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Renaissance des Christentums in Frankreich

Die charismatische Bewegung hat Gottesdienste in Frankreich zu Happenings werden lassen. So beschreibt der französische Skandalautor Michel Houellebecq in einem Interview die Renaissance des Christentums in seinem Land.
Von PRO
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Sieht in seiner Heimat das Christentum im Aufwind: der französische Autor Michel Houellebecq
Sieht in seiner Heimat das Christentum im Aufwind: der französische Autor Michel Houellebecq

Der französische Skandalautor und Gesellschaftskritiker Michel Houellebecq („Elementarteilchen“, „Unterwerfung“) beschreibt im aktuellen Spiegel-Interview eine Renaissance des Christentums. In Frankreich beobachtet er beispielsweise eine „bemerkenswerte Wiederkehr des Katholizismus“.

Es sei ein Phänomen, das er selbst nicht begreifen könne, er aber auch für weniger reaktionär halte, als es vielfach behauptet werde. Als einen Grund für diese gesellschaftliche Entwicklung sieht er beispielsweise die charismatische Bewegung. Sie verwandle ihre Gottesdienste in „Happenings und Gefühlsergüsse“. Er vergleicht sie mit Pfingstlern und Evangelikalen.

Unterirdische Strömung, die plötzlich zutage trat

Der französische Autor hat in den vergangenen Monaten und Jahren einen der „interessantesten Momente in der jüngsten Geschichte“ in Frankreich beobachtet. Die Politik sei von den Demonstrationen gegen die „Ehe für alle“ und das Adoptivrecht für gleichgeschlechtliche Paare durch die unerwartete Massenmobilisierung überrascht worden. Durch diese Aktionen seien sich die Katholiken in Frankreich ihrer Stärke wieder bewusst geworden. „Das war eine unterirdische Strömung, die plötzlich zutage trat“, sagte Houellebecq.

Auch was die Integration von Muslimen in Europa betrifft, hat Houellebecq eine dezidierte Meinung: „Wenn der Katholizismus Staatsreligion wäre, würde die Integration der Muslime sehr viel besser funktionieren.“ Mit einem zweiten Platz als respektierte Minderheit in einem erklärt katholischen Staat würden sich Muslime leichter abfinden. Denn Muslime kämen nicht mit der säkularen Gesellschaft und dem laizistischen Staat klar, deren Religionsfreiheit sie als Instrument der Religionsbekämpfung begreifen. Im Koran fänden die Muslime keine Anleitung für den Umgang damit. „Der Prophet Mohammed konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass es so etwas wie einen Atheisten gibt“, erklärte Houellebecq.

Wahrer Glaube sehr viel mächtiger als eine Ideologie

Für Houellebecq ist eine tiefe persönliche Überzeugung, ein wahrer Glaube, sehr viel mächtiger in seiner Wirkung auf den Geist als eine Ideologie. Den Kommunismus bezeichnet er als „eine Art falsche Religion, ein schlechter Ersatz, obwohl er sich so inszenierte mitsamt einer eigenen Liturgie“. „Eine Religion ist sehr viel schwieriger zu zertrümmern als ein politisches System“, sagte Houellebecq auf den Islam angesprochen. Er räumt dem Glauben eine Schlüsselfunktion in der Gesellschaft ein. Dieser fördere den Zusammenhalt, weil er ein Motor der Gemeinschaftsbildung sei.

Der französische Autor Michel Houellebecq erlangte literarische Berühmtheit mit Romanen wie „Elementarteilchen“, die ein prophetisches Talent für gesellschaftliche Entwicklungen auszeichnet. Auch berüchtigt sind sie für ihre expliziten Sexszenen. In seinem aktuellen Roman „Unterwerfung“, der im Jahr 2015 herauskam, sagte er in Frankreich den fiktiven Wahlsieg eines islamischen Präsidentschaftskandidaten voraus, der dann den laizistischen Staat abschaffte.

Von: Michael Müller

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