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„Rosenkranz statt Randale“ – Kabel Eins schickt wieder Teenager ins Kloster

„Ab ins Kloster“ heißt es wieder für drei Jugendliche in der gleichnamigen Reality-Sendung auf Kabel eins. Seit vergangener Woche läuft die mittlerweile dritte Staffel, in der angeblich schwer erziehbare Teenager auf Alkohol, Zigaretten und Smartphones verzichten und stattdessen der Disziplin eines Klosters folgen müssen. Um den Glauben geht es in dem TV-Experiment kaum.
Von Jörn Schumacher
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Foto: Kabel Eins

„Ab ins Kloster“ läuft wieder – diesmal müssen die Teilnehmer unter anderem bügeln

Die erste Staffel der TV-Serie „Ab ins Kloster“ war für den Fernsehsender Kabel Eins ein solider Erfolg. Wie DWDL.de berichtet, schalteten damals im Schnitt 870.000 Zuschauer ein, als zum ersten Mal in vier Folgen Teenager für ein paar Tage ihr gewohntes Zuhause verließen, um in einem Kloster zu leben. Die zweite Staffel 2020 erreichte einen Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen von 5,6 Prozent – deutlich über dem Senderschnitt. Nun strahlt Kabel Eins eine dritte Staffel von „Ab ins Kloster“ aus, dieses Mal aber nur mit drei Folgen.

Jeden Donnerstag zeigt der Sender nun um 20.15 Uhr „schwer erziehbare Jugendliche“, wie es in der Sendungsankündigung heißt, die „auf Zigaretten und Smartphones verzichten und sich stattdessen mit der Bibel beschäftigen“ sollen. „Rosenkranz statt Randale“ lautet der Untertitel der Serie.

In jeder Staffel lassen sich drei Jugendliche auf ein Experiment ein und ziehen für zehn Tage in ein Kloster. Dort warten strenge Regeln und ein strikter Klosteralltag auf sie. Die Mönche und Nonnen machen es sich zur Aufgabe, aus den Jugendlichen den guten Kern herauszuschälen und ihnen Werte wie Demut, Liebe, Genügsamkeit und Selbstwertgefühl zu vermitteln. Im Zentrum steht vor allem der Kontrast zwischen den eigenwilligen Jugendlichen und den strikten Regeln innerhalb der Klostermauern.

„Wir verzichten wir darauf, unseren eigenen Willen zu erfüllen“

Zu den Kandidaten der ersten gehört die 16-jährige Elli, die nach eigener Aussage eine „kurze Zündschnur“ hat und bei der Zoff mit der Mutter zur Tagesordnung gehört. Und die werden dem Zuschauer dann auch in nach- und schlecht gespielten Szenen demonstriert. Sarah ist ebenfalls 16 Jahre alt, aber Punk, „Provokation ist bei ihr Programm“, wird sie angekündigt, „sie ist ein echter Freigeist“. Dabei sieht Sarah aus wie ein liebes Mädchen, das man als Punkt verkleidet hat, inklusive stilechtem umgehängten Mercedes-Stern. Johnny, 19, ist eine männliche Beauty-Queen. Er sieht aus wie eine Frau, ist aber ein Mann, sein großes Idol: Paris Hilton.

Die drei haben angeblich vorher keine Ahnung, wohin die Reise geht. Nach Japan, mutmaßt der eine, ans Meer, die andere, vielleicht nach Spanien. Doch es geht nach Sachsen. Etwa 100 Kilometer östlich von Dresden liegt das fast 800 Jahre alte Kloster St. Marienthal. „Zehn Schwestern leben und arbeiten hier im Dienste Gottes“, erklärt der Sprecher. Überhaupt verwendet die Sendung viel Zeit dafür, dem Zuschauer zu erklären, worum es im Kloster geht, und zwar viel um den Glauben und den Dienst für Gott. Die Nonnen schweigen und haben im Wesentlichen drei Gelübde abgelegt: Ehelosigkeit, Gehorsam und Armut. Die Äbtissin Mutter Elisabeth erklärt den Fokus des Klosterlebens und trifft damit genau den Punkt, an dem der Zusammenprall mit dem Leben der Teenager nach Wunsch der Sendungsmacher stattfinden soll: „Letztendlich verzichten wir darauf, unseren eigenen Willen zu erfüllen.“

Die Teenager werden gebeten, die Aufgaben zu erfüllen, die sich unter dem Motto „Ora et labora“ (Bete und arbeite) ergeben. „Das Kloster sauber halten, den Garten pflegen und stets den Kontakt zu Gott suchen“, sagt der Sprecher. Aufräumen gehört dann in der Tat zu den Aufgaben der Teenager. Das Beten kaum. „Ein Leben mit Gott, ein Leben für Gott“ bedeute das Klosterleben, erklärt der Sprecher, aber zum Beten kommt es nicht. „Im Leben vieler Teenager zählt heute nur noch Spaß und Grenzenlosigkeit. Demut und Respekt anderen gegenüber? Fehlanzeige.“

Elli verlässt das Experiment nach fünf Tagen als erste, Johnny und Sarah bleiben bis zum Schluss und wirken tatsächlich einigermaßen zufrieden, dass sie die netten Nonnen kennenlernen durften. Sarah erklärte sich sogar einmal bereit, das Bibel-Vorlesen während des Essens zu übernehmen. „Wer hätte noch vor einer Woche gedacht, dass die 16-Jährige mal freiwillig aus der Bibel vorliest?“, fragt der Sprecher. „Die Zeit im Kloster scheint sich auf die Punkerin positiv auszuwirken.“

Tiefgreifend sind die Gespräche zwischen den Nonnen und den Teenagern nicht. Schwester Mechthild berichtet dem auf ein Luxusleben ausgerichteten Johnny aus ihrem früheren Leben, in dem es auch zunächst ums Geld ging, wie sie sagt. In Israel habe sie sich entschieden, Nonne zu werden. „Ich will in dieser Maschinerie nicht weiterarbeiten“, sagt sie, ohne ihren Schritt irgendwie mit dem Glauben an Gott zu begründen. Und Johnny schätzt sich nach dem Gespräch dann selbst so ein: „Luxus ist mir nicht mehr so wichtig, wie es vorher war, denke ich. Ich werde mir jetzt zwei oder dreimal überlegen, bevor ich eine Handtasche kaufe.“

„Ab ins Kloster. Rosenkranz statt Randale“, 3. Staffel, donnerstags, 20:15 Uhr, Kabel Eins, drei Folgen, ab 12 Jahre

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