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„Salafisten werden verharmlost“

Der israelische Araber Ahmad Mansour ist in einem arabischen Dorf aufgewachsen und hat in Tel Aviv studiert. Heute arbeitet er als Streetworker in Berlin und gehört der Deutschen Islamkonferenz an. Im Interview mit der Tageszeitung Die Welt spricht er über die Strategie der Salafisten – und das Demokratie-Problem des Islam.
Von PRO

Foto: Ahmad Mansour

Mansour wuchs in einem arabischen Dorf auf und wurde in seiner Jugend vom örtlichen Imam zu einem Islamisten gemacht. Was dies für ihn bedeutet? „Hass“, sagt er. „Hass gegenüber Muslimen, die den Islam nicht wertschätzen, gegen Frauen, die kein Kopftuch tragen, gegen Europäer, Amerikaner, Andersdenkende.“ Beim Psychologie-Studium in Tel Aviv lernte Mansour eine andere Seite des Lebens kennen: Er entwickelte Freundschaften zu Juden, die ihm im Studium halfen, ihn zu Hause besuchten, mit ihm Kaffee tranken. „Der Hass spielte auf einmal keine Rolle. Dafür die Frauen dann aber eine umso größere.“

An die Zeit nach seinem Studium und die Arbeit als Therapeut in einem deutschen Krankenhaus bei Tel Aviv erinnert sich der heute 37-Jährige gern: „Alles war schön, die Zeit roch um das Jahr 2000 wieder nach Frieden. Bis die zweite Intifada alles zunichtemachte.“ Nachdem er beinahe bei einem Anschlag getötet wurde, sei er nach Berlin gezogen. Dort arbeitet Mansour heute als Streetworker mit muslimischen Jugendlichen. Für viele von ihnen ist der Rapper Bushido ein Vorbild, der jüngst wegen seiner Verbindungen zum organisierten Verbrechen in die Schlagzeilen geriet. „Schade, dass er so erfolgreich ist mit seinen gewaltverherrlichenden und frauenfeindlichen Songs“, findet Mansour.

Klare Worte findet der bekennende Moslem, der sich als Mitglied der Deutschen Islamkonferenz intensiv mit der Thematik befasst, zu den Salafisten: „Sie werden gern verharmlost“, meint er, weil sie bisher nur selten gewalttätig geworden seien. Aber: „Verbale und symbolische Gewalt übt in meinen Augen schon jemand aus, der sagt, weil du Christ bist, bist du weniger wert als ich, denn ich bin Muslim.“ In Deutschland gäbe es zum einen „Panikmacher“, auf der anderen Seite aber auch „Leute, die meinen, Muslime ‚schützen‘ zu müssen, und deshalb jegliche Kritik verbieten.“ Beide Wege würden Muslime „entmündigen“.

„Existenzrecht Israels unantastbar“


Welt-Journalistin Andrea Seibel fragt Mansour auch nach seinen Gefühlen für Israel. „Ich bin stolz, dass ich in einem demokratischen Land aufgewachsen bin, obwohl es wahrscheinlich viele wütend macht, dass ich Israel als Demokratie bezeichne“, antwortet er. Er sei froh und stolz, dass er in Israel habe studieren dürfen und viele Chancen bekommen habe. „Und für mich als Araber ist es unglaublich wichtig“, betont er, „dass das Existenzrecht Israels unantastbar bleibt“. Die Jahre vor dem Rabin-Attentat seien die schönsten gewesen: „Da hatte man das Gefühl, dass alles blüht. Auf einmal war kein Hass mehr da. Und die Checkpoints spielten überhaupt keine Rolle. Doch dann hat die Hamas alles kaputt gemacht.“

Der Islam, so Mansour, müsse sich auch auf Geschichten aus dem Koran konzentrieren, in denen Menschen mit Gott streiten und abweichende Meinungen vertreten. Der strafende Gott spiele eine zu große Rolle in dieser Religion. Auf die Frage, warum es keinen islamischen Staat gibt, der die Rechte von Minderheiten respektiert, erklärt er: „Weil überall dort ein Islam gelebt wird, der den Menschen fast alles im Leben vorschreibt, sie ins Korsett der religiösen Rituale und Dogmen zwingt. So wird Islam mit Demokratie unvereinbar.“ (pro)

http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article115625962/Den-Jungs-soll-ein-Licht-aufgehen.html
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