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Sarah Palins Memoiren – Mutter der Nation?

Noch bevor das Buch der ehemaligen republikanischen Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin im November veröffentlicht wurde, war es wegen massenhafter Vorbestellungen ausverkauft. Immerhin könnte die streitbare Christin aus Alaska eines Tages Präsidentin werden wollen. In Amerika sind die Memoiren eines der erfolgreichsten Sachbücher in der Geschichte, die Medien in Deutschland sind dem Buch mit großer Skepsis begegnet.
Von PRO

Foto: Bruce Tuten

Sarah Palin, ehemalige Gouverneurin des US-Bundesstaates Alaska, sollte im Präsidentschaftswahlkampf vergangenen Jahres das Ruder für die Republikaner rumreißen. Mit der Ernennung zur möglichen Vizepräsidentin an der Seite des 72-jährigen John McCain senkte die "Grand Old Party" den Altersdurchschnitt ihres Führungsgespanns mit einem Schlag fast auf das des Paares Barack Obama / Joe Biden. Gleichzeitig lockte Palin die konservativen Christen im Land hervor, zu denen sich Palin zählt.

Gutaussehend, gescheit, kämpferisch, schon in der Schulzeit in Anlehnung an den Raubfisch mit dem Spitznamen "Sarah Barracuda" versehen, sollte die 44-Jährige als Kämpferin für fundamentale christliche Werte auftreten. Es hat nicht gereicht. Doch vielleicht peilt sie schon jetzt die Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2013 an, mutmaßen einige Beobachter.

Palin ist Mitglied einer Pfingstgemeinde namens "Assembly of God" in ihrem Heimatort Wasilla. Ein konservativer Radio-Talker fasste ihre Person mit drei Stichworten zusammen: "Guns, Babies, Jesus." "Going Rogue" heißen ihre Memoiren. Das kann man mit "Auf eigene Faust" oder "Aus der Reihe tanzen" übersetzen. Der Titel bezieht sich darauf, dass Palin im Wahlkampf manches Mal ohne Skript redete und damit das Wahlkampfteam von John McCain irritiert haben soll. Ihr Buch beginnt Palin mit einem Zitat des Football-Trainers Lou Holtz: "Ich glaube nicht, dass Gott uns auf die Erde gesetzt hat, damit wir gewöhnlich sind."

Und so erklärt Palin in diesem Buch, warum sie oftmals aneckt, wenn sie ihre Prinzipien durchsetzen will, und dass es sie verletzt, wenn die Mainstream-Medien über ihre Familie herziehen. Denn zwei Dinge stehen im Zentrum ihres Lebens: Alaska und ihre Familie. Würde sie Präsidentin, Amerika bekäme eine wahre "Mutter der Nation". Fünf Kinder hat die 45-Jährige, die Journalismus studierte, dann Bürgermeisterin von Wassila und schließlich Gouverneurin von Alaska wurde. Nur eine Powerfrau schafft das.
 
Kein Wunder also, dass die Familienmitglieder der Palins in ihrem Buch –  zwischen einigen Bibelzitaten und Gebeten –  eine Hauptrolle spielen. Zahlreiche Fotos aus dem Familienalbum runden das Bild der "Super-Mom" ab.

