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Politiker fordern Stopp für RTL-Dschungelcamp in Australien

RTL will ab Freitag sein Dschungelcamp aus den australischen Wäldern senden. Angesichts der verheerenden Brände im Land gibt es starke Kritik, Politiker und Prominente fordern, das Format nicht auszustrahlen. Johannes Selle (CDU) spricht von „Geschmacklosigkeit“.
Von PRO
Gegen eine Ausstrahlung des RTL-Dschungelcamps sprechen sich mehrere deutsche Politiker, wie CDU-Medienexperte Johannes Selle, aus (Symbolbild)

Foto: David Clode, Unsplash/H. J. Müller, Wikipedia (CC BY-SA 3.0 de)

Gegen eine Ausstrahlung des RTL-Dschungelcamps sprechen sich mehrere deutsche Politiker, wie CDU-Medienexperte Johannes Selle, aus (Symbolbild)

Will der Sender RTL Entertainment und Einnahmen um jeden Preis? Diese Frage stellen sich derzeit zahlreiche Vertreter aus Politik und der Unterhaltungsbranche. Ab Freitag heißt es auf dem Sender wieder: „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. Zwölf mehr oder weniger prominente Teilnehmer ziehen dann in das australische Dschungelcamp ein, berichten Pikantes aus ihrem Privatleben und müssen in den berüchtigten Dschungelprüfungen Dinge wie Känguru-Anus und gekochten Krokodilpenis essen. So passierte es zumindest in den vergangenen 13 Staffeln. Die derzeit verheerenden Buschbrände in Australien, durch die zahlreiche Menschen und Tiere ihr Leben und ihren Lebensraum verloren haben, führen nun zu der Forderung aus der Politik, die Show abzusagen.

Das Konzept der Sendung hatte in der Vergangenheit bereits immer wieder Fragen aufgeworfen. Etwa, wie sich Menschen für solch ein Format hergeben können. Ein Grund ist sicherlich das Preisgeld von 100.000 Euro. Aufgrund der Buschbrände steht „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ nun zudem wegen dieser Aspekte im Fokus.

So erklärte der evangelische CDU-Politiker Johannes Selle der Bild-Zeitung: „Die Geschmacklosigkeit, im Dschungel um Kochstellen zu lümmeln und rauchende Gestalten rumlaufen zu sehen, wird nur noch vom Titel der Sendung ‚Holt mich hier raus‘ an Sarkasmus übertroffen.“ Selle ist Mitglied des Unterausschusses Neue Medien des Bundestages.

„Erinnert an den Tanz auf dem Vulkan“

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach (konfessionslos) fordert, die Sendung vorerst zu stoppen. Der Bild-Zeitung sagte er: „Ich finde es angemessen, während dieser Brände die Sendung Dschungelcamp, die ich persönlich aber auch grundsätzlich entbehren könnte, dort nicht weiter zu drehen. […] Das Ganze erinnert an den Tanz auf dem Vulkan.“

Ein Teilnehmer der aktuellen 14. Staffel des Dschungelcamps, Schauspieler Raúl Richter, schreibt auf Instagram: „Aus gegebenem Anlass ist es tatsächlich paradox, dass wir für eine Unterhaltungsshow in ein Land fliegen, in dem gerade Menschen um ihr Leben kämpfen und viele, viele Tiere diesen Kampf bereits verloren haben.“ Er wolle seine aktuell gute Reichweite nutzen, um die Besucher seiner Seite für das Thema Klimawandel zu sensibilisieren. „Wir tragen alle unseren Teil dazu bei, die Klimapolitik in Australien verschlimmert das ganze leider noch.“ Er ruft dazu auf, für unterschiedliche gemeinnützige Organisationen in Australien zu spenden.

In einem weiteren Video-Post erklärte der Kandidat, er habe sich mit einigen Australiern unterhalten. Diese sagten sinngemäß: Egal ob die Sendung stattfinde oder nicht, es lösche nicht die Brände. Viele Gesprächspartner befürworteten laut Richter die Ausstrahlung der Sendung. Auch Bob McCarron, bekannt als der australische Dschungel-Arzt „Dr. Bob“, der Teil der Sendung ist, meldete sich zu Wort. Er habe laut Richter gesagt, es stehe „außer Frage“, dass er diesen Job macht. Die Produktion schaffe Arbeitsplätze, 400 Beteiligte verdienten damit ihr Geld. Die Show bringe Aufmerksamkeit für das Thema und generiere Tourismus. Laut Bild sagte McCarron: „Die Feuer, die uns hier am nächsten sind, sind zwei bis drei Autostunden, also Hunderte Kilometer entfernt.“

Preisgeld spenden und Brände thematisieren

Ein ehemaliger Teilnehmer und Gewinner der Show, Peer Kusmagk, betont laut Bild: „Ein Fernsehsender wie RTL hat in diesen Tagen eine sehr große Verantwortung. Wenn man mit so einer Monsterproduktion aus Australien live sendet, sollte man darauf achten, etwas zurückzugeben.“ Er befürwortet, dass das Preisgeld gespendet werde und Gespräche im Camp über die prekären Zustände im Land zu senden – auch wenn diese nicht „100 Prozent Unterhaltungswert“ hätten.

Der Sender RTL erklärte in einer Pressemitteilung, dass dieses Jahr verschärfte Sicherheitsregeln für die Bewohner gelten sollen. Es gebe etwa zwei Alarmsysteme, die alle Personen im Dschungelcamp warnen sollen. Die Campteilnehmer seien unter anderem aufgeklärt worden, wie durch welches Verhalten sie einen Brand verhindern können. Es soll zudem kein Lagerfeuer geben, dieses werde durch eine Gaskochstelle ersetzt. Raucher dürften nur im Zentrum des Camps rauchen. „Der Teamchef hat als Einziger ein Spezialfeuerzeug, das von Sicherheitskräften freigegeben wurde. Zigarettenstummel wandern direkt in eine verschließbare Box.“

Am Mittwoch sagte ein RTL-Sprecher dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), dass eine Verschiebung der Sendung nicht geplant sei: „Wir nehmen die Situation in Australien sehr ernst. Wir haben uns auch mit teils direkt betroffenen australischen Crewmitgliedern ein persönliches Bild von der Situation gemacht“. Und weiter: „Die Buschbrände werden in der Sendung thematisiert.“

Von: Martina Blatt

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