Das christliche Medienmagazin

Religionswissenschaftlerin: “Kritischer Dialog” mit Islam unmöglich

M a r b u r g (PRO) - In einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" hat die Religionswissenschaftlerin Ursula Spuler-Stegemann den muslimischen Verbänden in Deutschland eine "islamistische" Orientierung vorgeworfen. An den neuen Moschee-Komplexen kritisierte sie den politischen Machtanspruch der Bauwerke. Darüber hinaus seien die Vertreter der muslimischen Verbände keine "gleichwertigen liberalen Partner". Ein theologischer Dialog sei daher unmöglich, sagte die Marburger Professorin.
Von PRO

Im April dieses Jahres wurde der Koordinierungsrat der Muslime (KRM) gegründet. Ziel der Organisation ist es, dem Staat einen zentralen Ansprechpartner für die Muslime in Deutschland zu bieten, zum Beispiel in Fragen des schulischen Religionsunterrichts. Die Islamwissenschaftlerin Spuler-Stegemann ist jedoch der Ansicht, dass der Koordinationsrat diese Vorgabe noch nicht erfüllen kann. Zum einen gebe es noch keine wirklich sachgemäße Lehrerausbildung, die den Vorstellungen des Grundgesetzes entspreche, und zum anderen sei der Rat islamistisch orientiert. Diese Einschätzung ist umstritten. Fest steht allerdings, dass zumindest zwei Mitgliedsverbände, die Ditib und der Islamrat, im Verdacht stehen, der vom Verfassungsschutz beobachteten Vereinigung Milli Görus nahe zu stehen.

“Moschee ist kein Gotteshaus”

Wie politisch die muslimischen Verbände in Deutschland sind, wird häufig an der Frage festgemacht, ob eine Moschee lediglich ein Gotteshaus oder doch ein kulturell-politisches Zentrum ist. Spuler-Stegemann tendiert zu Letzterem. Die Islamwissenschaftlerin bezweifelt sogar, dass eine Moschee überhaupt als Gotteshaus bezeichnet werden kann. Diese Frage sei selbst innerhalb des Islam umstritten, erklärt die Professorin. “Gar mancher Strenggläubige sagt, dass jeder Muslim an jedem Ort beten könne und man allenfalls für das Freitagsgebet Moscheen benötige.”

Auffallend sei auch, dass in jüngster Zeit große Moschee-Zentren gebaut würden. Die Träger dieser Bauprojekte seien oftmals kleinere Vereine. Neben dem Gebetsraum entstünden zusätzliche Gebäude, “so dass in der Tat der Eindruck einer islamischen Enklave und einer Parallelgesellschaft nicht von der Hand zu weisen ist”, sagt Spuler-Stegemann.

Eine politische Programmatik lasse sich auch aus der Namensgebung mancher Moscheen ableiten. Die Professorin ist überzeugt: “Wenn eine Moschee bewusst ‘Eroberermoschee’ (Fatih Camii) heißt oder ‘Hagia Sophia Moschee’ (Ayasofya Camii) als Symbol für die Eroberung von Byzanz 1453 und den damit verbundenen Niedergang Ostroms, also des christlichen Orients. Da greift man nicht zu hoch, wenn man sagt: Das kann eigentlich nur Programm sein! Diese Muslime wollen hier nicht nur ihre Präsenz zeigen, sondern sie auch verfestigen und ausweiten. Und wo der Minarettruf zu hören ist, da ist aus bestimmter muslimischer Sicht islamisches Terrain.”

“Streitbarer Dialog” statt “Scheingemeinsamkeiten”

In der Auseinandersetzung mit dem Islam sieht Spuler-Stegemann jedoch nicht nur die Politik in der Pflicht, sondern auch die Kirchen. Diese hätten auf den Dialog gesetzt, “ohne die kritischen Punkte anzusprechen”. Man könne nicht eine Zentralgestalt oder Symbolfigur wie Abraham für einen Trialog in Anspruch nehmen und Gemeinsamkeit vortäuschen, sagte die Islamwissenschaftlerin. Anstatt sich in “Scheingemeinsamkeiten” zu verstricken, müsse man versuchen, einen “streitbaren, kritischen Dialog” zu führen.

Ein derartiger Dialog erfordere jedoch gleichwertige, liberale Partner. Solche Dialogpartner gebe es, allerdings nicht in den Reihen der muslimischen Verbände, davon ist die Professorin überzeugt. Neben einem kritischen Dialog  hält Spuler-Stegemann auch fundierte theologische Diskussionen mit den Vertretern der Verbände für unmöglich. “Den Organisationen fehlt das theologische Potenzial.” Weder Axel Ayyub Köhler vom Zentralrat noch Ali Kizilkaya vom Islamrat seien Theologen. Ihre Hoffnung gelte deshalb den Professuren, die sich allmählich an den Universitäten in Deutschland etablierten, sagte die Islamwissenschaftlerin.

Helfen Sie PRO mit einer Spende
Bei PRO sind alle Artikel frei zugänglich und kostenlos - und das soll auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden. Unterstützen Sie jetzt PRO mit Ihrer Spende.

Diskutieren Sie mit!

Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihre Meinung sagen. Gerne klar, ehrlich, prägnant – aber bitte immer respektvoll, damit sich viele Menschen mit unterschiedlicher Meinung beteiligen. Daher achten wir besonders auf eine respektvolle Debattenkultur.
Jeder Leserkommentar wird vor der Veröffentlichung geprüft. Bitte beachten Sie dazu unsere Kommentar-Richtlinien. Manchmal kann es etwas dauern, bis ein Kommentar freigeschaltet ist. Sie haben ab Veröffentlichung sieben Tage Zeit, einen Artikel zu kommentieren. Danach wird der Kommentarbereich automatisch geschlossen.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden.

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen