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Samuel Koch: „Vielleicht heilt Gott mich still und leise“

Ein Buch, das Mut zur Dankbarkeit macht und mit einer gewissen Portion Humor bedrückenden Momenten ihre Schwere nimmt. In „Rolle vorwärts“ wagt Samuel Koch fast ohne jegliches Schamgefühl einen ehrlichen Blick auf sich selbst. Eine Rezension von Swanhild Zacharias
Von PRO
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Samuel Koch vermittelt in seinem zweiten Buch „Rolle vorwärts“ einen Blick in die Höhen und Tiefen seines Alltags

Foto: adeo

Samuel Koch vermittelt in seinem zweiten Buch „Rolle vorwärts“ einen Blick in die Höhen und Tiefen seines Alltags
„Ich glaube, dass ich der denkbar ungeeignetste Kandidat für eine Querschnittslähmung bin“, schreibt Samuel Koch in seinem neuen Buch „Rolle vorwärts“. Den Humor hat er sich trotz seines schweren Unfalls in der Fernsehshow „Wetten, dass..?“ und der Lähmung bewahrt. Dieser Humor zieht sich durch das ganze Buch und verhilft dazu, dass trotz des ernsten Themas an der einen oder anderen Stelle auch mal herzlich gelacht werden darf. Zum Beispiel, wenn Koch beschreibt, wie Überfürsorge und unvorsichtige Umarmungen dazu führen, dass sein Rollstuhl sich selbständig macht und die rasante Fahrt nur von einem parkenden Auto aufgehalten werden kann. Auch, wenn er sich als „Wirtschaftsfaktor“ beschreibt, weil er Jobs für mehrere Pfleger und Assistenten schafft, ist ein Schmunzeln des Lesers unvermeidlich. Unter anderem der Humor und die positive Lebenseinstellung scheinen dafür zu sorgen, dass Koch mit seiner Situation fertig wird. Die trockene Schilderung obskurer Details wiederum sorgt im ersten Moment noch für Erheiterung, im nächsten macht sich beim Leser aber Betroffenheit breit. Zum Beispiel als es heißt: „Wenn ich draußen in der Sonne sitze, kommt es vor, dass eine Spinne zwischen meinen Knöcheln ein Netz zu weben beginnt. Das ist schon demütigend.“ Thematisch befasst sich Koch mit Ähnlichem wie in seinem ersten Buch „Zwei Leben“. Mit dem Unterschied, dass „Rolle vorwärts“ nur sein Leben nach dem Unfall bei „Wetten, dass..?“ behandelt. Der 28-Jährige schildert seinen Alltag, schreibt detailverliebt von Herausforderungen, die alltägliche Situationen mit sich bringen und berichtet von Momenten, in denen er überraschend Erfolge feiern konnte. Einer davon ist wohl unbestritten der Abschluss seines Schauspielstudiums an der Hochschule Hannover, das er trotz seiner körperlichen Einschränkung mit unermüdlicher Hilfe von Freunden und Dozenten zu Ende bringen konnte. Improvisationstalent, Kreativität und der Mut, unkonventionelle Wege zu gehen, treten auf diesen Seiten besonders zu Tage. Koch gibt nicht einfach auf, wenn etwas nicht machbar scheint. Er versucht es auf anderem Weg. So meisterte er zum Beispiel auch eine Safari in Afrika – eigentlich unvorstellbar für einen vom Hals abwärts Gelähmten. Dass er das alles aber nicht aus eigener Kraft schafft, wird ebenfalls deutlich. Neben seinen Freunden und seiner Familie, die ihm ein normales Leben zu ermöglichen versuchen, ist es vor allem sein Glaube, der ihn davon abhält, aufzugeben. Leider kommt dieser Aspekt, der Kochs ganzes Lebensgerüst zu tragen scheint, erst gegen Ende des Buches heraus. Auf den ersten Seiten steigt er mit dem Thema „Kraftquellen“ ein, scheint sich aber davor zu drücken, deutlich auszusprechen, was ihm der Glaube wirklich bedeutet. Man ahnt, dass sich hinter Begriffen wie „Erfinder des Rückenmarks“ Gott verbirgt und dass er das ewige Leben meint, wenn er sagt: „Das jetzige Leben ist nicht alles.“ Koch nennt Freunde und eine positive Grundeinstellung als „Kraftquelle“ und sagt, es komme darauf an, „im Augenblick zu leben“. Die Art und Weise, in der er zu Beginn des Buches beschreibt, wie er sein Leben zu meistern schafft, wirkt etwas belehrend. Zwar sagt er, er habe nicht alles im Griff, beim Leser entsteht jedoch der Eindruck, dass er eigentlich gern als Vorbild herangezogen wird. Dazu kommen Einschübe von Freunden und Schauspielkollegen, in deren Statements dieser Eindruck noch verstärkt wird. Die oftmals lobenden Worte scheinen eher in einen Nachruf zu passen, anstatt in eine Autobiografie.

Glaube als „lebenserhaltende Maßnahme“

Nach einer Aufwärmphase wandelt sich mit Kochs Schreibstil dann aber das Empfinden des Lesers. Zunehmend entsteht der Eindruck, einen Blick in seine Seele zu erhaschen. Je weiter man liest, desto aufrichtiger, ehrlicher und sympathischer wirkt der Autor. Die Details aus seinem Alltag und seine Gedanken, die er mit dem Leser teilt, lassen erahnen, wie es tatsächlich sein muss, Tag für Tag an einen Rollstuhl gefesselt zu sein und nicht einmal selbständig essen zu können. Koch nimmt kein Blatt vor den Mund und hat keine Scham, seine Grenzen, Momente des Versagens und die körperlich unangenehmen Dinge zu schildern. Ernst wird es, als er sich Gedanken über das Thema Sterbehilfe und den Wert des Lebens macht. In diesen Momenten schildert er dann auch ganz offen seine persönliche Überzeugung, die auf den christlichen Glauben gegründet ist. Sein Leben nimmt Koch als „von Gott geschenkt“ an, seinen Wert misst er nicht an seinen körperlichen Fähigkeiten. Bei der Vorstellung seines Buches in Darmstadt bezeichnete er seinen Glauben als „lebenserhaltende Maßnahme“. Schade, dass er sich im ersten Kapitel damit eher zurückhält. Der tief in Koch verankerte Wunsch, trotz allem gesund zu sein oder zumindest ein oder zwei Muskeln mehr bewegen zu können, kommt immer wieder zum Ausdruck und treibt dem Leser an der ein oder anderen Stelle die Tränen in die Augen. „Ich möchte nicht aufhören, daran zu glauben, dass ich eines Tages gesund sein kann“, schreibt er. Und am Ende heißt es: „Vielleicht heilt Gott mich still und leise in der Nacht, wenn es keiner bemerkt. Und am nächsten Morgen rolle ich mich langsam zur Seite, richte meinen Oberkörper auf, schwenke die Beine über die Bettkante und stehe auf. Und Gott und ich lächeln uns verschmitzt an.“ Es ist ein Buch, das „verstört, berührt und bewegt“, wie der Schauspieler Til Schweiger im Vorwort schreibt. Es öffnet die Augen für den Wert des Lebens und macht Mut zur Dankbarkeit. (pro)

Samuel Koch: „Rolle vorwärts“, adeo, 17,99 Euro, ISBN 9783863340711

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