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„Schreckensherrschaft“ in Nordkorea

Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un hat seinen Onkel Jang Song Thaek wegen Hochverrats hinrichten lassen. Nach einem Bericht von Amnesty-International baut das Land außerdem die Straflager aus. Auch die Minderheit der Christen leidet unter Folter.
Von PRO
Die Satellitenfotos zeigen neue Baracken, die in Lager 16 entstehen

Foto: DigitalGlobe 2013

Die Satellitenfotos zeigen neue Baracken, die in Lager 16 entstehen
Jang habe parteifeindliche, konterrevolutionäre Handlungen mit dem Ziel ausgeführt, „die Führung unserer Partei, des Staates und des sozialistischen Systems zu stürzen“, zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) nordkoreanische Staatsmedien. Kims Onkel wurde vorgeworfen, seit dem Tod von Kims Vater Kim Jong-il im Dezember 2011 auf eine Machtübernahme hingearbeitet zu haben. Die staatlichen Medien bezeichneten ihn als „Verräter“ und „abscheulichen menschlichen Abschaum, der schlimmer als ein Hund war“. Südkorea beobachte die Vorgänge im Nachbarland mit Sorge, berichtet die FAZ. Das Verteidigungsministerium gab an, sich auf alle Eventualitäten vorbereiten zu wollen. Auch die USA verfolgten die Ereignisse in Nordkorea sehr genau. Das amerikanische Außenministerium bezeichnete die Hinrichtung Jangs als ein Zeichen von „extremer Brutalität“. Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye warf dem Regime eine „Schreckensherrschaft“ vor.

Bis zu 200.000 Menschen in Straflagern

Ob die Exekution erst jetzt durchgeführt wurde, ist unklar. Nach Angaben des südkoreanischen Senders Free North Korea Radio (FNK), den nordkoreanische Flüchtlingen betreiben, wurde sie schon vergangene Woche ausgeführt. Die Bilder des nordkoreanischen Staatsfernsehens, die die Festnahme Jangs am vergangenen Sonntag zeigen, seien möglicherweise manipuliert. Südkoreanische Quellen hatten bereits Anfang Dezember von der Festnahme Jangs und der Exekution seiner Gefolgschaft berichtet (pro berichtete). Die Zeitung Die Welt berichtete ebenfalls Anfang Dezember von einem Ausbau nordkoreanischer Gefangenenlager. Sie beruft sich dabei auf einen Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Auf Satellitenfotos aus den Jahren 2011 bis 2013 seien neue Baracken in Lager 16 zu erkennen. Außerdem gebe es Anzeichen für Arbeitsaktivitäten. Lager 15 im Norden und 16 im Süden des Landes sind die beiden größten Straflager für politische Häftlinge. Unabhängigen Schätzungen zufolge seien in dem abgeschotteten Land zwischen 100.000 und 200.000 Menschen inhaftiert, berichtet Die Welt. Lager 16 sei nach Angaben von Amnesty International 560 Quadratkilometer groß. Das entspreche in etwa der dreifachen Größe der US-Hauptstadt Washington. Rund 20.000 Menschen seien dort eingesperrt. In dem Bericht der Organisation kommt außerdem ein ehemaliger Lagerwachmann zu Wort, der die Hinrichtungsmethoden in Lager 16 beschreibt. Sträflinge hätten ihre eigenen Gräber ausheben müssen und seien dann mit Hammerschlägen ins Genick getötet worden. Lageroffiziere hätten Opfer stranguliert und anschließend mit Stockschlägen getötet. Vergewaltigungen und anschließende Tötungen von weiblichen Häftlingen seien an der Tagesordnung gewesen.

Spionage von „unechten“ Christen

In Lager 15, das etwa 370 Quadratkilometer groß ist, mussten dem Amnesty-Bericht zufolge Häftlinge zehn bis zwölf Stunden täglich Zwangsarbeit verrichten. Insassen hätten von Schwerstarbeit bei Hungerrationen berichtet. Im Jahr 2011 lebten dort schätzungsweise 50.000 Menschen. Amnesty International forderte Nordkorea auf, die Lager unverzüglich zu schließen. Nach Angaben der Hilfsorganisaton Open Doors seien unter allen Gefangenen in Nordkorea etwa 50.000 bis 70.000 Christen. Um inhaftiert zu werden, reiche es schon aus, sich über die unzulänglichen Lebensumstände in Nordkorea zu beschweren. Christen würden besonders dabei verfolgt. Werde ihr Glaube entdeckt, würden sie sofort in ein Lager verwiesen, wo man sie besonders quäle. In der Hauptstadt Pjöngjang gibt es zwar offiziell vier Kirchen. Es handele sich dabei jedoch um „Showkirchen“ für Touristen, in denen einige theologisch geschulte Geheimdienstmitarbeiter angestellt seien. So könnten sie sich als Christen ausgeben und Zutritt zu Gebetsversammlungen erhalten, die im Untergrund stattfinden. Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland, erklärte, trotz aller Verfolgung vernetzten sich die geheimen Hausgemeinden im Land immer stärker. „Jesus Christus ist am Werk und verändert das Land von innen heraus. Wenn jeder Christ in Nordkorea ein Licht in der Finsternis ist, dann hat die Leuchtkraft um ein Vielfaches zugenommen“, sagte er. Die Hilfsorganisation fordert mit einer Gebetskampagne dazu auf, für die Christen im Land zu beten. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/detailansicht/aktuell/nordkorea-lage-immer-bedrohlicher/
https://www.pro-medienmagazin.de/politik/detailansicht/aktuell/emmassenhinrichtungem-in-nordkorea/
https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/detailansicht/aktuell/emder-zeugeem/
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