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„Riss in der Ökumene”

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat scharfe Kritik an der evangelischen Orientierungshilfe zur Familie geübt. Sie beschädige die Ökumene und müsse zurückgezogen werden, erklärte er am Freitag.

Von PRO
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Foto: Erzbistum Köln

Einen „so tiefen Riss in der Ökumene” gerade bei grundlegenden Themen wie Ehe und Familie habe er nicht für möglich gehalten, erklärte Meisner gegenüber dem Domradio. Das Papier sei „von Anfang an inspiriert vom Zeitgeist und nicht vom Heiligen Geist und nicht vom Evangelium”. Er könne die Evangelische Kirche „nur bitten, diese Orientierungshilfe schnellstens zurückzuziehen und eine neue vom Evangelium inspirierte Orientierungshilfe herauszugeben”. Die Schrift „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit” rede der Beliebigkeit und Relativierung von Ehe und Familie das Wort. Ihre Inhalte seien „fatal und ohne Bezug zu Christi Handeln”.

Es werde deutlich, dass die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die Ehe zu einer rein innerweltlichen Institution erkläre, die durch andere Zweckverbindungen ersetzt werden könne. „Dass ausgerechnet Christen einen solchen Rückschritt im Verständnis von Ehe und Familie initiieren würden, hätte ich nicht für möglich gehalten!” Meisner schließt: „Was Gott aus seinem inneren Wesen nimmt und uns als Gabe sowie Aufgabe in die Hände legt, steht nicht zur Disposition aktueller Tendenzen und Strömungen! Im Zeitalter der Ökumene ist es geradezu die Pflicht der katholischen Kirche, an den Geschehnissen in anderen Kirchen und Gemeinschaften Anteil zu nehmen. Darum bitte ich die Evangelische Kirche in Deutschland eindringlich, ihre Position hinsichtlich von Ehe und Familie zu überdenken und zurückzukehren zur Überzeugung, die unser Herr Jesus Christus uns gelehrt hat.”

„Desorientiert statt orientiert“

In den vergangenen Tagen hatten zahlreiche Repräsentanten unterschiedlicher Kirchen zum Papier der EKD Stellung bezogen. Wie die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) berichtet, erklärte der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July am vergangenen Dienstag in Stuttgart, die Orientierungshilfe gebe „den institutionellen Aspekt der Ehe fast lautlos auf“. Die Bedeutung der so genannten klassischen Familie werde nicht ausreichend geachtet. Das Ziel lebenslanger Treue sei nicht aufgebbar. Diese sei schließlich abgeleitet von der ewigen Treue Gottes zu den Menschen. Derzeit fühlten sich manche Christen „desorientiert statt orientiert“. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, warnte am Donnerstag vergangener Woche laut der Süddeutschen Zeitung davor, Ehe und Familie mit anderen Lebensformen gleichzustellen. Das EKD-Papier erwecke den Eindruck: „Alles ist möglich, und alles ist irgendwie gleichwertig.”

Verteidigt hatte die Orientierungsschrift hingegen die Lutherbotschafterin der EKD, Margot Käßmann. „Die evangelische Ethik hat sich nicht dem Zeitgeist angepasst, sondern geguckt, was sind ihre Grundkategorien”, sagte sie am vergangenen Montagabend laut Evangelischem Pressedienst (epd) bei einer Diskussion in der Leipziger Thomaskirche. Wichtig seien vor allem Verlässlichkeit, Vertrauen und der Wunsch, Verantwortung zu übernehmen.

Die Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit” war am 19. Juni in Berlin vorgestellt worden. Darin erkennt die EKD homosexuelle Partnerschaften als Familienform an und spricht sich dafür aus, Geschiedene in der Kirche mehr zu achten. (pro)

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