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Presse und Kirche: Kein Traumpaar

Journalisten kennen sich mit dem Thema Religion nicht aus, Kirchen haben wenig Know-How im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Schweizer Studie und erklärt, warum Presse und Christen oft so schlecht aufeinander zu sprechen sind. Dies Erkenntnisse sind auf Deutschland übertragbar, erklärt der Journalist Andreas Püttmann.

Von PRO

Foto: flickr/ infraredhorsebite

Wenn das Thema Religion in den Medien auftaucht, ist es fast immer mit negativen Ereignissen verknüpft. Geht es um Juden und Buddhisten, werden diese als Opfer negativer Ereignisse gezeigt, geht es um den Katholizismus oder besonders um den Islam, werden die Gläubigen als Auslöser oder Mitschuldige schlechter Entwicklungen identifiziert. Das besagt die Schweizer Studie des Nationalen Forschungsprogramms "Religionsgemeinschaften, Staat, Gesellschaft". Die Forschungsgruppe um die Professoren Vinzenz Wyss und Urs Dahinden hat über zwei Jahre lang untersucht, wie Medien und Religionsgemeinschaften zusammenarbeiten.

Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Journalisten in der Regel nicht auf den Bereich Religion spezialisiert sind. Fachredaktionen zum Thema haben die wenigsten Schweizer Medien. Der Anteil der Journalisten, die konfessionslos seien, sei höher als der Durchschnitt der Bevölkerung. Andererseits wüssten die Journalisten, dass man sich an religiösen Themen die Finger verbrennen könne, erklärte Dahinden jüngst gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur "Kipa". Zudem wird Religion meist als journalistisch uninteressant wahrgenommen, es sei denn, sie ist mit anderen Themengebieten verknüpft, etwa der Politik. Ein Nachrichtenwert wird dem Thema Religion an sich selten zugesprochen. Wenn die Schweizer Medien dennoch über Glaube berichten, geht es meist um den Katholizismus oder den Islam. Der Anteil der Beiträge, die sich mit dem Protestantismus beschäftigen, ist laut der Studie "verschwindend klein".

Kirchen mangelt es an guter PR

Religionsgemeinschaften betreiben zudem in den seltensten Fällen professionelle Pressearbeit. Eine Ausnahme bilden die Landeskirchen, die aufgrund ihrer Größe über die notwendigen Ressourcen zur Öffentlichkeitsarbeit verfügen. Kleine Religionsgemeinschaften, etwa Freikirchen, bestreiten ihre Medienarbeit hingegen meist durch ehrenamtliche Helfer. Bei Muslimen, Hindus und Buddhisten kommt ein weiteres Problem hinzu: All diese Gruppierungen haben keinen Dachverband und sind deshalb schlechter organisiert.

Für die Studie mit dem Titel "Die Darstellung von Religionen in Schweizer Massenmedien: Zusammenprall der Kulturen oder Förderung des Dialogs" haben die Forscher über zwei Jahre lang Interviews mit Religionsvertretern und Journalisten geführt. Zudem hat das Team die Schweizer Medien auf ihre Darstellung von Religion hin untersucht. Ziel der Studie war es, herauszufinden, wie Medien das Zusammenspiel der Religionen im Konfliktfeld der Pluralisierung verstärken.

"Journalisten haben keine Ahnung vom Glauben"

Konflikte zwischen Kirche und Presse gibt es auch in Deutschland. Studien zur Wurzel des oft problematischen Miteinanders existieren hierzulande jedoch nicht, erklärt der Politikwissenschaftler und Publizist Andreas Püttmann. Dennoch sagt er gegenüber pro: "Dass Journalisten keine Ahnung vom Glauben haben, würde ich hundertprozentig unterschreiben." Gezeigt habe sich das etwa in der Diskussion um den Zölibat, dessen theologische Grundlage von vielen Journalisten gar nicht verstanden worden sei, sagt Püttmann. Immer wieder würden auch Begriffe falsch verwendet, etwa wenn anstatt des umstrittenen Erzbischofs Marcel Lefebvre von einem "Kardinal" Lefebvre die Rede sei.

Die Pressearbeit der Kirchen lobte Püttmann hingegen. So erlebe er gerade die freikirchliche PR als professionell – und das, obwohl sie im Gegensatz zur Medienarbeit der katholischen und der Landeskirche spendenfinanziert sei. Dennoch sieht Püttmann das Zusammenspiel von Presse und Kirche problematisch: "All die gute Pressearbeit nützt nichts, wenn die Journalisten selbst nicht hinter der Sache stehen", sagt er.

Andreas Püttmann wurde 1991 als Redakteur des "Rheinsichen Merkur" mit dem Katholischen Journalistenpreis ausgezeichnet. Er hat zahlreiche Bücher- und Zeitschriftenbeiträge zu Grundsatzfragen von Religion, Politik und öffentlicher Meinung verfasst. Zuletzt ist sein Buch "Gesellschaft ohne Gott. Risiken und Nebenwirkungen der Entchristlichung Deutschlands" erschienen. (pro)

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