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Rammbock Rechtsstaat?

Hass-Postings und Verrohung der Sprache im Netz sind zur Normalität geworden. Dem Hass mit Härte zu begegnen, ist für Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au der falsche Weg. Der Jurist Christian Schertz möchte dagegen nicht die rechte Wange hinhalten, wenn er auf die linke geschlagen wird.
Von PRO
Worüber man streiten kann und worüber nicht. Darüber debattiert die Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au mit Promi-Anwalt Christian Schertz in der Zeitschrift Chrismon

Foto: pro/Norbert Schäfer

Worüber man streiten kann und worüber nicht. Darüber debattiert die Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au mit Promi-Anwalt Christian Schertz in der Zeitschrift Chrismon

Wie weit darf die Streitkultur gehen, und wo hat sie ihre Grenzen – auch im Internet? Darüber haben die Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au und der christliche Rechtsanwalt Christian Schertz in einem Streitgespräch für das Magazin Chrismon gesprochen. Beide beobachten, dass früher aus der Anonymität heraus verunglimpft wurde. Heute fege das Ganze wie ein Tsunami über das Netz hinweg – und das unter den Klarnamen, beobachtet Schertz. Aus seiner Sicht müsse der Rechtsstaat als „Rammbock“ gegen solche Angriffe dienen.

Schertz kritisiert, dass viele Beleidigungen und Schmähungen folgenlos blieben und dadurch nicht aufhörten. Einen anderen Ansatz vertritt Christina Aus der Au: „Vor einem Einsatz des Rammbocks möchte ich klären, ob ich Menschen auf andere Weise erreichen kann.“ Schertz möchte dagegen mit niemandem diskutieren, „der mich ins Gas schicken will“. Das habe mit christlichen Werten nichts mehr zu tun.

Wieder mehr auf die Würde des Einzelnen achten

Anschuldigungen wie den Vorwurf „Lügenpresse“ sieht Schertz durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt. Trotzdem sei es wichtig, der Würde des Einzelnen wieder mehr Achtung zu schenken, und nicht nur unbegrenzte Meinungsfreiheit hochzuhalten. Als Rechtsanwalt widerstrebe ihm der biblische Ansatz, bei einem Schlag auf die rechte Wange auch die linke hinzuhalten: „Das mag als hehre These richtig sein, im täglichen Leben wird das aber anders empfunden.“

Hass mit Härte zu begegnen, hält die Kirchentagspräsidentin dagegen nicht für die richtige Lösung. Die Gesellschaft müsse sich fragen, wo heute noch das Gebot der Feindesliebe und der Schutz der Schwachen gelte. Mit Spannung erwartet sie den Auftritt der AfD-Politikerin Anette Schultner auf dem diesjährigen Kirchentag. Viele Christen beschäftige vor allem die Frage, was man AfD-Positionen entgegenhalten könne. Schertz erhofft sich, dass mit dem Auftritt die „Bigotterie und der Widerspruch“ der AfD entlarvt werde, als dass man ihr eine große Bühne bietet.

Aus der Au ist Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, der vom 24. bis 28. Mai in Berlin und Wittenberg stattfindet. Die Theologin lehrt an der Universität Basel. Christian Schertz ist Fachanwalt in Medienrecht und vertritt Politiker und Schauspieler als „Promi-Anwalt“. Er lehrt an der TU Dresden Persönlichkeits-, Presse- und Medienrecht. (pro)

Von: jw

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