Wie in der Familie, so im Staat

Palins Mutter entstammt einer irisch-katholischen Familie aus Utah, später fand sie in einer evangelikalen Gemeinde in Anchorage zu einem persönlicheren Glauben an Gott. Der Katholizismus konnte das "von Gott ins Herz gelegte Vakuum" nicht stillen, wie sie den französischen Philosophen Blaise Pascal zitiert. Auch Palin selbst füllte dieses "Vakuum" bei einem Sommercamp mit Gott, erzählt sie. "Wenn Gott weiß, was er mit seiner wunderbaren Schöpfung tat, wie viel mehr wusste er dann über mich?", gibt sie ihre damaligen Gedanken wieder. "Wenn er so mächtig und weise ist, all dies zu erschaffen, und wenn er so etwas Kleines wie mich geschaffen hat, dann müsste er doch auch einen Plan für mich haben. (…) In diesem Sommer traf ich die Entscheidung, mein Leben in die Hand des Schöpfers zu legen und vertraute ihm darin, dass er einen Weg für mein Leben hatte." Im Big Lake ließ sie sich taufen. "Pragmatisch, wie ich war, testete ich Gottes Versprechen." Zum Beispiel heißt es in der Bibel, Gott werde es reichlich segnen, wenn man den Zehnten von seinem Einkommen gab. Sarah bekam 5 Dollar, also gab sie 50 Cent in die Kollekte. "Gott hat immer wieder gezeigt, dass er seine Versprechen hält", resümiert sie.

Die junge Palin liebte Bücher, las C.S. Lewis, und ist vor allem sportlich ehrgeizig. Sport und Glaube befruchten einander, findet sie, in ihrer Gemeinde gab es gar eine Gruppe "christlicher Athleten". Später, bereits Mutter von vier Kindern,  lief Palin Marathons unter 4 Stunden. Ihre politischen Überzeugungen orientierten sich bereits früh an denen ihres Vorbildes Ronald Reagan, auf den sie sich immer wieder im Buch beruft. Dessen politische Werte beruhten auf den individuellen Freiheitsrechten und die Verantwortung jedes Einzelnen, dem freien Markt, Lohn für harte Arbeit und ein starkes Militär. "Amerika ist nicht nur das beste Land der Welt, sondern auch eine Idee."

Palins Ehrgeiz wird angetrieben von einem stetigen Gefühl, zu etwas Höherem berufen zu sein als nur zur Mutterschaft. Sie schrieb einmal in ihr Tagebuch ein Gebet, nachdem sie ihrer Tochter aus einem Buch über einen Lenkdrachen vorgelesen hatte: "Lass nicht zu, dass ich den Kontakt zu dir verliere, Herr. Wie der Drachen in dem Buch, lass da immer eine Verbindung zwischen mir und Dir sein, so dass ich zwar hoch fliegen kann, aber immer sicher bin, so wie Du es Dir für alle Menschen wünschst. Mit dieser Verbindungsleine gehe ich überall hin, wo immer Du mich haben willst." Auch als sie für das Amt des Gouverneursposten antrat und zugab, wenig Erfahrung zu haben, war ihr klar: "Große Geschäfte beginnen immer als kleine Geschäfte." Wirklich wichtig seien die eigenen Überzeugungen,  Werte und Ziele. "Lektionen, die man auf kleinster Ebene lernt, funktionieren auch auf größerer Ebene. So wie meine Familie sich nicht alles leisten kann, was auf ihrer Wunschlichte steht, sondern innerhalb ihrer Grenzen leben und an die Zukunft denken muss, wusste ich, so muss es auch im Staat zugehen."

Schlechte Interviews, unfaire Behauptungen

In ihrem Buch geht Palin auch auf die "Skandale" ein, die die Medien immer wieder aufstöberten. So gibt sie ihre Version der Geschichte, bei der sie angeblich den Beauftragten für die öffentliche Sicherheit gefeuert hatte, weil dieser sich weigerte, den Ex-Mann ihrer Schwester Molly zu entlassen. Das eine habe mit dem andere nichts zu tun gehabt, so Palin, außerdem stehe es einem Politiker zu, seine eigenen Leute einzustellen und zu entlassen, wie es ihm passe. Sie wundert sich über den Wirbel um die Schwangerschaft ihrer 18-jährigen Tochter Bristol: "Ich war verblüfft, wie viele liberale Experten von einem schwangeren Teenager umgehauen werden konnten, so als ob sie über Nacht auf einmal traditionelle Werte angenommen hätten." Sie selbst habe praktisch nie öffentlich über Sexualaufklärung gesprochen und sei selbstverständlich für Empfängnisverhütung.

