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Private TV-Programme: Wenig Politik, viel Boulevard

Politische Nachrichten haben bei den privaten Sendern einen geringen Stellenwert. Während RTL täglich rund 60 Minuten Nachrichten sendet, erhalten Sat.1-Zuschauer nur insgesamt 30 Minuten am Tag aktuelle Informationen.
Von PRO

Foto: RTL

Der Stellenwert, den die beiden Marktführer RTL und Sat1 den Nachrichtensendungen einräumen, unterscheidet sich stark. Was sie gleichzeitig verbindet, ist der geringe Anteil von Politik in den Nachrichtenbeiträgen. Das ist einer der Befunde zum Fernsehen in Deutschland, die im neuesten Programmbericht der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM) in Berlin vorgestellt wurden.

"In der Regel wird in diesen Programmen weniger als ein Drittel der verfügbaren Nachrichtenzeit für die politische Berichterstattung verwendet", erklärte der wissenschaftliche Leiter der Göfak Medienforschung (Potsdam), Hans-Jürgen Weiß. Lediglich bei RTL seien in etwa im gleichen Umfang wie in den Nachrichten weitere politische Beiträge in Magazin-, Reportage- und Dokumentationssendungen zu finden. Gleichzeitig sei der Anteil an Boulevard-Themen bei RTL am höchsten.

Deutliche Kritik an dem geringen Stellenwert an Informationssendungen bei den privaten Sendern übte der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), Thomas Langheinrich: "Gegen den Trend, aus Renditegründen auf mehr und mehr Nachrichten und Informationsprogramme zu verzichten, muss etwas getan werden. Um es ganz klar zu sagen: Informationen über das aktuelle Zeitgeschehen und seine Hintergründe sind Wesensmerkmale von Vollprogrammen, die nicht zur freien Disposition stehen", erklärte Langheinrich.

Um zeitnah die Informationsvielfalt in privaten Fernsehvollprogrammen zu sichern, wollen die Landesmedienanstalten in Gesprächen mit der RTL-Mediengruppe und der ProSiebenSat-1-Gruppe eine Einigung auf unverzichtbare Mindestinhalte in den Programmen erreichen, so der DLM-Vorsitzende weiter. Das solle vor allem für die reichweitenstärksten Vollprogramme gelten.

Jugendschutz braucht gesellschaftlichen Konsens

Kontrovers diskutiert wird im Programmbericht auch die Mitwirkung von Kindern in Formaten wie "Erwachsen auf Probe" oder "Die Super-Nanny". Sie ist umstritten und immer wieder Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen von Kinder- und Jugendschützern, Fernsehproduzenten und Aufsichtsgremien. Für den Vorsitzenden der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), Wolf-Dieter Ring steht fest: "Wenn man solchen Formaten etwas Positives abgewinnen möchte, ist es die Tatsache, dass sie eine Debatte über mögliche Grenzen von Medieninhalten ausgelöst haben. Und diese Debatte brauchen wir, um die Herausforderungen für einen besseren Jugendmedienschutz in Deutschland auch in Zeiten von Globalisierung, Digitalisierung und Konvergenz der Medien erfolgreich meistern zu können."

Von der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten werden seit 1998 die privaten Fernsehvollprogramme der RTL Group (RTL, VOX und RTL II), der ProSiebenSat.1 Media AG (ProSieben, Sat.1, Kabel1) sowie der beiden öffentlich-rechtlichen Programme ARD/Das Erste und ZDF ausgewertet und in einem Programmbericht dargelegt. Die 14 Landesmedienanstalten in Deutschland koordinieren etwa Fragen der Zulassung und Kontrolle sowie Entwicklung des privaten Rundfunks. Sie sind in der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM) zusammengefasst. (pro)

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