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Religiöse stark von Vorurteilen geprägt

Nur in wenigen Fällen schützt Religion oder eine besondere Religiosität vor Vorurteilen. Besonders eindeutig und stark ist der Einfluss auf die Abwertung von Frauen und Homosexuellen und eingeschränkt auch von farbigen Menschen und Langzeitarbeitslosen. Zu diesem Ergebnis kommt die Wissenschaftlerin Beate Küpper von der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach in ihrer Studie.


Von PRO

Foto: flickr/Jamison Wieser (CC-BY)

Sie hat 2.000 Probanden zu "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit"
befragt und dabei den Zusammenhang von Religiosität und Vorurteilen
untersucht. "Herausragende Persönlichkeiten und Organisationen berufen
sich bei ihrer achtenswerten Arbeit für Hilfebedürftige wie Kranke,
sozial Schwache und Ausgegrenzte auf ihren Glauben. Gleichzeitig waren
und sind Andersgläubige und Ungläubige Ziel von Angriffen religiöser
Menschen", macht Küpper die Religion als Motiv aus, das zugleich für
Menschenfreundlichkeit als auch für -feindlichkeit stehe.


Abweichende Gruppen, die nicht in die jeweils vorherrschende Glaubenslinie passten, oder die – religiös begründet – vermeintlich minderwertig sind, würden diskriminiert und verfolgt. Küpper hebt hervor, dass sie explizit eine sozialpsychologische und keine theologische oder philosophische Analyse von Religion betreiben wolle. Vorurteile könnten auf offene oder subtile Art und Weise geäußert werden. Dabei werde oft über-generalisiert und Angehörige einer Gruppe für die Taten Einzelner verantwortlich gemacht. Vorurteile seien deswegen schwer zu bekämpfen, weil vermeintliches Wissen, gerade dann angewandt werde, wenn kein faktisches Wissen zur Verfügung stehe.



Von den 2.000 aktuell befragten Personen sind 38,9 Prozent evangelisch, rund 30 Prozent katholisch und 26,1 Prozent gehören keiner Konfession an. Die Befragten wurden zudem gebeten, das Ausmaß ihrer Religiosität anzugeben. Fast 47 Prozent bezeichneten sich als sehr religiös oder eher religiös. Dies entspricht gegenüber Zahlen von 2002 einem leichten Rückgang der Religiosität. Auch das Ausmaß der Überzeugung, die eigene Religion sei anderen überlegen wurde erfasst.



Traditioneller Absolutheitsanspruch des Christentums als Erklärung



Als Ergebnis zeigt sich, dass die selbst eingeschätzte Religiosität einen hohen Zusammenhang mit fast allen berücksichtigten Vorurteilen hat. Küpper kommt zu dem Schluss, dass mit der Religiosität vor allem Sexismus und Homophobie zunähmen. Menschen, die sich selbst als religiös bezeichneten, neigten im Durchschnitt stärker zu diesen Vorurteilen als diejenigen, die sich eher nicht oder überhaupt nicht als religiös bezeichnen. Zudem stimmten Religiöse rassistischen Einstellungen stärker zu als nicht-religiöse Personen. Wenig Belege gebe es für den Zusammenhang von Religiosität und Antisemitismus sowie Islamfeindlichkeit, bewahre aber auch nicht davor.



Der Grund dafür, dass Protestanten und Katholiken offenbar schneller mit Vorurteilen zur Hand sind, liegt nach Küppers zufolge in dem traditionellen Absolutheitsanspruch des Christentums. Dass eine Religion anderen Religionen überlegen scheint, zeige eine Einteilung in besser und schlechter, so die Forscherin. Hinzu komme, dass Christen den Umfragen zufolge meist eine äußerst positive Meinung von sich selbst haben und sich sehr sicher in ihren Bewertungen fühlten.



Keinen Aufschluss gibt die Studie darüber, aus welchen persönlichen Motiven und auf Basis welcher Hintergründe die Befragten sich selbst als religiös bezeichnen und welche Form ihrer Religiosität hat. In ihrer Zusammenfassung schreibt Küpper auch, dass Vorurteile von religiösen Menschen nicht zwangsläufig Ausdruck einer tiefen Überzeugung sein müssen: "Religiöse Menschen könnten auch schlicht deshalb mehr Vorurteile gegenüber spezifischen Gruppen vertreten, weil sie ihre Übereinstimmung mit den Positionen offizieller Repräsentanten demonstrieren wollen." Gegenüber der Tageszeitung "Die Welt", die auf der Titelseite ihrer heutigen Ausgabe von der Studie berichtet, wird Küpper, wie folgt zitiert: "Die Kirche muss sich endlich fragen, was das schiefläuft." (pro)

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