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Politiker stellen sich Fragen der Evangelischen Allianz

Welche Parteien vertreten heute christliche Werte? Darüber haben Politiker unterschiedlicher Fraktionen bei einer Podiumsdiskussion der Evangelischen Allianz München debattiert. In einer Frage herrschte Einigkeit: Engagierte Christen finden sich in allen Parteien.
Von PRO

Foto: pro

Das Podium der Evangelischen Allianz war mit Abgeordneten der vier größten bayerischen Landtagsfraktionen besetzt – die Freien Wähler wollten trotz mehrfacher Einladung nicht teilnehmen. In einer Vorstellungsrunde sollten die Politiker erklären, was der christliche Glaube für sie persönlich und ihre Partei bedeutet. Margarete Bause, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, berichtete, im Alter von 20 Jahren die katholische Kirche wegen deren Frauenbild verlassen und sich seitdem keine neue Konfession gesucht zu haben. Zwischen den Lehren des Christentums und ihrer Partei sieht sie Parallelen: „Die Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Bewahrung der Schöpfung verbinden uns. Ich freue mich auch über die Beiträge aus beiden Kirchen zur Flüchtlingspolitik. Hier zeigt sich, dass Christen und Grüne viele gemeinsame Werte haben.“

Bauses SPD-Kollegin Natascha Kohnen, Generalsekretärin der bayerischen Sozialdemokraten, trat ebenfalls in jungen Jahren aus der katholischen Kirche aus – wegen des zweiten Vatikanischen Konzils und der katholischen Ablehnung von Homosexualität. „Ich habe aber auch gesagt: Wenn ihr progressiver werdet, komme ich wieder.“ Die Auffassung von Solidarität und Gerechtigkeit, welche die SPD vertritt, findet sie auch im Christentum. „Wir gründen unsere politische Gestaltung im Hinblick auf den höchsten Wert – die Würde des Menschen.“

Der stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion, Karl Freller, ist nach wie vor katholisch. „Ich freue mich, dass die Verantwortung vor Gott und den Menschen in der Verfassung festgeschrieben ist – ich weiß nicht ob das heute noch gelänge“, sagte er. Diese Verantwortung sei Fundament seiner Politik, auch wenn es manchmal gelte, schwierige und auch schmerzhafte Kompromisse zu erzielen. Auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Thomas Hacker ist engagiertes Kirchenmitglied. Er wies darauf hin, dass der Einfluss von Christen in seiner Partei während der auslaufenden Legislaturperiode gewachsen sei. „Der Glaube ist zwar eine private Entscheidung, aber natürlich fließt er auch in die Landes- und Bundespolitik mit ein.

Tosender Applaus und lautes Buhen

Nach den Eingangsstatements wurde der Abend durchweg von Fragen aus dem Publikum bestimmt. Weitgehend einig waren sich die Diskutanten beim Thema Christenverfolgung: Die Politik muss hier eine noch klarere Sprache finden“, forderte Freller. „Wir lassen unsere Glaubensbrüder alleine. Der freie, christliche Westen überlässt Menschen zu oft der Verfolgung.“ Auch bei der Frage nach islamischem Religionsunterricht an Schulen in Deutschland herrschte Konsens – dieser sei eine Frage der Gleichstellung, die Gleichberechtigung der Religionsgemeinschaften sei von großer Bedeutung.

Lauten Applaus erntete in diesem Zusammenhang eine Forderung von Wolfgang Baake, der als Beauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) am Sitz des Bundestags und der Bundesregierung während der Diskussion die Sichtweise der DEA darlegte: „Wir treten dafür ein, dass die Religionsfreiheit in Deutschland für alle gilt. Aber genauso fordern wir, dass christliche Kirchen und Gemeinden auch in der Türkei und anderen islamischen Ländern existieren dürfen. Da bittet die DEA jeden Politiker, noch mehr zu tun.“

Die deutlichsten Unterschiede zwischen den Landespolitikern wurde beim Thema Familie offenbar. Auf die schlichte Frage „Was ist für Sie Familie“ antwortete Grünen-Fraktionschefin Bause: „Familie ist da, wo Kinder sind. Dazu muss man nicht verheiratet und nicht Männlein und Weiblein sein. Auch zwei Lesben, die zusammen Kinder erziehen, sind für mich Familie, weil sie füreinander sorgen.“ Diese Aussage verursachte Unruhe unter den knapp 300 Gästen und wurde mit lange Anhaltenden Buh-Rufen quittiert. Hacker (FDP) appellierte an das Publikum, die veränderten gesellschaftlichen Realitäten, die auch Alleinerziehende und Patchwork-Familien mit einschließen, zur Kenntnis zu nehmen. Er sagte: „Familie ist da, wo Menschen dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen.“ Kohnen (SPD) warf ein, dass auch Kinder, die mit „gleichgeschlechtlichen Eltern aufwachsen, das so sehen, dass sie Eltern haben“.

Freller (CSU) forderte mehrfach, den im Grundgesetz festgeschriebenen besonderen Schutz der „herkömmlichen Ehe – und an nichts anderes haben die Verfasser gedacht –“, aufrechtzuerhalten. Er betonte aber auch, dass er schon mehrfach bei der Homosexuellen-Parade „Christopher Street Day“ gesprochen habe und der Meinung sei, auch ein gleichgeschlechtliches Paar könne Kinder gut erziehen.

Weitere Themen: Asyl, Abtreibung, Mindestlohn und Sterbehilfe

Mit ihren Äußerungen zur Asylpolitik konnte Bause (Grüne) auch Applaus für sich verbuchen. Sie berichtete von den „krank machenden Zuständen“ in Asylbewerberheimen in Deutschland, für die sich das Land schämen müsse. Hacker (FDP) bekräftigte: „Wir müssen den Kindern von Asylbewerbern eine bessere Sprachförderung und auch eine Ausbildung ermöglichen.“ Hierzu würden auch immer wieder Gespräche mit den Kirchen geführt.

Auch das für viele Christen wichtige Thema Abtreibung wurde von der Runde kurz angesprochen. Freller berichtete, wegen der klaren Haltung der CSU zu dieser Frage einst in die Partei eingetreten zu sein. Heute würde er in dieser Frage aber „näher an den anderen Parteien sein, weil ich im Vergleich zu früher die Lebenswirklichkeit besser kennengelernt habe“. Bause sagte, sie sei erfreut darüber, dass es um Abtreibung wenig Diskussionen in Deutschland gebe und es nicht kriminalisiert werden dürfe, wenn sich eine Frau in einer Notsituation zum Abbruch der Schwangerschaft entschließe.

Gegen Ende der Veranstaltung legten die Podiumsgäste noch die bekannten Positionen ihrer Parteien zum Mindestlohn dar – besonders SPD-Frontfrau Kohnen tat sich hier engagiert hervor. Der Abend endete mit einem nachdenklichen Konsens über das sensible Thema Sterbehilfe, zu dem sich keiner der Anwesenden ein Urteil anmaßen wollte. (pro)

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