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Schirrmacher: Wahrheit und Liebe müssen Hand in Hand gehen

"Christen sprechen mit Anhängern anderer Religionen und Weltanschauungen gerne friedlich und respektvoll über ihren Glauben." Auf diesen Aspekt hat der Vorsitzende der theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher, am Freitag in seinem Vortrag "Mission? Na klar! Aber wo sind die Grenzen?" im Rahmen einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum hingewiesen.
Von PRO

Foto: Privat

Die Tagung am Wochenende beschäftigt sich unter dem Motto "Mission – Dialog – Kooperation?" mit dem Thema "Weltanschauungen und Religionen zwischen Profilbildung und Anerkennung des religiösen Pluralismus". Dabei geht es, wie die Akademie mitteilte, unter anderem darum, wie Christen und Muslime ihr Verständnis von Mission bestimmen und "im Spannungsfeld zwischen missionarischem Auftrag, religiöser und weltanschaulicher Identitätsbehauptung und dem genuinischen Wunsch der dialogischen Annäherung" neue Formen der Kooperation suchen. An den Auftaktveranstaltungen am Freitag nahmen neben Schirrmacher auch der Oberlandeskirchenrat Dr. Klaus Grünwaldt vom Landeskirchenamt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der Dialogbeaftragte des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ahmad Aweimer, und der Geschäftsführer des Humanistischen Verbandes, Michael Bauer, teil.

Am Beispiel eines Gespräches, das er vor einigen Monaten mit dem Mufti von Istanbul, Mustafa Cagrici, geführt hatte, machte Schirrmacher deutlich, dass für Evangelikale die Begriffe Mission, Dialog und Gewährung der Religionsfreiheit zusammengehören. Bei diesem Treffen hatte der Mufti fünf Minuten lang für den Islam geworben und Schirrmacher einen Koran geschenkt. Anschließend hatte der Theologe fünf Minuten zum Christentum eingeladen und dem Mufti ein Neues Testament überreicht. Danach konferierten beide über das Thema Religionsfreiheit.

Mission – mit Einschränkungen

In seinem Vortrag sprach sich Schirrmacher klar für Mission aus, allerdings mit Einschränkungen. "Wer davon ausgeht, dass er in Jesus die ‘Wahrheit’ gefunden hat und dies vor allem die Wahrheit über unsere Beziehung zu Gott ist und wie wir durch Gnade, Vergebung und Erlösung Frieden mit Gott finden", so der Theologe in Loccum, "muss zugleich aber alles berücksichtigen, was es für das Gespräch mit Andersdenken inhaltlich und von der Art her für gewichtige Einschränkungen gibt." Dazu zählte er unter anderem Sanftmut, Selbstkritik, Frieden und Religionsfreiheit. Schirrmacher wies darauf in, dass die Weltweite Evangelische Allianz 1846 unter anderem auch gegründet wurde, um Religionsfreiheit für alle zu gewährleisten – auch für Andersdenkende und andere Religionen. "Apologetisches Einstehen für die Wahrheit und sanftmütige Liebe müssen Hand in Hand gehen", verlangte der Theologe.

Schirrmacher forderte darüber hinaus, dass das Gespräch mit anderen Religionen frei von Fundamentalismus sein soll. "Wobei ich Fundamentalismus nicht als Wahrheitsanspruch an sich definiere", so der Theologe, "sondern als militanten Wahrheitsanspruch." Ebenso sollten sich hinter dem Wahrheitsanspruch auch kein Rassismus oder Kulturimperialismus verbergen. Christen sollten deutlich machen, dass das Wissen um die Wahrheit in Jesus sie in Fragen der Kultur und Politik nicht unfehlbar macht. Allerdings gebe es auch einen Dialog, der mit dem Wesen des Christentums nur schwer zu vereinbaren sei, nämlich dann, wenn unter Dialog verstanden würde, dass der innerste Wahrheitsanspruch Jesu Christi, des Evangeliums und des Wortes Gottes im Gespräch mit Anhängern anderer Religionen vorübergehend oder prinzipiell außer Kraft gesetzt werden soll, oder wenn er "Mission", das heißt die Einladung an andere, die Gnade der frohen Botschaft in Jesus Christus anzunehmen, per definitionem ausschließe. (pro)

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