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„Präzise Satire ist notwendiger denn je“

Satire muss heute sehr präzise sein, um das Erstarken politischer Extreme wie der AfD zu vermeiden. Dies hat der Moderator der heute-show, Oliver Welke, in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gefordert. Darin erklärt er auch, wie die Sendung mit den Vorkommnissen in Chemnitz umgehen möchte.
Von PRO
Plädiert in einem FAZ-Interview für eine sehr präzise Satire: der Moderator der heute-show, Oliver Welke

Foto: ZDF/Willi Weber

Plädiert in einem FAZ-Interview für eine sehr präzise Satire: der Moderator der heute-show, Oliver Welke

In seiner Zeit als Moderator der heute-show hat es drei Themen gegeben, bei denen Oliver Welke den Umgang seiner Redaktion mit dem Thema im Nachhinein bereut hat. Zu weit gegangen sei er bei einem „Abgesang“ auf die Ministerin Kristina Schröder und bei dem Umgang mit dem AfD-Politiker Dieter Amann, über dessen Sprachfehler er sich lustig gemacht hatte. „Da haben wir redaktionell versagt“, bekennt Welke. Und einmal hatte er eine Linkenpolitikerin fälschlicherweise der AfD zugeordnet.

In dem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) spricht sich Welke dafür aus, dass Satire wegen des Erstarkens der AfD „definitiv“ noch präziser sein müsse. Ein Großteil der Redakteure prüfe deswegen bis kurz vor Beginn der Sendung noch einmal alle vorrecherchierten Fakten: „Leute wie die von der AfD warten nur darauf, einen weiteren Beleg dafür zu bekommen, dass die Staatsmedien die Wirklichkeit verfälschen“, erklärt Welke.

Vorsicht vor der Monothema-Falle

Das Prinzip der Sendung sei es nicht, Politiker bloßzustellen oder pauschal abzukanzeln. Gags über Aussehen oder Ähnliches werde es in der Sendung nicht geben. Es gehe darum, Missstände aufzudecken. Dabei könne man nicht „jeden Gag darauf abklopfen, wie er bei Demokratiezweiflern ankommt, aber wir können etwas an der Gewichtung machen“. Welke bezeichnet die Diskussion über Flüchtlinge als „Monothema-Falle“. Deswegen müssten Satire-Sendungen sich thematisch breiter aufstellen.

Die Vorkommnisse in Chemnitz werde die heute-show auch aufgreifen, aber „über das übliche Sachsen-Bashing“ hinaus. Welke stimme es trotzdem nachdenklich, wenn zwischen 20 und 40 Prozent der Ostdeutschen sich eine andere Staatsform vorstellen können. Als Moderator einer Satire-Show sei er Teil der politischen Meinungsbildung und trage Verantwortung: „Jeder Satiriker oder Comedian, der glaubt, er könnte Verhältnisse grundsätzlich ändern, wird ein sehr unglücklicher Mensch.“

Bei vielen Themen, die in seiner Sendung immer wieder vorkämen, sei die Politik keinen Schritt vorangekommen. Die Altersarmut-Debatte habe die heute-show schon 2009 erstmals behandelt: „Weitergekommen sind wir keinen Millimeter.“ Optimalerweise könne er mit dem Format vermitteln, dass es bei einem Thema auch eine zweite Seite gebe. Über die Anzeigen und Beschwerden über seine Sendung werde er einmal im Jahr bei einer Austauschrunde mit dem ZDF informiert.

Oliver Welke nimmt in der heute-show die politischen Ereignisse der vergangenen Woche immer bissig und ironisch unter die Lupe. Im Stil eines Nachrichtensprechers kommentiert der 52-Jährige die Neuigkeiten aus Politik und Gesellschaft. Die Sendung gibt es seit dem Jahr 2009.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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