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Sandmännchen hat versagt

Spinnen, Schlangen, Kakerlaken und viel nackte Haut – im RTL-Dschungelcamp geht es nicht grade zimperlich zu. Das scheinen Kinder zu lieben – 41 Prozent der unter 13-Jährigen schauen die Sendung laut einer Analyse der Gesellschaft für Konsumforschung regelmäßig – obwohl sie zu dem späten Sendetermin eigentlich längst im Bett liegen sollten.
Von PRO

Foto: fotolia / Bilderstöckchen

Durchschnittlich 210.000 Kinder und 360.000 Teenager verfolgen jeden Tag die Dschungelprüfungen der laufenden Staffel. Freitags und samstags sind es deutlich mehr junge Zuschauer als an Wochentagen. Die Sendung mit Ekelfaktor hat ihre Fangemeinde vor allem bei Heranwachsenden zwischen 14 und 19 Jahren. Laut den Zahlen der Fernsehforschung der Arbeitsgemeinschaft Fernsehen (AGF) und der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) nimmt die Sehbeteiligung mit zunehmendem Alter ab. Bei den 50- bis 60-Jährigen sind es nur 21,2 Prozent.

Aber auch wenn kein Dschungelcamp läuft, sitzen jeden Tag rund 230.000 Kinder unter 13 Jahren zwischen 23 Uhr und Mitternacht vor dem Bildschirm. Diese Zahl veröffentlichte das Marktforschungsinstitut "Media Control" im Mai 2011. Das Marktforschungsinstitut wertete Daten der Fernsehforschung der AGF/GfK aus. Diese erfassen die tägliche Fernsehnutzung von 5.100 Haushalten, in denen fast 11.500 Personen leben.

"Media Control" wertete die Einschaltquoten vom 1. Januar bis zum 29. Mai 2011 aus, die von der GfK-Fernsehforschung ermittelt wurden. Demnach saßen an Werktagen 220.000 bis 290.000 Kinder vor Serien, Shows und Filmen, die nicht für sie gedacht sind. Zum Wochenende hin stiegen die Zahlen auf mehr als das Doppelte an. Die Geisterstunde am Samstag erlebten im Schnitt 690.000 unter 13-Jährige vor der Flimmerkiste.

Jugendmedienschutz greift nicht

Die Zahlen zeigen allerdings auch, dass der Versuch, Jugendschutz über Sendezeiten zu regulieren, graue Theorie bleibt. Laut dem Jugendmedienschutzgesetz dürfen Filme mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahren erst nach 22 Uhr und Produktionen für über 18-Jährige ab 23 Uhr gesendet werden. Sendungen, die für unter 10-Jährige nicht geeignet sind, dürfen erst nach 20 Uhr ausgestrahlt werden.

Diese Regelungen gereifen natürlich nicht, wenn die Kinder einfach vor dem Fernseher sitzenbleiben oder ihn unkontrolliert einschalten – beispielsweise, weil sie ein eigenes TV-Gerät im Zimmer haben. Lieblingssender der Kinder ist laut der "KIM"-Studie 2010 (Kinder-Information-Medien) der Kinderkanal "Kika". Der hat um 21 Uhr Sendeschluss. Wie "Media Control" herausfand, schalten die meisten Kinder abends RTL ein, auf Platz zwei und drei folgen Super-RTL und ProSieben. Letzterer liegt bei den über 12-bis 19-Jährigen mit Abstand (45,5 Prozent) auf Platz eins der Beliebtheitsskala, gefolgt von RTL (17,5 Prozent).

Statt mit Balu, dem Bären aus dem Dschungelbuch, zu singen, schauen Kinder vor dem Schlafengehen, wie Menschen Kakerlaken essen oder Emu-Blut trinken. Wo die Eltern sind und warum sie ihre Kinder nicht ins Bett stecken, darüber sagt die Fernsehforschung leider nichts. Laut "Media Control" steigt seit 2008 die Zahl der Kinder, die spätabends fernsehen, jedes Jahr an.  (pro)

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