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Das christliche Medienmagazin

Preis für Westergaard sorgt für Eklat

Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard ist zum zweiten Mal binnen weniger Wochen mit einem Medienpreis in Deutschland ausgezeichnet worden. Auf dem Medienkongress erhielt der 75-Jährige den Leipziger Medienpreis gemeinsam mit dem bulgarischen Reporter Assen Yordanov und dem afghanischen Journalisten Sayed Yaqub Ibrahimi.


Von PRO
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Foto: flickr/ bbcworldservice

Der mit jeweils 10.000 Euro dotierte Preis würdigte den Mut der
Journalisten für die "Freiheit und Zukunft der Medien". Der zweite Preisträger Sayed Yaqub Ibrahimi berichtete in seiner Heimat
kritisch über Machtmissbrauch, Waffen- und Drogenhandel – und erhielt
deshalb Morddrohungen. Er lebt außerhalb Afghanistans im Untergrund.
Assen Yordanov deckte in seiner Heimatstadt Burgas an der bulgarischen
Schwarzmeerküste Umweltverbrechen und Korruption auf. Er stand deshalb
mehrfach vor Gericht und sollte eigenen Aussagen zufolge zweimal
ermordet werden.
Die Auszeichnung des Dänen sorgte zugleich auch für Proteste. Westergaard hatte den Propheten Mohammed im Jahr 2005 mit einer Bombe im Turban gezeichnet und steht seitdem unter Polizeischutz.


Prominente Gäste fehlen


Die iranische Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi und ihr Landsmann, der Journalist und Regimekritiker Akbar Ganji, protestierten gegen die Auszeichnung. Beide waren auf dem Medienkongress als Gast eingeladen. Ebadi blieb der Preisverleihung aus Protest fern. Ganji, der den Preis 2007 bekommen hatte, reiste ohne Kongressbesuch wieder aus Leipzig ab. Er befürchtete, mit seiner Teilnahme seine Oppositionsbemühungen im Iran zu gefährden. 2000 war Ganji zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden, nachdem er eine Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung in Deutschland besucht hatte. Die Nobelpreisträgerin Ebadi sah mit den Karikaturen die religiösen Gefühle verletzt.

Auch der Preisträger Ibrahimi distanzierte sich von dem dänischen Karikaturisten. Er bezeichnete dessen umstrittene Karikatur als extremistisch. Die Jury hatte Westergaard und die beiden Journalisten bereits im Juni aus 22 Nominierten ausgewählt, aber die Namen aus Sicherheitsgründen erst kurz vor der Verleihung bekannt gegeben.


Meinungsfreiheit der persönlichen Einschätzung überzuordnen


"Pressefreiheit ist noch an zu vielen Orten der Welt gefährdet – auch an Orten, wo man nicht mehr damit rechnete oder rechnen darf", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) während der Preisverleihung, die unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen stattfand.
 Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und de Maizière distanzierten sich zwar von den Karikaturen, verteidigten aber den Preis. "Persönlich, als bekennender Christ, habe ich ein Problem damit. Aber die Meinungsfreiheit ist der persönlichen Einschätzung überzuordnen", erklärte Jung gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. De Maizière sagte, Westergaard verdiene Respekt und uneingeschränkte Wertschätzung der Demokraten in der ganzen Welt.


Nicht bereit zur Selbstzensur

"Ich bin nicht bereit, Selbstzensur zu betreiben", sagte Westergaard. Seine Karikatur 2005 in der dänischen Tageszeitung "Jyllands-Posten" hatte in der islamischen Welt heftigen Protest ausgelöst. Ihm bereite es Sorgen, dass die dänischen Intellektuellen und Kreativen in ihrer Meinungsäußerung vorsichtiger geworden seien, sagte der 75-Jährige.

In einem Interview mit "Zeit online" bezeichnet Westergaard sich selbst als Atheisten, der frei von religiösen Problemen sei: "Ich habe keinen Gott. Ich muss niemandem dankbar sein." Er habe auch keine Probleme damit über Jesus zu lachen: "Er hat seine sehr moralische Geschichte erzählt, darum habe ich großen Respekt vor ihm. Aber ich kann Jesus nicht als Sohn Gottes anerkennen, nur als ungewöhnlichen Menschen. Doch ich werde alle unterstützen, die in ihrer Religion bedroht sind", so Westergaard.



Für viele Muslime der große Satan


Trotz seiner Bedrohung glaube er nicht, dass der "ganz gewöhnliche Muslim mich töten will. Aber er hat nichts dagegen, dass ein anderer mich tötet. Deshalb habe ich mit dem Islam ein Problem. Viele Muslime haben mir gesagt, ich sei der große Satan. Aber ich bin doch ein friedlicher Mensch, der glücklos einen Dialog versucht hat." In der Interpretation seiner Zeichnung fühle er sich durch die Muslime missverstanden. (pro)

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