Das Interview mit Katie Couric von CBS, in dem sie die bekannte Äußerung machte, man könne Russland von Alaska aus sehen, sei in der Tat schief gelaufen, gibt sie zu. Aber: "Wenn alles, was Sie über mich wissen, aus diesem Interview stammt, dann kennen Sie mich nicht vollständig. Ich brauche nicht zu sagen, dass ich schon bessere Interviews gegeben habe." Bekannt wurde auch Palins fehlende Antwort auf die Frage, welche Zeitungen sie lese. Auch nach dreimaligem Fragen gab Palin nur Floskeln von sich, nannte jedoch keine einzige Zeitung. Sie ziehe ihr Wissen über das Zeitgeschehen aus "verschiedenen Quellen". Manche Antworten in Interviews bereut sie heute, erklärt sie.

Der "Skandal" um angeblich zu hohe Ausgaben für Kleidung im Wahlkampf erklärt sie so: "Ich habe den Stylisten in New York nie darum gebeten, Kleider zu kaufen, viele davon wurden nie angezogen, viele andere waren für andere Personen gedacht, und am Ende wurden alle Kleidungsstücke wieder zurückgegeben." Sie oder ihre Familie sei nie auf großer Einkaufstour gewesen, wie es in den Medien geheißen habe.

Keine Abtreibung ihres Down-Syndrom-Kindes

Rührend ist ihre Schilderung von der Geburt ihres jüngsten Sohnes Trig. Im Alter von 43 wurde Palin erneut schwanger, das Kind hat das Down-Syndrom. Sie gibt offen zu, in diesem Moment Mütter verstehen zu können, denen eine "einfache, schnelle Lösung" des "Problems" durch eine Abtreibung verlockend erscheine. In den USA würden 90 Prozent der Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben. Doch sie sagte Ja zu dem Kind und teilte dies in einem Brief an die Familie mit, den sie aus der Perspektive Gottes schrieb. "Ich segne Euch mit diesem Überraschungskind, weil ich nur das Beste für Euch will. Ich habe alle Eure Gebete gehört, dass das Baby glücklich und gesund sein wird, und ich habe sie erhört." Ein weiterer Sohn würde perfekt in die Palin-Familie passen, schreibt Palin aus der Perspektive Gottes. "Ich setzte die Idee für seinen Namen ‘Trig’ in eure Herzen, denn das passt; es setzt sich zusammen aus ‘True’ (wahr) und ‘Brave Victory’ (mutiger Sieg)." Kinder mit Down-Syndrom könnten ihren Familien so viel Freude und Liebe bringen, wie man es vorher nicht erwartet hätte. Der Brief endet mit den Worten:  "Trig kann es kaum erwarten, Euch zu sehen. Ich gebe Euch nur das Beste. In Liebe, Trigs Schöpfer, Eurer Himmlischer Vater." Später, im Wahlkampf um die Präsidentschaft, benutzte ein Journalist diesen Brief dazu, sich über Palins Glauben lustig zu machen und empörte sich darüber, dass Palin sich anmaße, "in Gottes Namen" einen Brief zu verfassen.

Will Palin US-Präsidentin werden? Und ist sie die richtige Person dafür? Eins ist sicher: Palin ist durch und durch Mutter, sie lebt einen geradezu kindlichen Glauben an Gott und hat eine Liebe für ihr Heimatland Alaska. Aber reicht das, wenn man es mit bundesweiten Problemen und Krisen zu tun bekommt und auf dem internationalen Parkett agieren will?
 
Ihr Buch "Going Rogue" lässt offen, ob sie eine Präsidentschaftskandidatur wirklich anstrebt. Doch es signalisiert: hier ist jemand, der viel Power hat, und der genug Führungsstärke und feste Überzeugungen hat. Als Palin im Juli 2009 ihr Amt als Gouverneurin Alaskas abgab, sagte ihr Vater: "Sarah zieht sich nicht zurück, sie lädt nach." (pro)

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