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Rainer Schacke: Leidenschaft für Menschen in den Städten

Seit mehr als 20 Jahren ist Rainer Schacke als Journalist und in urbanen Projekten tätig. Nun wird der promovierte Theologe Direktor des neu gegründeten „Berliner Instituts für Urbane Transformation“ (BIT) und leitet ein Studienprogramm. pro hat mit Schacke über Inhalte und Ziele des Studienprogramms gesprochen.
Von PRO
Rainer Schacke war 20 Jahre für das Magazin „Neues Leben“ verantwortlich. Jetzt leitet er ein Studienprogramm am Berliner Institut für Urbane Transformation

Foto: Eberhard Koll

Rainer Schacke war 20 Jahre für das Magazin „Neues Leben“ verantwortlich. Jetzt leitet er ein Studienprogramm am Berliner Institut für Urbane Transformation

Herr Schacke, das Berliner Institut für Urbane Transformation ist eine Zusammenarbeit des „Theologischen Seminars Rheinland“ und des Stadtnetzwerks „Gemeinsam für Berlin“. Was verbirgt sich dahinter?

Das neue Berliner Institut für Urbane Transformation soll ein interkonfessionelles und interkulturelles Forum für Aus- und Weiterbildung in urbanen Diensten und ein Zentrum für praxisorientierte Stadtforschung sein. Wir möchten entdecken, was geistlich in der Stadt und in den vielfältigen Kirchen und Projekten bereits geschieht, wollen Erfahrungen für Ehrenamtliche, Studierende, Praktiker, Gemeinden und neue Initiativen zugänglich machen und das Miteinander in der Stadt fördern.

Welches Ziel verfolgt der Studiengang „Urbane Mission“?

Das Studienprogramm Urbane Mission mündet in Zusammenarbeit mit unserer Partnerhochschule, der staatlichen Universität von Südafrika, Unisa, in dem Abschluss Master of Theology. Wir wollen für unterschiedliche Dienste in Städten ausbilden – von Gemeindegründung über sozial-diakonische Gemeinwesenarbeit bis zur Arbeit von Christen in säkularem Berufsumfeld. Die Urbanisierung nimmt weltweit rapide zu. Heute leben drei von vier Menschen in Deutschland bereits in Städten, aber die theologische Ausbildung hinkt hinter dieser Realität her. Wir holen die Ausbildung deshalb in die Städte, unterrichten berufsbegleitend in Blockseminaren und nutzen die Stadt als Campus, um Theorie und Praxis im Dialog zu vermitteln.

An wen richtet sich das Studium?

Primär nutzen bisher Absolventinnen und Absolventen von theologischen Seminaren oder Pastoren, die schon in der Stadt aktiv sind, das Programm. Aber auch Interessierte mit anderen beruflichen Hintergründen können bei uns einsteigen. Voraussetzung ist ein Bachelor oder ein äquivalenter Abschluss, dazu Leidenschaft für Menschen in den Städten. Mittelfristig planen wir zusätzlich ein Zertifikat in urbaner Theologie, das weniger hohe Anforderungen als das Masterprogramm hat.

Ist das Studium staatlich anerkannt?

Ja. Die missionswissenschaftliche Abteilung der Unisa hat international einen ausgezeichneten Ruf und wir möchten von dem Ansatz dort lernen. Dieser Master ist ein auch in Deutschland anerkannter Universitätsabschluss. Das Curriculum orientiert sich am britischen Modell.

Worin unterscheidet sich das Studium „Urban Transformation Studies“ von der Gesellschaftstransformationslehre, die am Marburger Bibelseminar von Tobias Faix unterrichtet wird? Wo gibt es Schnittstellen?

Wir haben ebenfalls einen ganzheitlichen Ansatz und sind interdisziplinär ausgerichtet, versuchen aber unterschiedliche Ansätze der Mission und Transformation in Städten zu vermitteln. Wir legen Wert darauf, dass die Studierenden aus einem biblisch-weisheitlichen Ansatz heraus ihre eigene urbane Theologie entwickeln und dass sie diese in unterschiedliche Kontexte hineindenken können. Bei uns drehen sich alle Fächer um das Thema Stadt – von der Theologie bis zur Soziologie oder Sozialarbeit. Außerdem ist Evangelisation ein Themenbereich, der neben Diakonie und Gemeindeentwicklung für uns einen wichtigen Schwerpunkt bilden soll. Wir arbeiten mit den Marburgern in der Gesellschaft für Bildung und Forschung in Europa zusammen, sind freundschaftlich verbunden und nutzen auch einige Angebote dort, wie etwa Kontextanalyse oder Einführung in empirische Sozialforschung. Theologisch sind wir sicher etwas orthodoxer, werden aber auch über das neue Institut gerne partnerschaftlich mit ihnen zusammenarbeiten.

Soziale Netzwerke werden immer wichtiger. Welche Rolle spielen diese neuen Medien in dem Studienprogramm?

Soziale Netzwerke dienen uns natürlich zur Kommunikation mit Studierenden und anderen Akteuren im urbanen Raum. Sie sind auch ein interessantes Forschungsfeld. Etwa die Frage, welche Bedeutung „Nachbarschaft“ in der Stadt im virtuellen Zeitalter hat, beschäftigt uns immer wieder. Daneben informieren wir uns über online-basiertes Lernen, etwa über Moodle. Wir stehen jedoch noch am Anfang und müssen sehen, was sich hier in den nächsten Jahren anbieten und auch finanzieren lässt.

Wieviel kostet das Studium?

Die Gebühren liegen pro dreitägigem Seminar inklusive Vor- und Nachbetreuung bei 250 Euro. Dennoch würden wir uns für bedürftige Studierende auch die Möglichkeit für Stipendien wünschen – dafür werden Förderer gesucht. Gasthörer zahlen weniger. Und Studierende am Theologischen Seminar Rheinland können in ihrem vierten Studienjahr bereits kostenlos unsere Kurse besuchen.

Herr Schacke, bleiben Sie dem Magazin „Neues Leben“ weiterhin verbunden?

Ich werde es regelmäßig lesen und bin einer der Herausgeber.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Norbert Schäfer

Schackes Nachfolgerin bei „Neues Leben“ ist die evangelische Journalistin und Grafikerin Sabine Müller. Sie hat in den vergangenen Jahren ein eigenes Medienbüro geführt und lebt in Birnbach bei Altenkirchen.
Rainer Schacke, gelernter Journalist und Theologe, lebt und arbeitet in Berlin. Dort engagiert er sich als Gründer und Verantwortlicher in verschiedenen sozialen, kulturellen und gemeindlichen Initiativen, darunter die evangelische „Kulturwerkstatt Berlin-Mitte“. Er ist auch Vorsitzender der „Evangelischen Aktion Kreuzberg“. (pro)

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