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Rechtspopulismus: Kirche rät zu Dialog und Abgrenzung

Die Katholische Kirche gibt Gemeinden in einer neuen Arbeitshilfe Tipps zum Umgang mit Rechtspopulisten. Die Bischöfe raten zu einem offenen Dialog mit Andersdenkenden, aber auch zu klarer Kante, wenn die Menschenwürde in Frage gestellt wird.
Von Anna Lutz
Bischof Stephan Ackermann rät im Umgang der AfD zu Ruhe. Durch breite Debatten werde die Partei nur aufgewertet.

Foto: Bistum Trier

Bischof Stephan Ackermann rät im Umgang der AfD zu Ruhe. Durch breite Debatten werde die Partei nur aufgewertet.

Eine neue Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz soll Gemeinden im Umgang mit Hass und Feindseligkeit helfen. „Dem Populismus widerstehen – Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen“ lautet der Titel des Papiers, das die Katholische Kirche am Dienstag in Berlin vorstellte. Es erklärt, wie Populismus funktioniert, welche Rolle er in der Demokratie spielt und welche Themen er besetzt, etwa die Flüchtlingspolitik, Geschlechterverhältnisse und Frauenbilder sowie Islam. Die Arbeitshilfe gibt pastorale Empfehlungen für die Arbeit in den Gemeinden. Sie ermutigt Christen dazu, sich gesellschaftlich zu engagieren, auch bei Gegenwind. Gemeinden sollten Orte der Begegnung mit Andersdenkenden und Fremden sein und einen Dialog ermöglichen, damit die unterschiedlichen Seiten sich kennenlernen. Zugleich sollen Christen klare Widerworte geben bei Grenzüberschreitungen auf Kosten der Menschenwürde.

„Sich unterschiedslos allen zuwenden“

Rechtspopulistische Kräfte spielten heute eine große Rolle in der Bundesrepublik, sie seien „kein abstraktes Phänomen“ sondern eine „konkrete Realität“, sagte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. Mancherorts erlebten Gemeinden ein Klima der Feindseligkeit. Das Papier der Bischofskonferenz solle jenen helfen, die unter Druck stünden, Flüchtlingshelfern etwa. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode räumte ein, in katholischen Gemeinden gebe es auch Menschen, die sich etwa vor einer „Überfremdung“ fürchteten. Auch damit wolle sich die Kirche auseinandersetzen und sich „unterschiedslos allen Menschen zuwenden“.

Weil die Kirche aber vor allem jene im Blick habe, die in Not seien, stelle sie sich gegen jede Form des Narzissmus, der behaupte: „unser Land zuerst“ oder „unsere Kirche zuerst“, sagte Bode. Auch in den Gemeinden gebe es Gruppen, die Ängste schürten und instrumentalisierten. Die Bischofskonferenz wolle hingegen jene stärken, die sich für Flüchtlinge einsetzten und ein „Klima des Respekts und des Mitgefühls“ förderten. „Kirche würde ihre Sendung verraten, wenn sie diese Aufgabe nicht annähme.“ Populismus bedeute Generalisierung und Vereinfachung, sogar Ausgrenzung bestimmter Gruppen, nicht nur, wenn er von rechts komme. „Das kann der Kirche nur schaden“, sagte Bode. Jesus stehe für die Offenheit gegenüber allen.

Dialog mit der AfD möglich

Einen Dialog mit der AfD schloss Heße nicht aus: Es könne keinen anderen Weg als das Gespräch geben, aber wie und auf welcher Bühne es geführt werde, sei zu klären. Auf Partei-Ebene gebe es bisher keine Treffen von AfD und Kirche, in den katholischen Büros auf Landesebene hingegen würden sie geführt.

Bischof Stephan Ackermann aus Trier sagte, das Papier thematisiere bewusst nicht die AfD als solche. In seinen Augen werde sie durch die breite Debatte, etwa um Kirchentagsauftritte, aufgewertet. Im Blick auf die anstehende Landtagswahlen im Spätsommer riet er den Gemeindemitgliedern: „Geht wählen“, „seid wachsam“ und „sprecht miteinander“.

Von: Anna Lutz

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