Seehofer: Ausbildung der Imame in deutscher Sprache fördern

Die Deutsche Islamkonferenz beschäftigt sich in diesem Jahr mit der Frage, wer in deutschen Moscheen in welcher Sprache predigen soll. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) verwies bei der Eröffnung auf die erzielten Fortschritte der vergangenen zwei Jahre. Geplante neue Lehrgänge für deutschsprachige Prediger sah er als wichtige Initiative auf diesem Feld.
Von PRO
Innenminister Horst Seehofer hat die diesjährige Deutsche Islamkonferenz eröffnet

Foto: Deutscher Bundestag

Innenminister Horst Seehofer hat die diesjährige Deutsche Islamkonferenz eröffnet

„In Deutschland ausgebildete Muslime sind ein wichtiger Beitrag dazu, damit die Angehörigen des Islam und die Religion noch heimischer werden.“ Diese Auffassung vertrat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bei der Eröffnungspressekonferenz zur Deutschen Islamkonferenz am Dienstag. Er appellierte an Imame und andere Autoritäten, gemeinsam mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Extremismus und Terrorismus zu bekämpfen.

Der türkische Dachverband Ditib hatte im Januar ein Ausbildungsprogramm für Imame gestartet. Bisher wurden die Prediger für die Ditib-Moscheen aus der Türkei entsandt. Jetzt gebe es dazu eine Alternative, betonte Seehofer. Dem Schritt seien unzählige Gespräche des Innenministeriums mit türkischen Religionsvertretern vorangegangen: „Das ist ein wichtiger Schritt, aber es ist auch nur ein erster Schritt“, sagte der CSU-Politiker. Die Finanzierung der Imame solle nicht abhängig von der Türkei sein.

Wunsch eines bundesweiten Ausbildungswerks

Ziel müsse es sein, die Ausbildung der Imame in Deutschland und in deutscher Sprache zu fördern. Damit könne man Alternativen zu personellen und finanziellen Abhängigkeiten in die Türkei schaffen. Dazu habe schon die Islamkonferenz 2009 Empfehlungen abgegeben.

Als zweites Beispiel nannte Seehofer das Islam-Kolleg Deutschland. Dort hätten sich islamische Theologen der Universität Osnabrück mit Vertreten von Dachverbänden zusammengeschlossen, um ein bundesweites Ausbildungswerk zu entwickeln. Die Initiatoren hätten dabei bewusst auf eine Unterstützung durch das Ausland verzichtet.

Seehofer betonte, dass das religiöse Selbstbestimmungsrecht dabei gewährleistet bleibe. Der Staat müsse aber auch für die Bewahrung der demokratischen Grundordnung sorgen. Wenn die ausgebildeten Geistlichen über deutsche Sprachkenntnisse verfügten, könne man die Zahl eingereister Imame reduzieren und die Einflussnahme von außen begrenzen. Dabei kooperiere Deutschland eng mit den Nachbarländern.

„Wir sorgen für unsere muslimischen Bürgerinnen und Bürger selbst“, versprach er in Richtung Muslime. Je pluraler die Ausbildung sei, desto mehr könnten die Muslime davon profitieren. Seehofer empfahl, den unterschiedlichen Ausbildungsbemühungen für Imame mit Respekt zu begegnen und sie nicht gegeneinander auszuspielen. Die bisherigen Ergebnisse seien gut für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für Deutschland als gemeinsame Heimat unterschiedlicher Religionen.

Den Spaltern entgegengetreten

In der Vergangenheit sei durch die Deutsche Islamkonferenz ein vernünftiger Dialog entstanden. „Wir konnten gute persönliche Verhältnisse aufbauen, Verständnis erzeugen und enger zusammenrücken“, betonte der Innenminister. Er dankte allen islamischen Dachverbänden, die in der Pandemie verlässliche Ansprechpartner gewesen seien. Alle Beteiligten hätten sich für ein gemeinsames und friedvolles Zusammenleben eingesetzt und seien spaltenden Tendenzen entgegengetreten.

Auch den neu eingerichteten unabhängigen Expertenkreis zur Muslimfeindlichkeit bewertete Seehofer als Erfolg der Arbeit der Islamkonferenz: „Wir wollen Vielfalt in Freiheit.“ Es gehe nicht um einen Kampf gegen den Islam, sondern gegen Terroristen und Extremisten, die im Kern die Gesellschaft zerstören wollten. Aufgrund der Corona-Pandemie findet das Treffen digital statt.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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