Selbstwahrnehmung statt Schubladendenken

Mehr als 320 Besucher des Zukunftskongresses der Kirche „Kirche hoch zwei“ in Hannover haben sich an dem Milieu-Selbsttest des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD (SI) beteiligt. Damit erreichte der Test alle Altersgruppen, 20-Jährige waren genauso vertreten wie über 70-Jährige. 106 Teilnehmer waren 40 bis 49 Jahre alt.
Von PRO

Foto: Andrea Horn / Kongress Hannover Kirche hoch zwei

„Die Auswertung hat ergeben, dass sich die Mehrheit  der Frauen und Männer, die den SI-Milieu-Selbsttest gemacht  haben, sich am liebsten unter Menschen ihres Milieus bewegen“, sagt Soziologin Petra-Angela Ahrens. Das waren 195 Personen. Bei ihnen passten Lebensorientierungen und persönlicher Geschmack nahtlos zueinander. 81 Testpersonen gaben an, sich gern in Milieus zu bewegen, die sich normalerweise eher voneinander abgrenzen. Und bei 48 Teilnehmenden stand die Vielseitigkeit in Lebensorientierungen und Geschmack im Vordergrund. Sie bewegten sich gern in unterschiedlichen Milieus.


„Wir wollten mit dem Selbsttest vor allem die Kongressbesucher für Milieuwahrnehmung sensibilisieren und neugierig machen. Das ist gelungen“, betonte Gerhard Wegner, Direktor des SI. Das Interesse an dem interaktiven Angebot war groß. Die drei iPads, an denen die Selbstbefragung durchgeführt wurde, waren ständig in Betrieb. Als Antwort erhielten die Teilnehmenden eine kleine Milieu-Box mit ihrem Ergebnis zum Mitnehmen und einem Hinweis für vertiefende Lektüre. Nach dem Test entwickelten sich viele − auch ökumenische − Gespräche unter den Standbesuchern.


Die Frage nach Lebensstilen und Milieus beschäftigt nicht nur die Werbung. Pfarrkonvente, Kirchenleitungen und kirchliche Einrichtungen fragen sich, warum oft nur eine bestimmte Gruppe Frauen oder Männer ihre Veranstaltungen besuct und sich an den Aktivitäten beteiligt; andere hingegen gar nicht. „Um neue Menschen zu gewinnen und für die kirchliche Arbeit zu begeistern, ist es hilfreich, das Blickfeld zu erweitern. Wir müssen uns zunächst die eigenen Vorlieben und Abneigungen bewusst machen“, betonte  Petra-Angela Ahrens. Es sei bei dem Selbsttest nicht darum gegangen, herauszufinden, wer zu welchem Milieu gehöre. Stattdessen sollte die Umfrage zeigen, wer lieber unter seinesgleichen bleibt oder Sympathien für unterschiedliche Stiltypen empfindet. Der Selbsttest sollte Lust machen auf einen konstruktiv-kritischen Umgang mit dem Milieu-Ansatz.


Das Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover hat in Zusammenarbeit mit dem SI zu der Thematik eine Broschüre für Kirchenvorstände in der hannoverschen Landeskirche herausgegeben. Das Heft "Das Blickfeld erweitern. Menschen begeistern − Ehrenamtliche gewinnen" bietet Kirchenvorständen Anregungen, die eigene milieubezogene Gemeindesituation zu analysieren und zu bewerten. Die Broschüre kann als PDF herunterladen werden. Das Buch zum Thema von Petra-Angela Ahrens und Gerhard Wegner mit dem Titel "Soziokulturelle Milieus und Kirche" erscheint im März im Kohlhammer-Verlag. (pro/ekd)

Sozialwissenschaftliches Institut der EKD
Helfen Sie PRO mit einer Spende
Bei PRO sind alle Artikel frei zugänglich und kostenlos - und das soll auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden. Unterstützen Sie jetzt PRO mit Ihrer Spende.

Ihre Nachricht an die Redaktion

Sie haben Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen? Dann schreiben Sie gerne eine Nachricht direkt an die PRO-Redaktion.

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen