Rachel: Verstörendes Klima der Angst für Christen in Pakistan

Pakistans Blasphemiegesetze setzen Christen massiv unter Druck. Der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Thomas Rachel, berichtet nach einer Reise in das Land von einem „verstörenden Klima der Angst“.
Von Martin Schlorke
Thomas Rachel

Der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Thomas Rachel (CDU), hat sich besorgt über die Situation der Christen in Pakistan geäußert. Nach seiner jüngsten Reise in das Land berichtet er gegenüber PRO von einem „verstörenden Klima der Angst“ für Christen und andere religiöse Minderheiten. Grund dafür seien vor allem die Blasphemiegesetze Pakistans. Diese stellen die Beleidigung des Islams, des Korans oder des Propheten Mohammed unter harte Strafen. Verurteilte müssen mit lebenslanger Haft oder der Todesstrafe rechnen.

Gegenüber PRO weist Rachel zudem auf ein weiteres Problem der Gesetze hin. Denn immer wieder lösten bereits Anschuldigungen, Blasphemie geäußert zu haben, Mobgewalt bis hin zu tödlichen Angriffen aus.

Rachel fordert zudem von Pakistan ein konsequenteres Vorgehen gegen Entführungen, Zwangskonversionen und Zwangsverheiratungen christlicher Mädchen. Mit Blick auf die diplomatischen Beziehungen zu Pakistan erklärt Rachel: „Die Europäische Union muss ihre Zollerleichterungen für Pakistan konsequent an den Schutz der Menschenrechte, und hier den Schutz der Religions- und Weltanschauungsfreiheit, binden.“

Das christliche Hilfswerk „Open Doors“ listet Pakistan auf Platz acht seines Weltverfolgungsindexes. Gegenüber PRO erklärt das Hilfswerk, dass „Christen in Pakistan Rang extremer Verfolgung ausgesetzt sind“. Vor allem werden Christen auf Basis der „berüchtigten Blasphemiegesetze“ willkürlich angeklagt. Aus Sicht von „Open Doors“ droht die größte Gefahr christlichen Konvertiten, da deren Glaubenswechsel als Verrat an der muslimischen Kultur gelte.

Skandal in Großbritannien

Immer wieder werden Christen wegen angeblicher Blasphemie in Pakistan angeklagt. International sorgte vor allem der Fall Asia Bibi für Aufsehen. Ihr wurde vorgeworfen, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Ein Gericht verurteilte sie 2010 zum Tode. Weltweit forderten Menschenrechtler und Kirchen ihre Freilassung. Im Oktober 2018 hob schließlich der Oberste Gerichtshof Pakistans das Todesurteil wegen Mangels an Beweisen auf. Heute lebt Bibi in Kanada.

Die pakistanischen Blasphemiegesetze beschäftigten kürzlich auch die Erzbischöfin von Canterbury, Sarah Mullally. Diese hatte dem pakistanischen Islamgelehrten Hafiz Muhammad Tahir Mehmood Ashrafi einen Preis für Versöhnung und interreligiöse Zusammenarbeit verliehen. Neben Ashrafi erhielten mehrere Personen ebenfalls den Hubert-Walter-Preis. Wenige Tage später wurde ihm der jedoch wieder aberkannt.

In einer Erklärung der Erzbischöfin heißt es, dass frühere Äußerungen Ashrafis bekannt geworden sind, die zu der Rücknahme geführt haben. Dennoch schätze man sein Engagement für die Christen in Pakistan.

Um welche Äußerungen es sich dabei handelt, berichten englische Medien übereinstimmend. So hatte Ashrafi 2007 angekündigt, den Al-Qaida-Anführer Osama bin Laden mit dem islamischen Ehrentitel „Schwert Gottes“ auszuzeichnen. Zudem hat er über Bin Laden, den Drahtzieher der Anschläge vom 11. September, gesagt, dieser habe „für den Islam gegen die Russen, Amerikaner und Briten gekämpft“. Aus Sicht von Ashrafi seien diese Aussagen jedoch damals aus dem Kontext gerissen worden. Zudem gilt Ashrafi als ein Unterstützer der Blasphemiegesetze in Pakistan. In der Vergangenheit hatte er die Gesetzgebung immer wieder verteidigt und sich dafür stark gemacht, dass Ankläger, deren Vorwürfe sich als unwahr erweisen, ebenfalls hart bestraft werden.

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