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Porsche-Chef: „Schluss mit dem Götzendienst!“

Der Vorstandsvorsitzende der Porsche AG, Wendelin Wiedeking, hat die deutschen Unternehmen dazu aufgerufen, sich wieder mehr an Kunden, Mitarbeitern und der Gesellschaft zu orientieren - und den "Götzendienst" von Unternehmen angeprangert.
Von PRO

„Unternehmen, die nur kurzfristigen finanziellen Kennzahlen wie Shareholder Value oder Quartalsrenditen hinterherrennen, müssen nun erkennen, dass sie damit einem Götzen gedient haben“, schrieb Wiedeking in einem Gastkommentar für die „Financial Times Deutschland.“

Deutschland erlebe derzeit eine fundamentale Sinnkrise, die das Ende des Finanzkapitalismus markiere. Es wirke wie eine Ironie der Geschichte, dass 20 Jahre nach dem Ende des Kommunismus wieder die damals gescheiterten Rezepte aus der Schublade geholt würden. In Deutschland könnten die Aktionäre enteignet werden, Großbritannien und Irland verstaatlichten komplett ihre Banken und „ausgerechnet im Zentrum des weltweiten Kapitalismus, der New Yorker Wall Street, beteiligt sich der Staat als wichtigster Aktionär an der einst weltgrößten Bank“, so Wiedeking.

Der vor kurzem noch geschmähte Staat müsse jetzt mit unvorstellbaren Milliardenbeträgen in die Bresche springen. Konjunkturprogramme, Kreditgarantien, Bankenbeteiligungen und Industriehilfen markierten nach der extremen Liberalisierung eine epochale Wende hin zur weitgehend staatlich gelenkten Wirtschaft. Der Anschein, in Deutschland werde sogar der grundgesetzlich garantierte Schutz des Eigentums torpediert, ist aus Wiedekings Sicht nicht zu bestreiten. Doch eine seriöse Antwort bedürfe einer differenzierteren Analyse jenseits der populären Schlagworte.

Schnelles und pragmatisches Handeln gefragt

Die extrem kritische Situation verlange als Gebot der Stunde nicht eine Prinzipientreue, sondern die Rettung vor dem Schlimmsten: „Wer vor den Folgen der Rettungsaktionen warnt, muss sich auch klarmachen: In allen zur Debatte stehenden Fällen verleibt sich der Staat nicht rigoros privates Vermögen ein. Er übernimmt nur, was ohne seine Geldspritzen ganz offensichtlich längst wertlos wäre“, meint Wiedeking weiter.

Anstatt Grundsatzdebatten zu führen, gelte in der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit schnelles und pragmatisches Handeln. Weil die japanische Regierung im Laufe der Rezession der 90er-Jahre zu zögerlich reagierte, zog sich die Krise jahrelang hin: „Dies zu vermeiden muss das oberste Ziel sein“, so Wiedeking, der den Regierungen in Europa ein Lob für die bisher getroffenen Entscheidungen attestierte. (PRO)

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