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„Radikale Christen“: Ohne Klischees im TV

Christen müssen sich von Journalisten hinterfragen lassen. Journalisten sollten dabei aber sachlich bleiben und nicht nur Klischees bedienen. Ein Beitrag des NDR über eine kleine freikichlich-charismatische Gemeinde beweist, dass beides geht. Danke! Ein Kommentar von Jonathan Steinert
Von PRO
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Der Journalist Hans Jakob Rausch (2. v.l.) hat sich eine Woche lang die Gemeinde des Pastorenehepaars Günter und Barbara Seifert (re.) angeschaut

Foto: NDR

Der Journalist Hans Jakob Rausch (2. v.l.) hat sich eine Woche lang die Gemeinde des Pastorenehepaars Günter und Barbara Seifert (re.) angeschaut

„Sieben Tage unter radikalen Christen“ – wenn eine Sendung so einen Titel trägt, dann scheint Gefahr im Verzug: entweder weil kritische Journalisten mit verdeckter Agenda, listigen Fragen und hinterhältigen Methoden gutgläubige, fromme Christen in die Pfanne hauen könnten; oder weil es womöglich fanatische Gläubige gibt, die die Gesellschaft unterwandern und die Welt mit religiösen Regeln überziehen wollen.

„Sieben Tage unter radikalen Christen“ – diese Sendung lief am späten Mittwochabend im NDR (Wiederholung am 24. März, 13:30 Uhr). Eine Woche lang hat sich der Reporter Hans Jakob Rausch dafür die kleine freie, charismatische Gemeinde „The Way of Holiness“ in Bietigheim-Bissingen angeschaut. Er hat mit den Pastoren und Gemeindegründern, dem Ehepaar Günter und Barbara Seifert, gesprochen, und mit Gemeindemitgliedern. Er war im Gottesdienst dabei, bei einer Taufe, im Gebetskreis, bei einem missionarischen Straßeneinsatz.

Die halbstündige Reportage lässt vor allem die Bilder und die Menschen sprechen. Der Zuschauer sieht, wie Pastor Seifert dafür betet, dass die Journalisten einen Film zusammenschneiden, der Gott ehrt. Der Film zeigt die Gemeinde, wie sie der Predigt ihrer Pastoren lauscht, aber auch in intimen spirituellen Momenten – beim Lobpreis mit geschlossenen Augen und erhobenen Händen, beim Gebet für Deutschland. Und auch bei Wunderheilungen, wie sie in einen trance-artigen Zustand verfallen, unartikulierte Geräusche von sich geben, wegsacken, am Boden liegen. Der Reporter Rausch bekundet im Film sein Befremden darüber, konfrontiert die Leiter mit kritischen Fragen: ob sie bei einer Krebserkrankung zum Arzt gehen oder auf ein Heilungswunder warten würden oder warum sie gelebte Homosexualität als Sünde ansehen; ob sie ihre Gemeindemitglieder manipulieren und von sich abhängig machen.

Trickreiche Effekte sind nicht nötig

Seine Erlebnisse in der Gemeinde und mit dem Leiterehepaar stellt er seinen eigenen Vorstellungen vom Christsein gegenüber. Er selbst ist konfirmiert, seine Mutter Pfarrerin. Am Ende des Beitrags kommt er zu dem Schluss: „Ich bin mit dem Satz aufgewachsen: Glaube und Vernunft gehören zusammen. In dieser Gemeinde habe ich eher den Eindruck, das schließt sich aus.“

Christen müssen sich hinterfragen lassen in dem, was sie glauben und tun. Das haben die Pastoren dieser Freikirche gemacht, haben sich den Fragen des Reporters gestellt, sind nicht ausgewichen. Der Journalist Rausch hat seinerseits gezeigt, dass kritische Recherche unter „radikalen Christen“ ohne versteckte Kamera, suggestive Formulierungen und aus dem Zusammenhang gerissenen Bildern und Zitaten möglich ist. Er stellt kritische Fragen, aber lässt seine Protagonisten sich erklären. Gerade durch die Kontroverse zwischen ihnen entsteht Spannung, da sind trickreiche Effekte nicht nötig.

Es geht im Film um ein Verstehen, nicht um die Bestätigung einer vorgefertigten These. Der Autor verzichtet darauf, zu pauschalisieren oder allgemeine Etiketten auszupacken, die Freikirchen oder Evangelikalen gern angehängt werden. Er gibt seine Einschätzung klar zu erkennen, versetzt aber auch den Zuschauer in die Lage, sich eine Meinung bilden zu können. Ob man als Zuschauer letztlich die Einschätzung des Journalisten teilt oder nicht – das ist guter kritischer Journalismus, das trägt zur Meinungsbildung bei, statt Klischees warmzuhalten. Danke dafür!

Von: Jonathan Steinert

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