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Schneider ruft zum Widerstand gegen Rechtsextremismus auf

Wie können Christenmenschen, wie kann die evangelische Kirche mit dem neuen Rechtsextremismus umgehen? Dieser Frage widmete sich der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Nikolaus Schneider, am Samstag in einem Vortrag. Als Antwort nannte er die Konfrontation des Rechtsextremismus' "aus der Mitte der biblischen Botschaft" heraus.
Von PRO

Foto: ekir.de / Andre Zelck

Die Morde der so genannten "Zwickauer Zelle" seien gleichsam "nur die Spitze des Eisbergs", sagte Schneider laut Redemanuskript. Das Phänomen des neuen Rechtsextremismus’ gehe weiter, reiche tiefer und "ist deshalb sehr viel bedrohlicher für unser Land und für unsere Gesellschaft, als wir uns dies bis vor kurzem noch vorstellen konnten". Der Ratsvorsitzende verglich den neuen Rechtsextremismus mit einem Wolf, der Kreide gefressen hat. Besonders im Osten Deutschlands seien die Rechtsextremen auch oft "Kümmerer", "das heißt, sie helfen Menschen in Not und bieten soziale Begleitung in strukturschwachen Gegenden". Er beklagte, dass das Phänomen "bis in die Mitte unserer Gesellschaft hineinreicht und daher leider auch vor Menschen in unseren Kirchengemeinden nicht halt macht".

Rechtsextremismus mit der Bibel konfrontieren

Die Antwort auf die Frage, wie Christen mit dem neuen Rechtsextremismus umgehen sollen, "kann nur lauten: Indem wir ihn aus unserer eigenen Tradition heraus, also aus der Mitte der biblischen Botschaft, mit denjenigen Kernbotschaften konfrontieren, die das Wesen des christlichen Glaubens ausmachen und die dem Rechtsextremismus entgegenstehen", sagte Schneider. Als "Kernbotschaft" bezeichnete er unter anderen Gottesebenbildlichlichkeit für alle Menschen. Sie sei die theologische Grundlegung für die das Grundgesetz prägende These von der gleichen Würde aller Menschen – unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Rasse, ihrer Nationalität oder Religion. Weiter nannte er die besondere Beziehung Gottes zum Volk Israel, wie es die Heilige Schrift an verschiedenen Stellen bezeuge. "Das Judentum ist und bleibt die tragende Wurzel unseres christlichen Glaubens", betonte der Ratsvorsitzende. "Wenn unsere christlichen Kirchen sich vom Judentum – und das heißt konkret von Jüdinnen und Juden! – abschneiden, werden sie verdorren!"

Ferner wies Schneider anhand einer ganzen Reihe von Bibelstellen darauf hin, dass das "Grundanliegen des Schutzes für Fremde" wie ein roter Faden die Gesetzestexte des Alten Testaments durchzieht. Schließlich habe auch Jesus dafür plädiert, Fremde gastfreundlich aufzunehmen, und Paulus habe im Galaterbrief deutlich gemacht: "Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau. Denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus." Sein Fazit: "Ein biblisch-theologisch fundierter Glaube ruft alle Christenmenschen und die christlichen Kirchen in den Widerspruch und Widerstand gegen alle Formen von Rechtsextremismus."

Widerspruch und Widerstand

Deshalb sollten Widerspruch und Widerstand vielfältig und in allen wesentlichen Arbeits- und Aufgabenbereich der Kirche zuhause sein, forderte der Ratsvorsitzende. Die Frage, ob die Kirchen öffentlich für ein Verbot der NPD eintreten soll, ließ er jedoch offen: Manches spräche dafür, auf der anderen Seite wäre der Ausgang eines Verfahrens fraglich. Vorrangig solle man "um diejenigen Menschen ringen und ihre Herzen und Köpfe zu gewinnen suchen, die rechtsextremistische Parteien wählen".

Zum Umgang der Kirche mit dem neuen Rechtsextremismus in den eigenen Organisationsstrukturen sagte Schneider: "Die Kirchen müssen in ihren eigenen Reihen weder bei haupt-, noch bei ehrenamtlich Mitarbeitenden dulden, dass diese gleichzeitig in einer rechtsextremistischen Partie aktiv sind. Ja, sie dürfen es nicht dulden!" Deutlich schwieriger sei die rechtliche Handhabe gegenüber rechtsextremistischen Gemeindegliedern, die kein kirchliches Amt wahrnähmen. Hier müsse an erster Stelle die seelsorgliche Rücksprache über das missbilligte Verhalten stehen.

Scheider hielt seinen Vortrag in Aachen bei einer Tagung in der Katholischen Akademie zur "Woche der Brüderlichkeit", die seit 1952 jedes Jahr im März stattfindet. Sie wird vom Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ausgerichtet und hat den jüdisch-christlichen Dialog, die Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden sowie die Aufarbeitung des Holocaust zum Ziel. (pro)

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