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Religion in der Moderne

Mit den Fragen, ob es Gott oder Götter gibt, welches Geschlecht er hat und wie Gott heißt, beschäftigt sich die neue Ausgabe der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte. Zudem geht es in der 64-Seiten-Broschüre darum, wie Religion die Moderne beeinflusst und wann Menschen ein Verlangen nach Transzendenz haben.
Von PRO

Foto: Gina Sanders / fotolia

Für die einen sei Religion ein moralischer Kompass, für die anderen „Opium des Volkes“, schreibt Asie Öztürk in ihrem Editorial. Die Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament wird von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben. Sie veröffentlicht wissenschaftlich fundierte, allgemein verständliche Beiträge zu zeitgeschichtlichen und sozialwissenschaftlichen Themen sowie zu aktuellen politischen Fragen.

Vor diesem Hintergrund betrachten etliche Wissenschaftler die verschiedenen Facetten von Religion. Ob die Gesellschaft ohne Religion nicht sogar besser dastünde, fragt der Publizist Robert Misik. Die Zweifel am allmächtigen Gott seien berechtigt, weil es an allen Ecken und Enden gesellschaftlich „knirscht und knarrt“. Dass der Nutzen "der Religion ihren Schaden aufwiegt, ist eine Behauptung, für die es nur wenige Evidenzen gibt“.

Beten und Tun des Gerechten

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche für Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hält die Präsenz von Religion im politischen Raum für unverzichtbar. Die christliche Religion rufe Menschen „zum Beten und Tun des Gerechten“ auf und beeinflusse so die Gesellschaft. Der Kern des christlichen Engagements, das die Politiker schätzten, sei Jesus Christus.

Der Philosoph Wilfried Hinsch schreibt darüber, inwieweit kontroverse religiöse Glaubensinhalte grundrechtlich relevante staatliche Entscheidungen beeinflussen dürfen. Er geht auch auf die Problematik bekenntnisgebundener Wissenschaften ein und erörtert diese am Beispiel des Kreationismus. Für Hinsch ist es nicht problematisch, Kreationismus als unwissenschaftlich aus Schule und Hochschule auszuschließen, weil es „die unabweisbare Aufgabe dieser Einrichtungen ist, auf ein Leben in einer von den modernen Wissenschaften geprägten Welt vorzubereiten“.

Psychische Funktion erfüllen

Welche Fallstricke eine säkularisierte Gesellschaft bietet, erläutert Ariane Sadjed, Mitarbeiterin der österreichischen Gesellschaft für politische Bildung. Sie betont, dass Menschen vor allem in einer instabilen Lebenssituation Schutz und Halt in der Religion suchten. Der Philosoph Geert Hendrich meint, dass in säkularen modernen Gesellschaft die Rolle von Religion unproblematisch und klar sei. Aber die Wahrnehmung und Wertung des Religiösen im Bewusstsein der modernen Menschen habe sich verändert bis hin zu einer Patchwork-Religion. Die vielfältigen Formen des Religionsersatzes hätten vor allem eine psychische Funktion für den Menschen zu erfüllen. Auch der Fundamentalismus sei eine „zeitgenössische Form des Widerstands gegen Aspekte der Moderne“.

Inwiefern sich Religion in einer globalisierten Welt verändert, besprechen Rolf Schieder und Hendrik Meyer-Magister. Während weltweit die Zal der Religionsanhänger wachse, müssten die Volkskirchen in Deutschland herbe Verluste von Mitgliedern hinnehmen. Das Bedürfnis nach Sinnfindung sei allgegenwärtig. Als erfolgreiches Beispiel für die Verknüpfung von Individualisierung und Inklusion sehen beide die amerikanischen „Megachurches“. Die Frage sei, ob und wie die Kirchen von dem gestiegen Religionsbedarf profitierten.

Fäden der Macht gut verteilen

Für die Theologieprofessorin Birgit Heller steht fest, dass das männliche Monopol auf Wissen in vielen Religionen zu einem geringen Einfluss von Frauen geführt hat. Die großen Religionen der Gegenwart trugen wesentlich dazu bei, die männliche Dominanz in der Gesellschaft zu legitimieren. Sabine Demel, Professorin für Kirchenrecht an der Universität Regensburg, wünscht sich, ob des abnehmenden Engagements und der sinkenden Mitgliederzahlen, Strukturen, „bei denen die Fäden der Macht in möglichst viele miteinander vernetzte Hände gelegt werden.

Aus historischer Perspektive beleuchtet die Politikwissenschaftlerin Anja Hennig das Zusammenspiel von Religion und Politik in Europa. Darin weist sie auch auf bleibende Muster im Kirche-Staat-Gefüge hin. Der Jurist Stefan Mückl geht auf die juristischen Herausforderungen rund um das Staatskirchenrecht ein. Vier Einzelbeiträge über die Auswirkungen der öffentlichen Religionsdebatten runden das Heft, das  als Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament erscheint, ab. Interessierte können es sich unter folgendem Link kostenfrei bestellen und als PDF herunterladen: http://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/162404/religion-und-moderne (pro)

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