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Rentzing erklärt sich beim Abschied

Der zurückgetretene sächsische Landesbischof Carsten Rentzing wurde am Freitag vom Dienst entpflichtet. Bei seinem Abschied aus dem Amt erklärte er sich zu seinem Rücktritt und den umstrittenen Texten. Den Umgang mit seiner Person kritisierte er.
Von PRO
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Carsten Rentzing hat das Bischofsamt abgegeben (Archivbild)

Foto: idea/kwerk.eu

Carsten Rentzing hat das Bischofsamt abgegeben (Archivbild)

Am Freitag wurde Carsten Rentzing auf der Herbsttagung der Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens von seinem Amt als Bischof entpflichtet. Am 11. Oktober hatte er seinen Rücktritt angeboten. Hintergrund sind unter anderem nationalkonservative Texte, die er in seiner Studienzeit geschrieben hatte. Derentwegen war er vor einem Monat öffentlich in die Kritik geraten.

In einem persönlichen Wort an die Synodalen erklärte er, diese Texte seien in einem „nationalen Überschwang“ nach der Wiedervereinigung entstanden. Nach der Einheit habe er sich als gebürtiger West-Berliner mit anderen seiner Generation damit beschäftigt, wie es nun weitergehen könne. Die Texte mit teilweise demokratiekritischen Inhalten habe er am Anfang seines Theologiestudiums geschrieben. Das Studium und das Lesen der Bibel hätten in der folgenden Zeit seinen Horizont und erweitert und neue „Denkwelten“ erschlossen. Mit der Entscheidung, in den kirchlichen Dienst zu gehen, „galt meine Loyalität nicht mehr einer Nation, nicht einer Philosophie oder politischen Anschauung. Von da ab galt meine Loyalität Jesus Christus und der Familie Gottes aus vielen Völkern und Nationen.“

Rentzing betonte: „Jeder nationale Geist, der sich selbst überhebt und andere Menschen, Nationen, Völker und Kulturen verachtet und abwertet, widerspricht dem Geist meines Herrn Jesus Christus.“ Seit über 25 Jahren distanziere er sich „von allem, was dem Geiste Christi widerspricht“.

„Öffentliche Bedeutung des Amtes hat zerstörerisches Potential“

Rentzing bat um Verzeihung für falsche und unzulängliche Kommunikation nach innen und außen. Er hätte sich seinerseits bei der öffentlichen Debatte um seine Texte mehr Sorgfalt und einen „historisch-kritischen“ Umgang mit ihnen gewünscht. Nur so sei es möglich, sich dem wahren Inhalt einer Schrift anzunähern. Er bemerkte außerdem, dass Kritiker gezielt in seiner Biografie nach Angriffspunkten gesucht hätten. So sei bereits vor anderthalb Jahren ein Kommilitone Rentzings auf den Bischof hin befragt worden. „Wie hätte ich mir auch vorstellen sollen, dass man schon seit langem auf der Suche nach einem Angelhaken in meinem Leben war“, sagte Rentzing. Die öffentliche Bedeutung des Bischofsamtes habe ein „zerstörerisches und vernichtendes Potential, das ich bisher nur vom Hörensagen her kannte“, stellte er fest. Nun hätten er und seine Familie es „am eigenen Leibe erfahren“.

Rentzing rief dazu auf, den Umgang miteinander neu zu besprechen, und forderte Loyalität ein für Beschlüsse und Wahlen, die die Synode getroffen habe. Er betonte zudem: „Fangen wir nicht an, gegenseitig in unseren Biographien herumzuwühlen. Dieser Weg wäre menschlich und geistlich zerstörerisch.“ Jesus habe nie so gehandelt.

2015 wurde Rentzing zum Bischof gewählt. Zuvor war er Gemeindepfarrer im Vogtland. Auf der Synodentagung Ende Februar, Anfang März 2020 soll ein neuer Bischof gewählt werden. Bis dahin nimmt Oberlandeskirchenrat Thilo Daniel diese Aufgabe wahr.

Von: Jonathan Steinert

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