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Schauspielerin: Keine Sonderbehandlung in der Burkini-Debatte

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat sich in der Debatte um Burkinis positioniert. Sie kann sich „notfalls“ vorstellen, dass Musliminnen den Ganzkörperanzug im Schwimmunterricht tragen. Für die türkischstämmige Schauspielerin Sema zu Sayn-Wittgenstein ist das keine Option. Das Menschenrecht von Gleichheit und Freiheit sollte über dem Bildungsauftrag stehen.
Von PRO
Die deutsch-türkische Schauspielerin Sema zu Wittgenstein hat eine eindeutige Meinung zur Burkini-Debatte

Foto: Jan Niklas Berg

Die deutsch-türkische Schauspielerin Sema zu Wittgenstein hat eine eindeutige Meinung zur Burkini-Debatte

Sema zu Sayn-Wittgenstein hält die Debatte über das Tragen von Burkinis für würdelos. Die Schauspielerin ist in einem strengen türkischen Elternhaus aufgewachsen. Mit den archaischen Strukturen des Islam habe sie kaum gute Erfahrungen gemacht. Drohungen und Druck hält sie auch heute für falsch. Eher müssten alte Strukturen aufgebrochen werden, damit sich Mädchen zu freien Mitbürgerinnen entwickeln können.

Die Gesellschaft sollte keine Sonderbehandlung dulden und für die Freiheit der Mädchen kämpfen: „Glauben Sie wirklich, dass Emine, Fatma, Ayshe mit ihren vier Jahren aus eigenem Willen das Kopftuch tragen?“, möchte sie in dem Essay der Tageszeitung Die Welt wissen. Sie selbst habe einen sehr strengen Vater gehabt. Weil sie im 5. Schuljahr nicht mit an der Klassenfahrt teilnehmen durfte, stand sie im Fokus ihrer Mitschüler und fühlte sich als Außenseiterin.

Sehnsucht nach Normalität

Weil sich Lehrer und Mutter um sie bemühten, ließ „mich der Vater seine Wut spüren“. Auch nach dem späteren Umzug nach Leverkusen blieb der Vater stur und verweigerte die Teilnahme an der Klassenfahrt. Gegenüber ihren Mitschülern „wurde sie aus Trauer schweigsam und verwundbar“. Zu Sayn-Wittgenstein sehnte sich damals nur nach Normalität.

Am Abreisetag habe ihre Mutter sie, ohne das Wissen des Vaters, zum Bus gebracht: „Auch als 14-Jährige konnte ich spüren, was es sie gekostet haben musste, sich gegen den Willen meines Vaters zu erheben.“ Für die Schauspielerin selbst waren es in der Rückschau andere Aspekte. Ihre gesamte Schulzeit hätte sie das Schamgefühl, anders zu sein und keine Erklärungen für Sonderbehandlungen liefern zu können, begleitet. Dabei habe sie sich lediglich danach gesehnt, so zu sein, wie die anderen Kinder.

Von subtilen Instrumenten der Unterdrückung befreien

Die Erfahrungen und Emotionen dieser Zeit seien prägend gewesen. Sie wisse um die Menschen, die mit ihrer konsequenten Haltung für sie gekämpft hätten. So habe sie sich zu der Persönlichkeit entwickeln können, die sie heute sei.

Es gehe heute darum, junge Frauen von den „subtilen Instrumenten der Unterdrückung“ zu befreien. Diese dürften nicht von Scham erdrückt werden, sondern sich zu selbstbewussten Menschen entwickeln. Nachgeben in der Burkini-Debatte hält sie für falsch, weil das Recht auf Gleichheit und Freiheit über dem Bildungsauftrag stehe. Von der Familienministerin wünscht sie sich, dass sie Abstand vom Burkini nimmt.

Die deutsch-türkische Schauspielerin und Autorin wuchs in Deutschland auf. Ein breiteres Publikum kennt sie als Helga Schrader in der WDR-Fernsehserie „Die Anrheiner“. Zudem trat sie gelegentlich als Tante Hatice in der Lindenstraße auf. 2014 heiratete Sema Meray, so ihr Mädchenname, ihren Lebensgefährten Hubertus Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und lebt mit ihm im bergischen Odenthal.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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