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Schneider: Reaktionen „selbstgerecht und verletzend“

Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider musste viel Prügel einstecken nach der Veröffentlichung des EKD-Familienpapiers. Mit Zeit-Redakteurin Evelyn Finger spricht er darüber, was ihn an der Debatte enttäuscht hat und warum der Glaube nach wie vor ein Fundament der demokratischen Gesellschaft ist.
Von PRO

Foto: privat

In dem Papier hatte die Kirche die ethisch gleichwertige Anerkennung von Partnerschaften jenseits der klassischen Ehe gefordert. Überrascht habe Schneider, wie sehr die Kirche „sofort parteipolitisch und koalitionsmäßig verortet“ wurde. Einige Reaktionen seien „persönlich verletzend“ gewesen und von „einer Selbstgerechtigkeit, wie ich es unter Christenmenschen nicht für möglich gehalten hätte“.

Besondere Bedeutung der Ehe ist vorausgesetzt

Ziel des Papiers sei es gewesen, neue familiäre Formen wertzuschätzen. Der Kirche sei – zu Unrecht – eine Abwertung der Ehe unterstellt worden: „Die besondere Bedeutung der Ehe ist hier vorausgesetzt.“ Diskutiert werden müsse eher das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften rechtlich vollständig mit der Ehe zwischen Mann und Frau gleichgestellt hat.

Theologisch gebe es sieben Stellen, die die gleichgeschlechtliche Liebe explizit verbieten. Allerdings reiche es nicht aus, diese wortwörtlich zu zitieren. Es gehe eher um eine reflektierende Lehre des Verstehens. Die Stellen hinderten aber nicht daran, „gleichgeschlechtlich liebende Menschen anzuerkennen“. Die sexuelle Orientierung trenne niemanden von der Liebe Gottes.

Feste Überzeugungen und ein weites Herz

Schneider meint, dass er als Christ deswegen tolerant sein könne, „weil mein Glaube mich gewiss macht, dass ich in der Liebe Gottes gehalten bin“. Eine geschenkte Liebe habe nicht nur „feste Überzeugungen, sondern auch ein weites Herz“ zur Folge. Auch viele gesellschaftliche Aufbrüche seien erst durch eine „neue Sicht der Bibel“ möglich geworden.

Schneider hält es für unverzichtbar, dass sich Kirche in die Politik einmischt. Der Sozialstaat und der Wunsch Gottes nach Recht und Gerechtigkeit „sind Grundnormen, die unseren Diskurs prägen“. Trotz Gegenbewegungen in der Kirche sei der christliche Glaube ein Fundament der demokratischen Gesellschaft geworden.

Bandbreite von Interpretationen und Orientierungen

Kritisch sieht es Schneider, wenn Christen viel darüber redeten, „was Gott jetzt genau will. Sie behaupten, zu wissen, was keiner wissen kann“. Die Bibel biete bei vielen Fragestellungen immer eine Bandbreite von „Interpretationen und Orientierungen“. Probleme bereiten ihm religiös motivierte Aufstachelungen: „Ich möchte keinesfalls, dass einzelne Prediger, welchen Glaubens auch immer, hier ungestraft zum Mord an Andersgläubigen aufrufen dürfen.“

Als Kirchenfunktionär predige er immer noch gerne. Häufig werde er als Seelsorger in Anspruch genommen. In seiner letzten Predigt habe er darüber gesprochen, dass „der Glaube jede irdische Macht in ihre Schranken weisen kann“. Der Wunsch, das Evangelium von Jesus Christus zu verkündigen, habe ihn auch davon abgehalten, Politiker zu werden. Schneider erklärte: „Uns ist wichtig, zu wissen, dass wir uns der Wahrheit Gottes immer neu annähern und sie nicht nur verwalten. Dabei sind wir gewiss, dass Gottes Geist uns auch heute bei unserer Wahrheitssuche leitet.“ (pro)

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