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Reichelt: „Wir haben nichts zu verstecken“

Der Streaming-Dienst Amazon sendet ab Freitag eine Dokumentation über die Arbeit der Bild-Zeitung. „Bild. Macht. Deutschland?“ heißt das neue Format. Chefredakteur Julian Reichelt spricht im Interview mit dwdl.de über Transparenz im Journalismus und was die Dreharbeiten verändert haben.
Von PRO
Bild-Chefredakteur und seineTeam haben sich für eine Amazon-Dokumentation bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen lassen
Bild-Chefredakteur und seineTeam haben sich für eine Amazon-Dokumentation bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen lassen

Am Freitag startet die siebenteilige Amazon-Dokumentation „Bild. Macht. Deutschland“. Mit Hilfe des Films soll der Zuschauer einen Einblick in den Arbeitsalltag und die Arbeitsweise des Boulevardblattes „Bild“-Zeitung bekommen. Produziert hat das Format Constantin Entertainment für Prime Video.

Im Interview mit dem Branchendienst dwdl.de sprechen Chefredakteur Julian Reichelt, Videoreporterin Angelique Geray und „Bild am Sonntag“-Chefredakteurin Alexandra Würzbach über die Dokumentation und ihre wichtigsten Erkenntnisse. Reichelt betont, dass er mit der Dokumentation die Transparenz anbiete, die sein Blatt von Politikern, Wirtschaftsbossen, Fußballvereinen fordere.

Die unglaubliche Polarisierung in den Sozialen Medien und den alternativen Medien in den vergangenen Jahren habe ihn veranlasst, dem Projekt zuzustimmen: „Egal was man von der Marke ‚Bild‘ halten mag: Wir gehören zum medialen Rückgrat dieses Landes, und die Menschen, für die wir diese Arbeit machen, haben das Recht zu sehen, was wir machen, wie wir es machen und wer es macht.“

Transparenz bei eigenen Maßstäben und Regeln

Zwei Jahre Vorlauf hätten die Vorbereitungen und Absprachen im Haus gedauert. In der Umsetzung des Projektes habe er nicht das Gefühl gehabt, „dass wir geschont worden wären“. Die Zeitung habe sich dem ausgesetzt, „was unsere eigenen Maßstäbe und Regeln sind, wenn wir mit Politik und Institutionen arbeiten“. Lediglich private Themen der Mitarbeiter oder vertrauliche Aussagen von prominenten Gästen seien nicht genutzt worden.

Die Marke „Bild“ sei dazu da, um klare Kante zu zeigen. Laut Reichelt versteht sie sich als „Stimme Deutschlands“ und wolle immer alle erreichen: „Wir machen keine Zeitung für die Stimme Twitters, dort wird gespalten.“ Der Erfolg der Bild-Zeitung sei möglich gewesen durch „Besinnung auf das, was uns eint“.

Reichelt betont, dass die Dokumentation keine kreierten Momente enthalte. Das führe zu manchen Szenen, die unpassend auf Außenstehende wirkten. Neben dem Redaktionsalltag begleiten die Macher auch die Bild-Redakteure zu Recherchen vor Ort, wie in der Corona-Krisenregion in Italien. Begleitet von einem Dokumentationsteam habe das die Arbeit vor Ort nochmal komplexer gemacht.

Sich vor Bigotterie hüten

In dem Gespräch betont Reichelt, dass sein Blatt sich sehr klar zu politischen Vorgängen äußere. Für ihn bedeutet dies nicht, „Politik zu machen“, sondern sie leidenschaftlich zu kommentieren und emotional einzuordnen. Selbstkritisch gibt sich der Chefredakteur im Umgang mit dem Virologen Christian Drosten. Im Genre Boulevard würden immer wieder Grenzen ausgetestet und überschritten. Hier habe er als Chefredakteur eine mögliche Eskalation bedenken müssen, „und das nicht bedacht zu haben, war bei der Anfrage der Fehler“. Auf Twitter hatte der Virologe einen Screenshot der Mail-Anfrage der „Bild“-Zeitung veröffentlicht, mit dem Hinweis, er habe „Besseres zu tun“, als innerhalb von einer Stunde Stellung gegenüber der Bild-Zeitung zu nehmen. Dies führte zu einer intensiven Debatte in dem sozialen Netzwerk.

Reichelt nimmt für sich in Anspruch, dass „Bild weiß, wie Deutschland tickt – besser als jede andere Medienmarke in Deutschland“. Dazu trage die Vielzahl an Reporterinnen und Reportern bei. Für die praktische Arbeit ist er überzeugt, „dass Bigotterie etwas ist, vor dem wir uns immer in Acht nehmen müssen, weil das der große Vorwurf ist, der Menschen, Medien und Machthaber zunehmend entfremdet“.

Journalismus ist aus seiner Sicht „kein Beruf für Menschen, die dazugehören wollen, sondern für Underdogs“. Diese Underdog-Rolle tue allen gut, weil sie „uns rausholt aus einer Routine, in der wir und viele Teile der Medienlandschaft stecken und die dazu verführt zu glauben, man wisse ja, wie alles funktioniert und sei der Größte. Ich möchte uns dazu zwingen, Underdog zu sein“. Auch das neue Format „Bild Live“ diene dazu, Geschichten zu erzählen, die das Land bewegen, „menschlich und emotional zu erzählen“. Die Marke „Bild“ müsse da „hingehen, wo die Menschen sind“.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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