In Nigeria ist das Radiomedium in weniger entwickelten Gebieten immer noch die am weitesten verbreitete Nachrichtenquelle
In Nigeria ist das Radiomedium in weniger entwickelten Gebieten immer noch die am weitesten verbreitete Nachrichtenquelle

Radiosender will Boko Haram zum Frieden bekehren

Es ist ein gefährliches, aber ein – in den Augen der Macher – lohnenswertes Unterfangen: Ein nigerianischer Radiosender versucht, im Nordosten des Landes aufzuklären und auch Boko-Haram-Terroristen von einem friedlichen Islam zu überzeugen.

Im Nordosten Nigerias regt sich in Form eines unabhängigen Radiosenders Widerstand gegen die islamische Terrormiliz Boko Haram. Der Sender heißt Dandal Kura, was übersetzt „Große Arena“ bedeutet. Der Nigerianer Faruk Dalhatu betreibt ihn mit seinen 46 Angestellten seit Februar in der Stadt Maiduguri. Das ist die größte Stadt im Nordosten Nigerias. Dalhatu setzt auf das gesprochene Wort, wenn es um Verteidigungsstrategien gegen Boko Haram geht. Die Tageszeitung Die Welt hat darüber eine Reportage geschrieben.

Als einziger Sender des Landes überträgt Dandal Kura in der Stammessprache der Kanuri. Die drei Millionen muslimische Mitglieder der Kanuri sehen sich seit Jahrzehnten von der Regierung benachteiligt. Die meisten Boko-Haram-Kämpfer rekrutiert die Miliz auch deshalb aus deren Stamm. Radiochef Dalhatu will mit seinem Programm dem Terrorismus in der Region den Nährboden entziehen. Drei Stunden am Tag senden sie. Gemäßigte Imame, die einen friedlichen Islam predigen, seien häufig zu Gast.

Journalisten auch als Retter im Einsatz

Der Radiosender will aufklären: Boko-Haram-Opfer erzählen in Interviews von ihren Schicksalen, Journalisten erklären, wie die Menschen mit Anwerbern der Terrormiliz umgehen sollen oder was es nach Anschläge zu beachten gilt. Einmal halfen die Radio-Journalisten einer Gruppe von Bürgern, die sich auf der Flucht vor den Terroristen verirrt hatte. Die Orientierungslosen riefen live in der Radiosendung an und wurden dann mit Hilfe der Journalisten aufgefunden und gerettet. Das Radio ist in strukturschwachen Regionen Nigerias wie dem Nordosten immer noch das wichtigste Informationsmedium.

Der Sender habe sich mittlerweile in der Region etabliert. Schwierig sei der Start gewesen, erzählt der Gründer. Es gab zwar laut Dalhatu Unterstützung durch amerikanische und britische Entwicklungshilfebehörden, aber das Leben in der Stadt Maiduguri, die als Geburtstort von Boko Haram gilt, war noch zu gefährlich. Deswegen sendeten sie zuerst aus der 600 Kilometer entfernten Stadt Kano. Erst durch die militärischen Erfolge des Präsidenten Muhammadu Buhari, der seit knapp anderthalb Jahren im Amt ist, konnte das Radio-Team umziehen.

Bekehrungsversuch mit Seifenoper

Trotzdem ist die Angst allgegenwärtig. Elf der 46 Angestellte des Senders sind Sicherheitskräfte. Auch auf eine Kennung am Haus hat die Redaktion verzichtet. Ein Ziel des Senders ist es auch, auf die Boko-Haram-Terroristen einzuwirken und sie letztlich „zur Aufgabe zu bringen“. Zum Beispiel haben sie ein aufwendig produziertes Radio-Hörspiel im Programm, das die Terrorauswirkungen auf eine Familie im Seifenoper-Stil schildert. Laut Angaben des Gründers Dalhatu hören 90 Prozent der Bevölkerung im Nordosten Nigerias zu, wenn sie auf Sendung geht.

Dandal Kura will nicht das Sprachrohr der Regierung sein. Mitarbeiter des Senders deckten früher Veruntreuungen von Staatsgeldern auf. Die damalige Regierung führte einen jahrelangen Prozess gegen die Eigentümer. Das trug auch zu ihrer Bekanntheit bei. Aufgrund der ausgewogenen Berichterstattung scheuen die Macher auch nicht davor zurück, Quellen von Boko Haram, etwa Gegendarstellungen zu Militärschlägen der Regierung, zu benutzen. (pro)

Von: mm

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