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Scientology-Aussteiger: „Machtbesessene Sekte“

Am Dienstag zeigt der Bayerische Rundfunk eine sehenswerte Dokumentation, in der Aussteiger erzählen, wie die „Kirche von Scientology“ zwar vielen Menschen Hoffnung in ihren Problemen gibt, aber im Grunde eine machtbesessene Sekte ist. Eine TV-Kritik von Jörn Schumacher
Von Jörn Schumacher
Die sehenswerte zweistündige Dokumentation über Scientology läuft am Dienstag, 10. Mai 2016, um 22.30 Uhr im BR Fernsehen

Foto: BR/Telepool

Die sehenswerte zweistündige Dokumentation über Scientology läuft am Dienstag, 10. Mai 2016, um 22.30 Uhr im BR Fernsehen
Der Film „Scientology: Ein Glaubensgefängnis“ ist eine amerikanische Produktion aus dem Jahr 2015. Nun wird sie erstmals übersetzt im deutschen Fernsehen gezeigt. Die fast zwei Stunden lange Dokumentation wurde unter anderem mit drei Prime-Time-Emmys ausgezeichnet. Sie ist so gut gemacht, dass man ihr noch weitere und bessere Sendeplätze wünscht. Regisseur Alex Gibney lässt acht Scientology-Aussteiger zu Wort kommen, viele von ihnen hatten Posten in den höchsten Führungsebenen der Organisation. Sie schildern, dass die „Kirche“ Menschen manipuliert und schikaniert. Zu den Aussteigern gehören der renommierte Hollywood-Drehbuchautor und Oscar-Preisträger Paul Haggis („L.A. Crash“), der ehemalige Spitzenfunktionär Marty Rathbun, der zwei Jahrzehnte lang als rechte Hand des aktuellen Scientology-Vorsitzenden David Miscavige fungierte, der ehemalige Pressesprecher der Sekte, Mike Rinder und der Schauspieler Jason Beghe. Der Dokumentarfilm basiert auf dem Bestseller „Going Clear“ des amerikanischen Autors Lawrence Wright, das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde.

Von einer Science-Fiction-Geschichte zum Milliarden-Dollar-Unternehmen

Während sich die erste Hälfte des Films mit der Entstehung der „Kirche“ und deren Gründer, L. Ron Hubbard, befasst, handelt der zweite Teil von der Übernahme durch Hubbards Nachfolger David Miscavige und der heutigen Situation mit prominenten Anhängern wie John Travolta und Tom Cruise. David Miscavige, Vorstandsvorsitzender der Scientology-Kirche, erklärt, dass die Anhänger dazu gebracht werden können, mehr zu leisten als andere und sich mit Lichtgeschwindigkeit zu bewegen. Man wird nie krank, lautet das Versprechen. Die Sehkraft wird besser. Auch das ewige Leben bekommt man – wenn man denn die Therapien mitmacht, die Geld kosten. Nach Meinung der Scientology-Führung hatte Hubbard ein Heilmittel gegen alle psychischen Erkrankungen der Menschen gefunden, die Methode sei nur deshalb noch nicht bekannter, weil die Schulmediziner die Menschen absichtlich krank halten wollen. Um die höheren Fähigkeiten zu bekommen, muss ein Mitglied immer höhere Stufen in der Hierarchie der „Kirche“ erklimmen. Und Hubbard erfand sehr viele Stufen. Das „Auditing“ wird mithilfe eines Gerätes, welches angeblich die „Masse von Gedanken“ messen kann, vorgenommen. In Wirklichkeit misst es die elektrische Leitfähigkeit der Haut. Völlig wirr wird es, wenn es um die angebliche Entstehungsgeschichte der Welt nach den Lehren von Hubbard geht: Vor einigen Trillionen Jahren lebten die Menschen ungefähr so wie im Amerika der 50er Jahre. Sie trugen sogar die Kleidung aus jenen Jahren. Und auch die Autos jene Zeit fuhren damals schon. Der galaktische Herrscher Xenu packte einige Wesen in Raumschiffe und flog sie zum „Gefängnisplaneten“, der Erde. Er warf die gefrorenen Körper in Vulkane. Und so weiter.

Machtspielchen und spirituelles Vakuum

Die Dokumentation erzählt, wie sich Scientology hinter der Anerkennung als Kirche verstecken kann, um, von der Steuer befreit, mit nur Cent-Beträgen als Löhne für die Mitarbeiter und sehr reichen prominenten Mitgliedern, Geld anhäufen kann. Widerspenstige Mitglieder werden unterdrückt. Die Geschichten, aus denen der frühere Groschenroman-Autor Hubbard eine „Kirche“ erschuf, kann man belächeln. Nicht lustig sind hingegen die Methoden, mit denen die „Kirche“ ihre Mitglieder mit brutalen Mitteln auf Linie hält und viele Aussteiger bedrängt und einschüchtert. Ein langjähriges Mitglied sagt im Film: „Es ist kriminell, dass wir ihnen einen religiösen Status zuerkannt haben, und sie sich dahinter verstecken können, und dort das Leben vieler guter Menschen zerstören.“ Die Doku „Scientology: Ein Glaubensgefängnis“ zeigt eindringlich, wie leicht Menschen, die eine inneres spirituelles Vakuum haben, verführt werden können. (pro)

„Scientology: Ein Glaubensgefängnis“, Dienstag, 10. Mai 2016, 22:30 Uhr, BR Fernsehen

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