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Porno für lau

Wie verändert Pornografie uns und unsere Kinder? Und welche Konsequenzen hat dies für die Gesellschaft? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das neue Buch „Digitales Verderben“ von Anne Sophie und Christoph Wöhrle. Eine Rezension von Johannes Weil
Von PRO
Anstößige Inhalte und Pornografie spielen eine immer größere Rolle in der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen

Foto: pro

Anstößige Inhalte und Pornografie spielen eine immer größere Rolle in der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen

Der Journalist und Buchautor Christoph Wöhrle beschreibt, dass bei seinem ersten Porno-Konsum im Jahr 2003 das Thema noch in die Schmuddel-Ecke der Videotheken gehört habe. Mittlerweile seien Pornos aber für jedermann praktisch frei zugänglich. Das Einstiegsalter für diese Filme liege bei 11 bis 13 Jahren. Mit zunehmendem Alter schauten Jugendliche häufiger Pornos. Drei Prozent der Jungs täten dies sogar täglich.
Kinder beherrschten die Entsperrfunktion des iPhones, bevor sie nach anderen Dingen greifen. Die Gesellschaft interagiere sich zu Tode, heißt es in dem Buch. Durch die modernen technischen Möglichkeiten seien Pornos überall verfügbar. Jugendliche gingen dabei enthemmter vor, je anonymer die Portale seien. Der Psychoanalytiker Klaus Beier bemängelt, dass Jugendliche mit dem Porno-Konsum Weichen stellten, die nicht mehr umkehrbar seien. Sexuelle Gewalt und ungewöhnliche Sexpraktiken empfänden sie als normal.

„Altbackene Vorurteile“

In einem weiteren Kapitel widmen sich die Autoren der Homophobie und der ihrer Ansicht nach religiös motivierten Ablehnung von Schwulen und Lesben. Sie beklagen, dass viele Freikirchen Schwul sein als vor Gott unverzeihlich darstellten. Diese Meinung ziehe sich angeblich durch alle sozialen Schichten. Betroffene bekämen aber selten spezifische Hilfe angeboten. Junge Menschen hätten es schwer, Homosexualität offen zu leben, weil sie unter „altbackenen Vorurteilen dieser Menschen“ litten. Die aktuelle Diskussion um den Bildungsplan in Baden-Württemberg zeige, dass die Bevölkerung das Thema kontrovers sehe.
Aus Sicht von Gerhard Steppich, Lehrer und Medienbeauftragter einer Schule in Wiesbaden, müssten die Schulen auf die dauerhafte Präsenz von Pornografie reagieren und ein Schulfach dazu anbieten. Die Zahlen belegen seiner Meinung nach die Notwendigkeit dafür. Etwa 370 Millionen und damit etwa 12 Prozent aller Webseiten im Internet bieten Pornografie an. Der Reiz am Tabubruch wachse, was sich auch an den etwa 40 Fetischen zeige, zu denen es Portale gebe.

„Harmlose Variante“ Sexting

Die großen Gewinnspannen der Porno-Industrie gehörten der Vergangenheit an. Viel Geld könnte sie noch an „Live-Cam-Angeboten“ verdienen, bei denen die Darsteller virtuell die Wünsche der Kunden befriedigten. Die harmlosere Variante des „Porno für lau“ sei das Sexting, bei dem Schüler Nacktbilder oder Filme via Internet verbreiteten. Vieles davon könne der Jugendschutz gar nicht kontrollieren. Für den Psychoanalytiker Beier müsse die Gesellschaft den Spagat zwischen einer „Verteufelung und Verherrlichung“ von Pornografie hinbekommen. Kritisch sieht er, dass für die Erwachsenen gedachte Inhalte auf die Lebenswelt von Kindern treffen. Wenn dann das Sexualleben in der Realität von dem in den Filmen abweiche führe das zu Frust und gefährde Beziehungen. Die Autoren empfehlen den Eltern deswegen, ihren Kindern ein „Halt stiftendes und beziehungsorientiertes Konzept von Sexualität“ zu vermitteln.
Die Sucht nach Pornografie basiert aus Sicht der Autoren oft auf einer Sucht nach dem Internet. Zur Zeit wird die Zahl der Internetsüchtigen in Deutschland auf 560.000 geschätzt – mit steigender Tendenz. Deswegen müsse man die Medienkompetenz von jungen Menschen stärken. In einem Ausblick verweisen die beiden Autoren auf eine weiter wachsende und prägende Bedeutung des Internets alleine schon durch dessen ständige Verfügbarkeit. Auf die Entwicklung der Datenbrille „Google Glass“ habe die Pornoindustrie schon reagiert, da sie ihre Darsteller noch authentischer in Szene setzen könnte. Die Reportagen mitten aus dem Leben, die in das Buch einfließen, rütteln auf, geben aber einen – auch sprachlich – ungefilterten Einblick in die Realität des Geschäfts, das Leben eines Porno-Süchtigen und einer Person, die den Ausstieg aus der Porno-Sucht geschafft hat.
Die Autoren geben abschließend Tipps und Empfehlungen für Eltern, Lehrer und Nutzer. Eltern sollten mit ihren Kindern reden, klare Regeln zur Nutzung technischer Geräte aufstellen und ihnen vermitteln, dass Liebe und Sexualität etwas mit Geborgenheit zu tun haben. Damit könne zwar nicht der Kontakt mit Pornografie vermieden, Jugendliche aber im Umgang damit geschult werden. Die Nutzer selbst sollten bei negativen Erfahrungen das Gespräch mit einem Vertrauten suchen. Wichtig seien auch soziale Kontakte außerhalb des Internets.
Das Vokabular des Buches ist fachspezifisch und sicher nicht jedem geläufig. Das Kapitel zur Homophobie und dem Bildungsplan wird auch nicht allen gefallen, da die Autoren hart mit der Meinung der Christen zur Homosexualität ins Gericht gehen. Das Anliegen der Kritiker am Bildungsplan in Baden-Württemberg deuten die Autoren einseitig als Ablehnung von Homosexuellen, nicht aber als Kritik an der Anerkennung sexueller Vielfalt als Norm. Die dadurch einseitige Darstellung der Debatte trägt weder zu einer Versachlichung bei noch zeigt sie einen erkennbaren Mehrwert für das eigentliche Thema. Trotzdem ist der Status quo zum Thema Pornografie in dem Buch gut abgebildet und schreit förmlich nach Lösungen. Deswegen ist das Buch trotz mangelnden christlichen Inhalts eine Lektüre wert. (pro)
Anne Sophie und Christoph Wöhrle: Digitales Verderben: Wie Pornografie uns und unsere Kinder verändert, mvg-Verlag, ISBN: 978-3-86882-515-2, 16,99 Euro.

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