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Scientology: Stricken für die Sekten-Kasse

Kritik an den Methoden von Scientology kommt nun auch aus den eigenen Reihen der Sekte. Die Funktionärin Debbie Cook hat in einer Brandmail die Geldbeschaffungsmaßnahmen und die Führung der Organisation scharf kritisiert. Für die Öffentlichkeit war das Schreiben aber wohl nie bestimmt.

Von PRO

Foto: DoriDoreau

An 12.000 Scientology-Mitglieder ging das Neujahrs-Schreiben Cooks laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Darin kritisiert sie, die Sekte verschwende ihre Millionen für "protzige" Gebäude. Außerdem wirft sie dem Scientology-Führer David Miscavige vor, die Organisation autokratisch zu leiten. Die Mitglieder würden zu immer aggressiveren Spendensammel-Aktionen gezwungen. Statt das Geld dann in das Wachstum von Scientology zu investieren, horte man es oder gebe es für extravagante Gemeindezentren aus.

"David Miscavige ist der Führer von Scientology geworden", schreibt sie laut SZ. Doch "es sollte nie einen anderen ‘Führer’ geben als Hubbard selbst". Sie schließt mit einem offenen Aufruf an die Mitglieder, kein Geld mehr für zweifelhafte Projekte zu geben; sich zweifelhaften Fundraising-Methoden zu verweigern und den Schriften des Gründers L. Ron Hubbard treu zu bleiben.

Über eine Milliarde angespart

Scientology erklärte dazu, Cooks Vorwürfe "reflektieren eine kleine, unwissende und unaufgeklärte Sicht der Welt von Scientology". Doch auch die amerikanische "Tampa Bay Times" berichtete bereits unter dem Titel "The Money Machine" (Die Geld-Maschine) von fragwürdigen Finanzierungstaktiken der Sekte. Scientology-Aussteiger geben darin Auskunft darüber, wie Führungspersönlichkeiten unerlaubt auf Konten zugreifen oder Mitglieder unter Druck setzen, Geld zu geben. So sollen Scientologen beispielsweise unangekündigt zu Hause besucht worden sein. Sie hätten sich etwa anhören müssen, dass sich ihr spirituelles Wachstum verlangsame, wenn sie nicht genug spendeten. Fast amüsant klingt hingegen, was Cook in ihrer Mail beschreibt. Demnach treibt Scientology mittlerweile sogar mit Bingo-Veranstaltungen und Strickkursen Geld ein. Erfolg scheint die Methode dennoch zu haben. Laut Cook hat die Organisation mittlerweile ein Vermögen von mehr als einer Milliarde US-Dollar angesammelt.

Gegenüber "Spiegel Online" äußerte sich die Scientology-Expertin Ursula Caberta zu dem Fall. Cook werde nun aus den eigenen Reihen sicherlich "als Feind eingestuft". Sie sei eine spannende Person, die eine Menge aus dem Innenleben der Organisation erzählen könne. Scientology werde daher vermutlich versuchen, Einfluss auf sie zu nehmen, damit sie sich nicht mehr äußere.

Das mag Cook vielleicht geahnt haben. Am Ende ihres Schreibens bittet sie: "Haltet diese Mail unter Scientologen. Die Medien haben in dieser Sache nichts verloren." (pro)

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