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Religiosität unter Arabern nimmt ab – Hass auf Israel weiterhin groß

Die Religiosität nimmt in der arabischen Welt ab. Israel wird jedoch weiterhin als die Wurzel allen Übels betrachtet. Gefragt wurde in einer neuen Studie auch nach Meinungen zu Frauen-Emanzipation, Homosexualität und drei wichtigen Staatsführern.
Von PRO
Muslima am Internationalen Flughafen in Dubai: Obwohl die Religiosität abnimmt, behalten viele Araber ihre alten Feindbilder bei (Symbolbild)

Foto: Adli Wahid/Unsplash

Muslima am Internationalen Flughafen in Dubai: Obwohl die Religiosität abnimmt, behalten viele Araber ihre alten Feindbilder bei (Symbolbild)

In arabischen Ländern haben sich bei Umfragen fünf Prozent weniger Menschen religiös gezeigt als bei einer Erhebung aus dem Jahr 2013. Besonders stark erkennbar ist der Trend bei den Unter-30-Jährigen: Von ihnen bezeichneten sich 18 Prozent als nicht-religiös. Am stärksten sticht die Entwicklung in den nordafrikanischen Staaten hervor. Die neue Studie des britischen Fernsehsenders BBC ist die größte jemals zu diesem Thema durchgeführte.

Die Bevölkerung der meisten Länder kann sich eine Frau an der Spitze des Staates vorstellen – nur im Sudan und in Marokko lehnt der Großteil eine Frau als Staatsführerin ab. Im Familienbereich soll jedoch der Mann das letzte Wort haben. Außer in Marokko sieht dies die Mehrheit in allen Ländern sowie in den palästinensischen Gebieten so. Diese Ansichten teilen auch die Frauen selbst.

Israel als größter Feind

Die Akzeptanz für Homosexualität variiert in der Region, rangiert aber insgesamt auf einem niedrigen Niveau. In Algerien finden 26 Prozent der Menschen Homosexualität akzeptabel, in Jordanien, Tunesien und Libanon nur etwa sieben Prozent. Den niedrigsten Wert verzeichnen die Palästinenser mit fünf Prozent. Die Akzeptanz für sogenannte „Ehrenmorde“ ist in allen Ländern und den palästinensisch verwalteten Gebieten höher als für Homosexualität.

Als größte Bedrohung in der Region nannten die meisten Befragten Israel. Am zweitgefährlichsten finden sie die USA, gefolgt von dem Iran. Im Libanon bezeichneten 79 Prozent Israel als größte Bedrohung, in den palästinensischen Gebieten 63 Prozent. Auch geografisch weiter entfernte Länder wie Libyen oder der Sudan fühlen sich am stärksten von Israel bedroht. Nur im Jemen und im Irak halten die Menschen den Iran für gefährlicher.

Viele wollen nach Europa

Die Teilnehmer wurden auch nach ihrer Sicht auf US-Präsident Donald Trump, den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gefragt. Hier ist Erdogan mit einem Zustimmungswert von 51 Prozent der haushohe Sieger. Trump ist mit insgesamt 12 Prozent selbst hinter Putins 28 Prozent weit abgeschlagen. In den palästinensisch verwalteten Gebieten erreicht die Sympathie für Erdogan knapp 75 Prozent. Im Libanon, in Libyen sowie Ägypten belegt der russische Präsident den ersten Platz.

Die Studie ergab außerdem, dass insgesamt 20 Prozent der Befragten darüber nachdenken, ihr Land zu verlassen. Im Sudan ist es über die Hälfte, in den palästinensischen Gebieten sind es 30 Prozent. Die meisten gaben an, nach Europa zu wollen. Einige nannten als Traumziel aber auch Nordamerika oder einen Golfstaat.

Die Studie wurde vom Forschungsnetzwerk Arabien-Barometer im Auftrag der BBC in zehn Ländern und den palästinensisch verwalteten Gebieten durchgeführt. Einige Golfstaaten wie Saudi-Arabien verweigerten den Forschern ungehinderten Zugang und werden somit nicht aufgeführt. Die Interviews fanden zwischen Ende 2018 und Frühjahr 2019 an privaten Orten statt. Das Arabien-Barometer hat seinen Sitz an der Universität Princeton.

Von: Timo König

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