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Sex-Drohungen und Judenhass: Diesen Rap hören Jugendliche

pro-Redakteur Moritz Breckner hat sich Texte des Rappers Kollegah angehört, dessen Auszeichnung mit dem Echo heiß diskutiert wird. Sein Urteil: Ernst nehmen kann man den Quatsch eigentlich nicht – muss man aber leider.
Von PRO
Rapper Kollegah 2015 bei einem Auftritt in München. Bereits in der Vergangenheit beanstandete die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien Texte von ihm.
Rapper Kollegah 2015 bei einem Auftritt in München. Bereits in der Vergangenheit beanstandete die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien Texte von ihm.

Der Musikpreis Echo hat es geschafft: Trotz mäßiger Relevanz und schwindendem Glamour beherrscht er die Schlagzeilen. Grund: Die Rapper „Kollegah“ und „Farid Bang“ wurden für ein gemeinsames Album ausgezeichnet, obwohl in einem der Titel Auschwitz-Opfer verhöhnt wurden („Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“). Auch sonst sind die Texte der Titel (das Synonym Lieder kann an dieser Stelle nicht verwendet werden, da kaum Melodie und Gesang vorhanden) recht unerfreulich, weswegen Musiker wie Marius Müller-Westernhagen nun mit der Rückgabe ihrer Echo-Auszeichnungen reagieren. Der Präsident des Deutschen Kulturrats, Christian Höppner, zog sich am Dienstag aus dem Beirat des Musikpreises zurück.

Wer den Echo bekommt, entscheidet sich zu gleichen Teilen durch die Verkaufszahlen und die Wertung einer Jury. Offenbar gibt es also viele Menschen im Lande, die gerne die Titel von Kollegah hören. Das ist interessant, schaut man sich die Texte näher an, die der Käufer auf die Ohren bekommt. Bei YouTube findet sich als Beispiel das Stück „Showtime again remix“.

Der Künstler (das Wort darf in diesem Zusammenhang ironisch verstanden werden) spricht darin meist in der 2. Person Singular zu einem lyrischen Du oder seinen Hörerinnen und Hörern („Nutte, geh mir aus der Sicht“). Mutmaßlich sind viele Hörer masochistisch veranlagt, da der Musiker Frauen wie Männern nicht einvernehmlichen Geschlechtsverkehr und schwerste Körperverletzung ankündigt („Ich fi**e deine Mutter, schneide deine Arme ab“). Überhaupt, die Sache mit den Müttern: Was ging in der Mutter-Kind-Beziehung schief, wenn Kunden sich für Musik entscheiden, bei der ein wütender Mann zahlreiche sexuelle Übergriffe auf „Deine Mutter“ verspricht?

Was will Kollegah sein Publikum sonst noch wissen lassen? „Leute verwechseln öfters meinen Genitalbereich mit der Frontalansicht von Elefantenbabys“ gibt er zum Besten, und erklärt anschließend, mit welchen Formen der Körperverletzung er reagieren würde, sollte ein Freier in einem seiner Bordelle versuchen, die Zeche zu prellen. Das Stück klingt aus mit Beleidigungen gegen Homosexuelle und Fantasien über Oralverkehr.

Traum von einer Welt ohne Juden

Sie haben beim Lesen vielleicht den spöttischen Tonfall bemerkt – es fällt schwer, diese Form der Musik ernstzunehmen. Eigentlich hat sie das gar nicht verdient. Doch leider muss man es ernstnehmen, wenn sich tausende überwiegend junge Leute in Deutschland Musik mit gewaltverherrlichenden Vergewaltigungsphantasien aussetzen – und obendrein dem abstrusen politischen Weltbild, das der Rapper transportiert.

Der Religionswissenschaftler Michael Blume hat auf seinem Blog analysiert, wie der konvertierte Muslim Kollegah von einer Welt ohne Juden träumt und dabei das verschwörungsmythische Buch „13 Illuminaten-Familien“ in seinen Texten verarbeitet. In seinen Videos und Liedern der Reihe „Apokalypse“ werde eine satanistisch-jüdisch-freimaurerische Weltverschwörung propagiert. Was macht das mit jungen Hörern, die durch ihre Sozialisation vielleicht sowieso schon zu Antisemitismus oder antiamerikanischem Hass auf den Westen, in dem sie leben, neigen?

Was eine Indizierung bedeutet

Es fällt unheimlich schwer, in einer liberalen Demokratie nach Verboten zu rufen, erst recht, wenn Betroffene die Kunstfreiheit für sich reklamieren. Klar, über Geschmäcker lässt sich nicht streiten, und auch Gangsta-Rapper können als rein fiktive Kunstfiguren verstanden werden. Doch handelt es sich bei vielen der Texte eindeutig um die Verherrlichung von schweren Straftaten. Deswegen hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien etwa das Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 2“ indiziert.

Eine Indizierung hat zur Folge, dass die Werke im Handel nicht öffentlich ausgelegt und nur an Kunden ab 18 Jahren auf Nachfrage abgegeben werden dürfen. Auch Werbung für die entsprechenden Produkte wäre nicht mehr zulässig. Die Verkaufszahlen leiden bei berühmten Rappern darunter aber nicht automatisch, und im Netz kommen findige Jugendliche sowieso an die Titel. Im Falle der Echo-Auszeichnung ist zudem die Frage erlaubt, warum der Echo-Ethikrat hier nicht eingeschritten ist. Einzig die Vertreterin der Katholischen Kirche im Beirat des Musikpreises lehnte die Auszeichnung ab.

Übrigens: Kollegah empfiehlt seinen Lebensstil eindeutig zur Nachahmung. „Werde zum Mann und lebe nach, was ich auf Tracks rappe“, ruft er im Titel „Veni Vidi Vici“. In den Zeilen davor und danach: Vergewaltigung, Verstümmelung und Mord.

Von: Moritz Breckner

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