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Schlagabtausch um Bildungsplan

Der baden-württembergische Bildungsplan könne zu einem ideoligisierten Unterricht führen, befürchtet der Lehrer Gabriel Stängle, der 2013 eine Petition gegen den Plan initiierte. Kultusminister Andreas Stoch sieht in der Ablehnung des Plans eher eine „Angst vor Orientierungslosigkeit“. Christ & Welt hat beide interviewt.
Von PRO
Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch sieht in der Ablehung des Bildungsplan Angst vor Veränderung

Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch sieht in der Ablehung des Bildungsplan Angst vor Veränderung
Der Bildungsplan öffne „manches Einfallstor“ für einen ideologisierten Unterrichtsansatz, erklärte der Lehrer Gabriel Stängle im Interview mit der Zeit-Beilage Christ & Welt. Im Jahr 2013 initiierte er eine Petition gegen den neuen Bildungsplan in Baden-Württemberg, der derzeit an einigen Schulen getestet wird. Auch der Aktionsplan „Für sexuelle Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg“ mache ihm sorgen. Zwar traue er dem Großteil der Lehrer zu, verantwortungsvoll mit den Inhalten beider Pläne umzugehen. Im Einzelfall stellten die Inhalte aber „Totalitätsfallen“ auf. Stängle findet es „erschreckend, dass in der Erstellung des Aktionsplans mit und von Ministerialvertretern überhaupt nicht darüber diskutiert wird, in die Meinungs-, Presse-, Glaubens- und Forschungsfreiheit einzugreifen“.

Zwang zu „queeren Gottesdiensten“?

Dass es Mann und Frau gibt, gälte mittlerweile als veraltetes Menschenbild. Hochschulen, die sich in der Forschung nach diesem Bild richten, sollten Gelder gestrichen werden, kritisiert Stängle. Und auf Kirchen und Glaubensgemeinschaften solle Druck ausgeübt werden, um „die Segnung von Homosexuellen zu erzwingen und queere Gottesdienste zu feiern“. Wenn zudem Sanktionen für transphobe und homophobe Medien gefordert würden, käme das einer Medienüberwachung gleich. In Bezug auf den Schulunterricht sagte Stängle: „Die bisherige Sexualpädagogik, wie wir sie seit den späten Sechzigerjahren haben, hat sich bewährt. Darauf sollten wir uns besinnen.“ Es gehe zudem um ein „verantwortungsbewusstes Miteinander von Elternhaus und Schule“. Auch das Wissenschaftsprinzip müsse weiterhin gelten. Der Realschullehrer fordert zudem, dass sich der Bildungsplan an den Werten des Grundgesetzes orientiere. Beim Thema Gender bemängelt er, dass soziale Rollen mit einer spekulativen Theorie vermischt würden, welche die Geschlechterdualität von vornherein leugne. Sexuelle Empfinden würden zudem mit Identität gleichgesetzt.

„Angst vor Orientierungslosigkeit“

Der baden-württembergische Kultusminister Andreas Stoch (SPD) verteidigt sowohl Bildungs- als auch Aktionsplan. „Wir können an den Rückäußerungen der Erprobungsschulen eindeutig feststellen, dass sich niemand in irgendwelchen vermeintlich tendenziösen Formulierungen gestört hat“, sagte er ebenfalls im Interview mit Christ & Welt. In der Kritik am Bildungsplan sieht er eine Angst vor Orientierung- und Wertelosigkeit. Die Debatte sei aus Furcht vor Veränderungen der Gesellschaft insgesamt entstanden. „Gerade in religiös motivierten Kreisen werden diese Diskussionen sehr angstbesetzt und kontrovers geführt“, sagte Stoch. Über die Teilnehmer der „Demo für alle“, die sich unter anderem auch gegen die beiden Pläne stellen, erklärte er, dass unter den Demonstranten zwar auch lediglich verängstigte Menschen seien. „Rechte Rattenfänger instrumentalisieren dieses Thema aber bewusst“, kritisierte der Minister. Zudem würden Ansichten häufig sehr absolut vertreten und „Tonlage und Lautstärke“ seien beim Vorbringen der Argumente oft übertrieben. Stoch stellte außerdem eine Nähe zu rechen Argumentationsmustern fest. Das sei bedenklich. Seiner Meinung nach würden die Demonstrationen nicht mehr von „besorgten Eltern“, sondern maßgeblich von außen gesteuert. Ehe und Familie seien aus rechtlichen und aus Überzeugungsgründen wichtige Säulen der Gesellschaft. Das bedeute aber nicht, dass andere Lebensformen als geringwertiger betrachtet werden sollten. Zum Bildungsplan sagte er abschließend: „Ich glaube, dass jede Regierung, die nach 2016 das Land regiert, mit exakt diesem Bildungsplan arbeiten wird, weil er hervorragend ist.“ (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/bewegung-gegen-ehe-fuer-alle-waechst-92471/
https://www.pro-medienmagazin.de/fernsehen/detailansicht/aktuell/ndr-satire-mit-faekalsprache-gegen-bildungsplan-demonstranten-91864/
https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/detailansicht/aktuell/sexualkunde-kritiker-unter-politischem-beschuss-89829/
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