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Scientology-Buch: „Im Gefängnis des Glaubens“

Für sein neues Buch „Im Gefängnis des Glaubens“ hat Lawrence Wright mit 200 Scientologen und Aussteigern gesprochen. Seitdem werde er von Privatdetektiven beschattet und Scientology habe Überwachungsfotos von ihm publiziert. Im Interview mit dem Spiegel spricht der Schriftsteller über manipulierte Menschen, prominente Scientologen und warum viele bereit sind, ihr Vermögen für Scientology zu opfern.
Von PRO

Foto: Matthew C. Wright / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Vor der Veröffentlichung des Buches hätten Autor, Verlag und Scientology-Anwälte gemeinsam 971 Faktenfragen geprüft. Trotzdem habe Scientology ihn der Lüge bezichtigt. Anfällig für deren Lehre hält Wright vor allem Menschen, die in anderen Religionen keine Antworten auf ihre Fragen gefunden haben. Er nennt beispielhaft den „klugen, skeptischen“ Drehbuch-Autor Paul Haggis, dessen Verstand und Persönlichkeit von äußeren Kräften verändert worden sei, „weil es möglich ist, das Denken und das Verhalten eines Menschen zu leiten“. Haggis habe wohl der wissenschaftliche Ansatz für spirituelle Probleme beeindruckt, deswegen habe er den Lehren der Sekte geglaubt.

„So mächtig wie ein Drogentrip“

Das Ziel von Scientology-Mitgliedern sei es, „clear“ zu werden. Mit Hilfe des Lügendetektors gelinge es zudem, Erinnerungen zu induzieren, die „mächtig wie ein Drogentrip sind“. Es sei „erschreckend leicht, Menschen falsche Erinnerungen einzupflanzen, bis sie diese für real halten“. Trotzdem glaubt Wright nicht, dass Scientology weltweit zehn Millionen Mitglieder habe.

Als besonders belastend habe er bei seinen Recherchen die Geschichten über die Misshandlung von Kindern erlebt. Häufig würden sie ihre Bildung aufgeben und die Voraussetzung verlieren, in der normalen Welt zu überleben. Der Junge Daniel Montalvo habe etwa ohne Schutzkleidung in einem Hotel Asbestverkleidung entfernen müssen. Die Rehabilitationszentren von Scientology bezeichnete Wright als „Straflager“. „Ein Führungsmitglied der Kirche musste den Boden in der Toilette mit seiner Zuge wischen.“ Zudem zwinge Scientology Frauen zur Abtreibung.

Hollywood-Stars bei Scientology

Trotzdem hält Wright den Scientology-Gründer L. Ron Hubbard für einen „interessanten und faszinierenden Menschen“ – wenn auch widersprüchlich. Als wichtigsten Partner für die Kirche sieht er nicht mehr politische Abgeordnete, sondern Prominente. Neben den Altvorderen wie Tom Cruise wachse mit dem Sänger Beck, Elisabeth Moss aus der US-Serie „Mad Men“ und Lisa Marie Presley eine neue Generation heran.

Diese suchten oft nach Struktur und Richtung in ihrem Leben. Der Physiker und Nobelpreisträger Steve Weinberg habe einmal geschrieben, „es sei kein Mysterium, wenn gute Menschen Gutes und böse Menschen Böses tun. Aber wenn gute Menschen Böses tun, sei meistens der Glaube im Spiel“.

Die Menschen am Rande der Gesellschaft spielten bei Scientology keine Rolle, da man „hunderttausende Dollar“ für Kurse und Bücher ausgeben könne. Als antidemokratisch würde Wright die Sekte, die 1993 den Status einer Kirche  von der amerikanischen Steuerbehörde erhalten habe, nicht bezeichnen: „Die Gefahr, die von Scientology ausgeht, ist persönlich, nicht gesellschaftlich, auch wenn Scientology das bestreitet“, erklärt Wright. Ermittlungen gegen das Imperium aufgrund der geschilderten Vorfälle habe das FBI einstellen müssen, denn die amerikanische Verfassung gebiete Religionsfreiheit. (pro)

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