfolger waren von einer seltsamen Obsession ergriffen, was die kindliche Sexualität angeht", heißt es im "Spiegel". Die "Verwirrung" beim Umgang mit Kindern beschränke sich nicht auf die katholische Kirche, betonen die Autoren. "Tatsächlich beginnt gerade in den sogenannten fortschrittlichen Milieus eine Sexualisierung der Kindheit, ein schrittweises Absenken der Tabuschranken, an dessen Ende sogar der Geschlechtsverkehr mit Kindern denkbar ist."

Heute seien die Verantwortlichen von einem "akuten Gedächtnisverlust" befallen, wenn es um das Thema Aufarbeitung gehe. "Fragt man Wortführer von einst, erhält man zögerliche oder ausweichende Antworten." Der Politologe und Bewegungschronist Wolfgang Kraushaar sagt: "Im Kern der 68er-Bewegung hat es in der Tat an einer Respektierung der nötigen Grenzen zwischen Kindern und Erwachsenen gemangelt. Inwiefern diese Gefährdung zu Missbrauchsfällen geführt hat, ist offen."

Die bei Rowohlt 1971 erschienene Schrift zur "Revolution der Erziehung" prangerte ein "Inzesttabu" oder ein Verbot "sexueller Betätigung der Kinder" als "Vorbereitung der totalen Anpassung" und "Lustfeindlichkeit" an. Einer Ausgabe der Kulturzeitschrift "Kursbuch" aus den 60er Jahren lag ein Bilderbogen bei, der unter der Überschrift "Liebesspiele im Kinderzimmer" Fotos von einem nackten Jungen und einem nackten Mädchen zeigte. Die "Spiegel"-Autoren fügen hinzu: "Darunter in Großaufnahmen, die man heute in einem Pädophilenblatt vermuten würde, aber nicht in einem Leitmedium der linken Intelligenz".

Der Europaabgeordnete der Grünen Daniel Cohn-Bendit hatte sich mehrmals über diese Zeit und seine eigene Einstellung zum Umgang mit kindlicher Sexualität geäußert. So sagte er etwa 1982 in einer französischen Fernsehsendung, wie fasziniert er davon sei, wenn ein fünfjähriges Mädchen ihn ausziehe – und bezeichnete es als "wahnsinnig erotisches Spiel".

Die "Spiegel"-Autoren stellen die Frage: "Ist es Missbrauch, was in einer Reihe von Kinderläden passiert? Nach den Kriterien, die an katholische Priester angelegt würden, eindeutig ja, mein Alexander Schuller." Damit sprechen sie einen der Pioniere der Bewegung zur sexuellen Befreiung von Kindern aus jener Zeit an. Der Soziologe gehörte 1969 zu den Begründern eines Kinderladens in Wilmersdorf. "Objektiv war es Missbrauch, subjektiv nicht.", sagt Sophie Dannenberg, die selbst von ihren Kindern in einen Kinderladen geschickt wurde. (pro)

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