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Religiöse Führer als Vertrauenspersonen im Kampf gegen Corona

Die christliche Kinderhilfsorganisation World Vision setzt bei ihrer globalen Kampagne zum Kampf gegen das Corona-Virus verstärkt auf religiöse Respektspersonen und Lehrer. Der Einsatz und die Vernetzung dieser Multiplikatoren haben sich schon im Kampf gegen Ebola bewährt, so die Organisation. Auch die Organisation Religions for Peace versucht, über interreligiöse Netzwerke in Zeiten von Corona zu helfen.
Von Jörn Schumacher
World Vision setzt auf die Verbindung zu religiösen Führern in den Ländern, in denen die Organisation im Einsatz ist
World Vision setzt auf die Verbindung zu religiösen Führern in den Ländern, in denen die Organisation im Einsatz ist

Wie die Kinderhilfsorganisation World Vision mitteilte, arbeitet man „seit langem gezielt und eng mit religiösen Respektspersonen zusammen“. Diese seien häufig die vertrauenswürdigsten und einflussreichsten Stimmen in den Gemeinden. Esther Lehmann-Sow, Direktorin für Glauben und Entwicklung bei World Vision, sagte: „Wir arbeiten mit Vertretern unterschiedlicher Religionen zusammen, weil sie großen Einfluss auf das Verhalten der Eltern und lokalen Regierungen haben und wir über sie das Verhalten so beeinflussen können, dass die Kinder geschützt und gut versorgt sind.“ Diese Personen in Schlüsselrollen helfen dem Werk bei den Bemühungen, Kinder vor dem Coronavirus zu schützen.

Lehmann-Sow erklärte weiter, es gebe etwa WhatsApp-Gruppen in fast allen Ländern Lateinamerikas, Asiens, Afrikas, des Nahen Ostens und Osteuropas. Diese würden von Mentoren moderiert und hätten in ähnlicher Weise in der Vergangenheit bereits bei HIV, Zika und Ebola geholfen, das Verhalten zu beeinflussen. Die Gruppen arbeiteten ähnlich wie Telefonketten, bei denen jeder Teilnehmer das Gelernte weiterverbreitet. So könne World Vision weltweit ungefähr 80.000 Respektspersonen erreichen, teilte die Organisation in einer Pressemittelung mit.

So erreich etwa Pastor Peter Kainwo aus Bo in Sierra Leone mit diesem System jede Gemeinde in seinem Land direkt oder indirekt. Die Menschen arbeiteten trotz verschiedener religiöser Zugehörigkeit zusammen, sagte Kainwo. „Die religiöse Lehre teilt uns, aber der Dienst verbindet uns.“ So habe er etwa mit dem obersten Imam seines Distrikts, Alhaji Mustapha Koker, eine Notfallplanung ausgearbeitet, bevor Covid-19 überhaupt in Sierra Leone ankam, so World Vision.

Kainwo erklärte, die Gemeinde habe ihre Predigten per Radio und Fernsehen übertragen. Weil aber viele arme Gemeinden keine Empfangsgeräte besäßen, habe die Gemeinde Megaphone und Lautsprecher angeschafft und die Dörfer mit Einverständnis der Behörden auf diese Art informiert. „Wir haben auch einfache Melodien für die Kinder komponiert, damit sie sich an wichtige Nachrichten erinnern können.“

Die christliche Hilfsorganisation World Vision wurde 1950 vom Pastor Robert Pierce gegründet und unterstützt Kinder, Familien und ihr Umfeld im Kampf gegen Armut und Ungerechtigkeit. Das Werk ist in fast hundert Ländern aktiv. World Vision Deutschland ist Teil des internationalen Netzwerks und wurde 1979 gegründet. Nach eigener Aussage unterstützt das internationale World-Vision-Netzwerk über 2,9 Millionen Patenkinder.

Multi-religiöser humanitärer Fonds

Die Organisation Religions for Peace (RfP) hat einen „multi-religiösen humanitären Fonds“ gegründet, um den Auswirkungen des Virus Covid-19 entgegenzuwirken. Der Fonds soll den Interreligiösen Räten und den multi-religiösen Netzwerken helfen, Aufmerksamkeit gegenüber den Schutzmaßnahmen zu schaffen, bedürftige Haushalte zu unterstützen sowie Diskriminierung in Sprache und Tat zu verhindern. In einer Erklärung teilte der RfP-Generalsekretär Azza Karam mit: „Die Welt sieht sich einer unvorhergesehenen Krise gegenüber, und religiöse Führer sind aufgerufen, als erste in einer solchen Krise zu agieren.“

Die Organisation teilte mit, dass RfP in Sierra Leone das Programm „Training of Trainers“ unterstützt, bei dem unter über 500 religiösen Führern die Aufmerksamkeit gegenüber Covid-19 gestärkt wird. In Uganda habe man ebenfalls Richtlinien für religiöse Leiter im Umgang mit dem Virus ausgearbeitet. In Japan habe man über 10.000 Masken verteilt. In Albanien sei RfP einen der ersten Organisationen, die Maßnahmen gegen COVID-19 initiiert haben.

Religions for Peace ist eine internationale Nichtregierungsorganisation mit Sitz in New York City, die sich zum Ziel gesetzt hat, durch interreligiösen Dialog Friedensarbeit zu leisten. Gegründet wurde sie 1970. Die Interreligiösen Räte sind in 90 Ländern aktiv.

Von: Jörn Schumacher

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